RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekt:innen: radical optimism

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Architektur Galerie Berlin
Karl-Marx-Allee 96
10243 Berlin

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Was geht?

Heinrich Raderschall: Rathaus Godesberg. Foto: Unbekannt

Vom 12. März bis zum 16. April 2026 zeigt die Architektur Galerie Berlin die Ausstellung radical optimism von RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekt:innen (RMPSL). Die Bedeutung des Begriffes „radikal“ – radicalis „an die Wurzel gehend, von Grund auf“, von radix (lateinisch) „die Wurzel“ – setzen RMPSL in ihrer Ausstellung als Basis, Metapher und verbindendes Element ein.

Zum einen feiert das Büro 2026 sein 75-jähriges Bestehen und reflektiert seine Projekte der 1950er und 1960er Jahre anhand einer Serie großformatiger Schwarzweißfotos. Es ist sich seiner Wurzeln bewusst und versteht diese als Basis der Weiterentwicklung.

Zum anderen richtet die Ausstellung den Blick auf aktuelle Herausforderungen: Die Anpassung unserer Lebensräume an die Folgen des Klimawandels erfordert eine Verdopplung baumbestandener und entsiegelter Freiflächen. Dabei kommt der Vegetation, insbesondere dem Stadtbaum, eine zentrale Rolle zu. Die Ausstellung richtet den Blick deshalb gleichzeitig auf den Untergrund als Wurzelraum der Vegetation und möchte die Besucher:innen für die Bedeutung dieses Unsichtbaren sensibilisieren. Zur Veranschaulichung des Umfangs der Wurzel eines 30-jährigen Baumes steht mitten in der Ausstellung ein 24 Kubikmeter fassender Container. Das ästhetische Potential von wachsenden Wurzelsystemen zeigen Videos, die im Forschungszentrum Jülich entstanden sind.

RMPSL: Rathaus und Marx-Engels-Forum Berlin, 2027. Visualisierung: RMPSL Landschaftsarchitekt:innen

RMPSL: Talauenpark Waiblingen. Foto: Roman Mensing

Auch der Begriff „Optimismus“ knüpft an die Bürogenese an und zieht Paralellen zum vegetativen Optimismus junger Wurzeln. Im Allgemeinen bezeichnet Optimismus eine heitere, zuversichtliche und lebensbejahende Grundhaltung sowie eine positive Erwartungshaltung gegenüber der zukünftigen Entwicklung – auch ohne gesicherte Gewissheit. Diese Haltung ist für RMPSL ein wichtiger Wert in der Projekt- und Büroentwicklung.

Die Verknüpfung beider Begriffe enthält für RMPSL nicht zuletzt einen gesellschaftlichen Impuls. Die vernetzte und systemische Transformation, die buchstäblich an die Wurzeln greift, eröffnet trotz berechtigter Enttäuschungen die Chance auf eine positive Zukunft. RMPSL verstehen das jedoch nicht um blinden Optimismus, sondern im Sinne von Ernst Bloch als „Optimismus mit Trauerflor“. Ihr Credo lautet: Wir müssen den urbanen Untergrund der Städte neu denken: Geben wir den Wurzeln Raum und schaffen gemeinsam ein starkes Netzwerk aus grüner, blauer und vielfältiger Infrastruktur für lebenswerte, zukünftige Städte!

RMPSL: Gartenschau Vaihingen an der Enz, 2029. Visualisierung: RMPSL Landschaftsarchitekt:innen

Heinrich Raderschall: Frankenbad Bonn, 1963.
Foto: Gerhard Sachsse

1951 gründete Heinrich Raderschall das Büro in Bonn, 1971 entstand die Büropartnerschaft RMP von Heinrich Raderschall, Carl Möhrer und Friedrich-Wilhelm Peters. 1999 begann Stephan Lenzen seine Mitarbeit im Büro, das er seit 2004 als alleiniger Inhaber führt. Heute hat RMPSL 85 Mitarbeiter:innen und Niederlassungen in Berlin, Hamburg, Köln und Mannheim. Zu den wichtigsten Projekten zählen Dycker Feld (2002), Bundesgartenschau Koblenz (2011), Talauenpark Waibligen (2019) und Grünzug Nordost + Klimapark Mannheim (2023). Aktuell plant RMPSL unter anderem die Landesgartenschauen Windsheim (2027) und Günzburg (2029), das Rathaus- und Marx-Engels-Forum in Berlin (2027) und das Elbinselquartier in Hamburg (2028). Stephan Lenzen ist Präsident des bdla Bund Deutscher Landschaftsarchitekt:innen und lehrt an der FH Dortmund.

Quelle/Autor:in: Architektur Galerie Berlin