NEUE POTENTIALE FÜR DEN MODULBAU

Peyvand Jafari

Die Zeit der konventionellen Bauweise könnte sich so langsam dem Ende zuneigen – zugunsten moderner großformatiger Modulbauten für Wohn- und Gewerbezwecke. Diese Meinung teilen nicht nur Architekten, sondern auch Konstrukteure und Bauherren. In der breiten Bevölkerung denken viele beim Stichwort „Modulbau“ allerdings noch an die wenig ästhetische 1960er-Jahre-Platte. Die Branche arbeitet auf Hochtouren daran, dies zu ändern.

Doch was zeichnet die jüngste Generation der modularen Bauweise aus? Im Gegensatz zu seinem Vorläufer überzeugt der heutige Modulbau besonders durch seine Flexibilität, architektonische Qualität und moderne Ästhetik. Aber auch unter energetischen Gesichtspunkten befindet sich der Modulbau in seiner aktuellen Ausführung auf der Höhe der Zeit. Diese diversen baukonstruktiven Vorteile führen dazu, dass weltweit immer mehr Bauvorhaben modular geplant und umgesetzt werden. Hierzulande werden aktuell die ersten größeren Projekte umgesetzt. Davon profitiert die mittlerweile chronisch überlastete Baubranche, denn eindeutiger Vorteil der modularen Bauweise ist es, dass gleiche Bauteile in großer Stückzahl produziert werden können. Wie bereits in den 1960er-Jahren spart auch der heutige Modulbau viel Zeit.

Die heutigen Möglichkeiten sind vielfältig – vom Einfamilienhaus zum Wolkenkratzer

Inzwischen ist bautechnisch – abseits des klassischen „Fertighauses“ – deutlich mehr möglich als noch vor einigen Jahren. Durch die Standardisierung der Modulteile können selbst mehrstöckige Hotel- oder Büroimmobilien frei skalierbar errichtet werden. Im Gegensatz zu Europa setzt man im asiatischen Raum im Hochhausbau schon länger auf Modulbauten. Dabei gelingt es, diese teilweise in Rekordzeit zu errichten. Im urbanen Raum, wo Hochhäuser meist auf engen Grundstücken entstehen müssen, kann die Standardisierung und Vorfertigung sogar von Vorteil sein. Die teilweise identischen Nutzungseinheiten und Grundrisse können mit einem Vorfertigungsgrad von bis zu 90 Prozent in den Werkshallen vorproduziert und zusammengesetzt werden. Während dieses Prozesses wird am Bauplatz vor Ort das Fundament errichtet. Anschließend werden die Modulteile oft in nur wenigen Tagen zur Baustelle transportiert und zusammengesetzt. Sogar die Installation von Sanitäranlagen und Elektrik kann im Vorfeld erfolgen und so Bauzeit und Baukosten einsparen. Zusätzlicher Vorteil ist die vereinfachte Kostenplanung und die größere Terminsicherheit, da die Bauausfertigung aufgrund der standardisierten Bauteile weniger komplex und idealerweise ohne große, unkalkulierbare Risiken abläuft.

Ist modulares Bauen gleichzeitig günstiger?

Eins ist klar, durch die Standardisierung und Vorfertigung modularer Teile können Bauprojekte schneller fertiggestellt werden als auf traditionellem Weg. Kosteneinsparungen ergeben sich demnach primär aus der geringeren Bauzeit. Ob modulare Bauprojekte jedoch immer die günstigere Variante sind, ist schwer festzustellen. Experten sind sich bei der Kostenfrage uneinig: manche sprechen von einem Gesamteinsparungspotenzial von bis zu 20 Prozent. Wer jedoch die Kosten für Forschung und Entwicklung einbezieht, gelangt rechnerisch zu Preisaufschlägen. Wie bei jeder neuen Technologie dürfte sich dies in den kommenden Jahren allerdings ändern.

Die Vorteile des modularen Bauens beschränken sich jedoch nicht nur auf das einzelne Bauobjekt. Vielfach verspricht die modulare Bauweise eine Kostenreduktion im Neubau. Diese kann als bewusste Strategie herangezogen werden, um auf die stetig steigenden Preisniveaus der deutschen Metropolen Einfluss zu nehmen. Denn die explodierenden Baukosten der vergangenen Jahre stellen für die deutschen Projektentwickler eine große Schwierigkeit dar. Die zukünftigen Mieter könnten ebenfalls von den geringeren Neubaukosten profitieren, denn die Einsparungen im Bau lassen sich über die späteren Mietniveaus weitergeben. Der Modulbau der zweiten Generation stellt somit nicht nur eine Möglichkeit dar, durch Standardisierung schneller und günstiger zu bauen, sondern könnte zudem veränderte Preisniveaus in der Baubranche und am Wohnungsmarkt in die Wege leiten.

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