Was geht?
Holzbau steht im Zentrum, wenn es darum geht, Architektur und Bauwirtschaft nachhaltiger zu gestalten. Oft wird Holz als kohlenstoffspeichernder und nachwachsender Baustoff zum Hoffnungsträger der Bauwende erklärt. Doch es braucht mehr als nur „aus Holz gebaut“, um nachhaltig zu sein. Die Ausstellung Holzbau Architektur mit MENSCH. ORT. HAUS. VERSTAND. untersucht anhand ausgewählter Projekte, welche sozialen, baukulturellen, räumlichen und konstruktiven Aspekte es braucht, um tatsächlich ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig zu bauen.

LANDWIRTSCHAFTLICHES ZENTRUM. Salez (CH). von Andy Senn (St. Gallen) – © Seraina Wirz
Gebauter Raum mit seinen Proportionen, Oberflächen, Übergängen, Blickbeziehungen und Funktionen steht immer in Beziehung zu den Menschen, die ihn nutzen, darin verweilen und ihn gestalten. Bauwerke und ihre Umgebung können – je nachdem, wie sie geplant und gestaltet sind – Identifikation, Kommunikation und Zusammenhalt fördern oder verhindern. Die ausgewählten Projekte zeigen sozial und konstruktiv nachhaltige Holzbauten, die beispielsweise Ortszentren reaktivieren, auf die Bedürfnisse ihrer Nutzer:innen eingehen oder konstruktiv neue Wege beschreiten. Kurzum: Holzbauten mit sozialem und ökologischem Mehrwert, die mehr sind als gebautes Volumen und funktionale Maschinen.
Holzbau hat seit jeher eine besondere Bedeutung für die Baukultur. Nutzbauten, landwirtschaftliche Gebäude, Wohnhäuser oder öffentliche Bauten prägen unseren Kulturraum. Dabei geht es nicht allein darum, ob gebaut wird, sondern wie sich gebauter Raum gestalterisch und räumlich in seine Umgebung einfügt und wie er genutzt wird. Zeitgenössische Holzbauten schaffen im Zusammenwirken von Bauherr:innen, Planenden und Ausführenden einen baukulturellen Mehrwert und entwickeln traditionelle Bauweisen weiter.
Ressourcenschonung und suffiziente Bauweisen entstehen durch Reduktion und jahrhundertealtes Wissen. Holzbalken wurden über Generationen mehrfach genutzt und wiederverwendet; dieses Wissen gewinnt heute im zirkulären Bauen neue Bedeutung. Neue Technologien revolutionieren die Kunst der Fügung, der Demontierbarkeit und der Wiederverwendung. Die nachhaltige Nutzung von Holz als Ressource sowie die wesentliche Rolle von Handwerk und Forschung für die Weiterentwicklung des Bauens werden dabei sichtbar. Ebenso regt die Ausstellung dazu an, über angemessene Lösungen, den Altbau von morgen und die gesellschaftlichen, politischen und ökologischen Rahmenbedingungen der Bauwende nachzudenken.
Internationale Projekte im Fokus
In ihrer zweiten Ausgabe richtet die Ausstellung Holzbau Architektur mit MENSCH. ORT. HAUS. VERSTAND. im HDA ihren Blick verstärkt auf internationale Projekte, die unterschiedliche Antworten auf die Herausforderungen des Bauens mit Holz geben. Ergänzt werden sie durch Forschungsprojekte der Technischen Universität Graz, die aktuelle Entwicklungen an der Schnittstelle von Materialforschung, Konstruktion und Baupraxis sichtbar machen. Damit knüpft die Ausstellung an Graz und die Steiermark als bedeutenden Standort für Holzbau, Holzforschung und holzverarbeitende Industrie an und verbindet regionale Expertise mit internationalen Impulsen.
In mehreren Schichten erschließt die Ausstellung die Themenfelder MENSCH. (soziokulturelle Aspekte), ORT. (räumliche und baukulturelle Aspekte), HAUS. (handwerkliche und konstruktive Aspekte) und VERSTAND. (ökologische und ökonomische Aspekte). Besucher:innen können in die Themenfelder eintauchen und die Projekte aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten, um die vielfältigen Potenziale des Holzbaus zu entdecken.
Im HDA wird die Ausstellung durch ein Veranstaltungsprogramm ergänzt, das den Diskurs über nachhaltiges Bauen anhand aktueller Positionen im Holzbau vertieft. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe world_wide_wisdom gibt das international tätige Architekturbüro Helen & Hard Einblicke in seine Arbeit. So versteht sich die Ausstellung nicht nur als Präsentation beispielhafter Architektur, sondern als Ausgangspunkt für einen Austausch über die Zukunft des Bauens.
Eröffnung: 16. September 2026, 19 Uhr im HDA, Mariahilferstraße 2, 8020 Graz
Ausstellung: 17. September – 20. November 2026, Di–So 11–17 Uhr
Führungen durch die Ausstellung: Jeweils Samstag 15 Uhr, Sonntag 11 Uhr und auf Anfrage
Weitere Infos gibt’s hier.
Bildergalerie

INHAUSER. Salzburg. von cs-architektur und stijn nagels architecture atelier – © Volker Wortmeyer

Maschinenhalle, Florian Nagler Architekten – © PK Odessa

Landwirtschaftliches Zentrum Salez – CH, Andy Senn Architektur – © Seraina Wirz

NEUES IM DORFZENTRUM. Teufenbach. Von Lendarchitektur (Klagenfurt) und Scheiberlammer Architekten (Wolfsberg) – © Christian Brandstätter

NEUES IM DORFZENTRUM. Teufenbach. Von Lendarchitektur (Klagenfurt) und Scheiberlammer Architekten (Wolfsberg) – © Christian Brandstätter

NEUES IM DORFZENTRUM. Teufenbach. Von Lendarchitektur (Klagenfurt) und Scheiberlammer Architekten (Wolfsberg) – © Christian Brandstätter

MATADOR. Vaduz (LI). von Studio Saal (Feldkirch) – © Marc Lins Photography

