Auf zu neuen Ufern

Im August 2014 wurde im „Soziale Stadt“ Gebiet Altendorf mit einem großen Bürgerfest eine städtebauliche Entwicklung gefeiert, die an der Innenstadt mit dem Universitätsviertel (2010-2015) beginnt, auf einer regionalen Radwegtrasse (2012) weiter über die Neuansiedlung des ThyssenKrupp Quartier (2010) führt, dann den neu errichteten Krupp-Park mit See (2009) passiert und schließlich das Ziel, das Uferviertel am Niederfeldsee, erreicht.

Das Projekt „Uferviertel am Niederfeldsee“ und ist zudem in ein Paket von Maßnahmen des Programms „ Soziale Stadt“ und Stadtumbau eingebunden, das in Altendorf vorlaufend bereits umgesetzt wurde:

  • Umbau von drei wichtigen Stadtplätzen (2004-2012)
  • Neubau Berthold Beitz Boulevard (2008-2009) und Krupp-Park mit See
  • Umbau Altendorfer Straße (2010-12)
  • Umbau Spielflächen und Schulhöfe, Grünverbindungen und Radwege, Wohnungsbau
  • Zahlreiche sozial flankierende Begleitmaßnahmen

Schon einige Jahre vor Programmbeginn konnte der vorhandene Wohnungsbestand der städtischen AllbauAG nicht mehr am Markt platziert werden. 180 Wohnungen hatten nicht mehr nachfragegerechte Grundrisse und waren energetisch nicht mehr zu verbessern. Die veraltete Siedlung aus den 20er Jahren wurde deshalb durch 62 moderne, barrierefreie Wohnungen mit energetischen Standards (KfW 70-Standard) ersetzt.

Eine solche grundlegende Investition macht besonders viel Sinn, wenn auch das bisherige Wohnumfeld mit trennendem Bahndamm, brach gefallenen oder untergenutzten Kleingärten gleichzeitig verbessert wird. Während der Erarbeitungsphase des Integrierten Handlungskonzeptes für Bochold/Altendorf im Jahr 2008 ist die Idee entstanden, das Umfeld ganz anders zu gestalten, die Freiflächenplanung neu aufzustellen und in einer Niederung einen neuen See auszuformen. Der störende, brachgefallene Bahndamm wurde an einer Stelle über eine Länge von ca. 300 m durchbrochen, womit grundlegende neue Sichtbeziehungen hergestellt und Jahrzehnte alte Zäsuren im Stadtteil aufgehoben werden konnten. Die Trasse des Bahndamms der Rheinischen Bahn wurde dennoch genutzt, eine neue überregionale Radwegeverbindung von der Essener Innenstadt über Altendorf nach Mülheim herzustellen, auf der man nun sogar auf einer neuen Brücke den See überquert. Dieser Radweg ist zugleich der erste fertige Teilabschnitt des Radschnellwegs durch das Ruhrgebiet.

Die Bewohnerschaft hatte einerseits durch ihren Auszug bereits mit den Füßen abgestimmt, ist aber in allen Phasen der Planung und der Realisierung vor allem mit den Aktiven im Stadtumbaubüro „Blickpunkt 101“ mit den neuen Plänen vertraut gemacht und mitgenommen worden. Dazu gehörten auch die Informationsveranstaltungen und die Öffentlichkeitsarbeit: der jährliche „Allbaulauf“, die Absteckung der Grenzen des Sees durch Fackeln, die feierliche Brücken-Einschwenkung sowie die monatlichen Baustellenführungen.

Dass das Gesamtkonzept hervorragend am Markt platziert werden konnte, ist an der nahezu 100%igen Vermietungsquote in den Neubauten bereits vor Fertigstellung abzulesen. Mieter in den Abrissobjekten und Kleingärtner konnten innerhalb von Altendorf umziehen. Unterstützung bei Ersatzwohnraum und Entschädigungen für die Kleingärtner haben dies gewährleistet.

Voraussetzung war ein integriertes Struktur- und Handlungskonzept für das Fördergebiet Bochold/Altendorf. Für die Baumaßnahme Uferviertel haben parallel mehrere Architekturbüros Entwürfe geliefert. Das Bebauungsplanverfahren musste nicht nur darauf aufbauen, sondern ebenfalls zeitlich verschränkt werden.

Die Steuerung, Koordination, Fördermittelbeschaffung, als Besonderheit noch die indirekte Wohnraumförderung (mittelbare Belegung), erfolgte durch das Amt für Stadterneuerung und Bodenmanagement mit den beteiligten weiteren Fachdienststellen der Planungsverwaltung, Grün und Gruga und dem Stadtumbaubüro „Blickpunkt 101“. Für die Stadterneuerungsgebiete in Essen ist diese Form der Kooperation inzwischen zum guten Standard geworden.

Die Ufer des 2 ha großen Sees wurden neben der Promenade weitgehend natürlich modelliert und noch mit Röhrichtzonen und Ufergehölzen ausgestaltet. Das direkte Umfeld des Sees wurde aus einem Wechsel von Liege- und Spielwiesen, blütenreichen Extensivwiesen und Raum bildenden Gehölzen eingefasst, umgeben von einem gewässernaher Rundweg.

Aufgrund der städtebauliche Qualität und des Imagegewinns werten viele Eigentümer im Umfeld ihre Immobilien durch Modernisierung, Balkone oder Fassadengestaltung auf. Zudem säubern Paten durch regelmäßige Aktionen das Seeumfeld ehrenamtlich.

Das Projekt ist kleinteilig auf das Quartier bezogen, damit „maßgeschneidert“. Mit dem Ziel, ausdrücklich kein elitäres Quartier zu bilden, sondern vielmehr Angebote für die dort lebenden Menschen unter Hinzugewinnung von neuen Zielgruppen zu schaffen, wurde ein lebendiger Wohnstandort mit hoher Akzeptanz geschaffen. Es stellt somit einen Piloten für ähnlich gelagerte Aufgabenstellungen dar.

Stadt Essen
Ansprechpartner
Margarete Meyer
Amt für Stadterneuerung und Bodenmanagement
Rathenaustr. 2 | 45127 Essen
T. 49 (0) 0201 / 88-68300 Fax 49 (0) 201 / 88-68025
margarete.meyer@amt68.essen.de | www.essen.de

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