MÜNCHNER WESTEN SOLL NEUES PULSIERENDES STADTVIERTEL BEKOMMEN

Kürzlich präsentierte das Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron seine Vision für das künftige Stadtbild sowie das urbane Leben im Westen Münchens. Herzstück der Pläne bildet die Paketposthalle, ein ehemaliger Postbahnhof in der Nähe der Friedenheimer Brücke. Es ist ein beeindruckender Betonbau aus den 60er Jahren, der zuletzt als Verteilzentrale für die allgemeine Post genutzt wurde. In der Vergangenheit hatte die Bauherrengruppe Büschl das 87.000 Quadratmeter große Gelände erworben. Büschl beauftragte Herzog & de Meuron mit der Gestaltung eines neuen urbanen Stadtviertels in dem Areal.

Die Pläne sehen vor allem gemischt genutzte Einrichtungen, privat und öffentlich finanziertes Wohnen, Räume für geschäftliche, soziale und kulturelle Aktivitäten vor. In dem neuen Viertel soll rund um die Uhr Leben herrschen. Die Paketposthalle soll ihre Besucher künftig als Ort der Kultur und Begegnung willkommen heißen und Kern des neuen Stadtteils werden.

Ziel ist es, einen weiteren Mittelpunkt für die Stadt zu schaffen, an dem ein zeitgenössisches Stadtgeschehen erwachsen kann. Neben der Umnutzung der Paketposthalle als öffentlicher überdachter, multidisziplinärer Raum bildet der Bau von zwei 155 Meter hohen Hochhäusern an der Seite des Industriedenkmals sowie die Errichtung eines neuen Stadtteils mit sechs Innenhofgebäuden, die eine kleine städtische Gemeinschaftsatmosphäre schaffen, die Kernmerkmale des Masterplans.

In den Doppeltürmen soll eine urbane Mischung aus Büros, Wohnungen, Hotel und Gastronomie entstehen. In die Innenhofgebäude sollen weitere Appartements, Kitas, ein großes Altenheim sowie Gewerbe einziehen.

Die Posthalle an sich bleibt leer – sie soll nur temporär bespielt werden, um laut den Architekten die Ästhetik des Gebäudes zur Geltung zu bringen. Auf dem überdachten Platz sollen beispielsweise Sportturniere, gemeinsame Aktionen oder Märkte stattfinden. Es entsteht so ein riesengroßer Stadtplatz, der von einer filigranen Betonkonstruktion überspannt wird. Die Halle bleibt auf zwei Seiten offen, im Untergeschoss hingegen sollen „richtige“ Räume zu finden sein, in denen Kultur, Musik oder Kunst präsentiert wird sowie Kongresse stattfinden können. Um Tageslicht in diese Räumlichkeiten zu lassen, wird an zwei Seiten der Boden aufgebrochen.

Ergänzt werden die neuen Bereiche durch eine modernisierte Verkehrsinfrastruktur und ein neu entwickeltes grünes Netzwerk, das alle Strukturen miteinander verbindet.

Auch das Thema Nachhaltigkeit haben die Schweizer Architekten im Blick: Die Menge unterirdischer Baukörper soll reduziert werden, wodurch wiederum der Ausstoß von CO2 gesenkt werden kann. Das Viertel soll zudem autofrei werden.

Besonders die zwei Türme haben für viel Diskussion und zum Teil für Kritik gesorgt – eigentlich war beschlossen worden, dass kein Bau die Frauenkirche überragen solle, weshalb im Rahmen eines Bürgerentscheids im Jahr 2004 eine 100-Meter-Grenze festgelegt worden war. Laut den Architekten war auch mit drei oder vier weniger hohen Türmen experimentiert worden. Sie hatten sich am Ende aber für die beiden Hochhäuser entschieden, da sie ihrer Meinung nach die Skyline der Stadt besser ergänzten.

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Renderings © Herzog & de Meuron

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