Aus Dornröschenschlaf erwacht

Die Brüder-Grimm-Stadt im Herzen Deutschlands ist längst aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Und das Image, das Kassel viele Jahre – auch durch die nähe zur ehemaligen innerdeutschen Grenze – inne hatte, wandelte sich in den letzten Jahren rasant. Neben dem ICE-Bahnhof und der stetig wachsenden Universität, der positiven Entwicklung vieler Unternehmen – vor allem im gewerblichen Bereich – und der Vergabe des Welterbetitels für den Bergpark Wilhelmshöhe sorgte auch die Aufwertung einzelner Stadtteile dafür, dass Kassel heute eine der beliebtesten Städte Deutschlands geworden ist.

Ein Beispiel für die positive Aufwertung eines Stadtteils ist das Kasseler Wesertor. Das Stadtquartier in zentraler Lage nordöstlich der Innenstadt wurde 2007 wegen vorhandener städtebaulicher und sozialer Missstände in das Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt – Investitionen im Quartier“ aufgenommen. Zwei der bereits abgeschlossenen Umsetzungsmaßnahmen im Programmgebiet, das rund 5.900 Einwohner und eine Fläche von circa 95 ha verzeichnet, seien im Folgenden vorgestellt.

Grünanlage „Fuldaufer-Bleichwiesen“
Die Grünanlage „Fuldaufer-Bleichwiesen“ befindet sich im Süden des Stadtteils Wesertor und war jahrzehntelang nicht oder nur eingeschränkt für die Öffentlichkeit nutzbar.

Die ersten Vorbereitungen für die Neugestaltung des Gebiets erfolgten bereits im Rahmen des Programms URBAN II (2000–2006), wie beispielsweise das Ankaufen fehlender Grundstücke, die Erstellung eines Freiraumkonzeptes und eine erste Öffnung des Geländes durch die Errichtung eines Kinder- und Jugendbauernhofes.

Mit Aufnahme in das Programm „Soziale Stadt – Investitionen im Quartier“ konnten die Maßnahmen aus dem Freiraumkonzept schließlich realisiert werden. Die Umsetzung der Bauarbeiten erfolgte in zwei großen Bauabschnitten von 2011 bis 2013. Die Entstehung der Freifläche am Fuldaufer ist mit rund 1,5 Millionen Euro das größte Projekt, das mit Mitteln des Förderprogramms „Soziale Stadt –  Investitionen im Quartier“, europäischen Geldern des EFRE-Strukturfonds sowie mit Eigenmitteln der Stadt Kassel, im Wesertor umgesetzt wurde. Hinzu kamen – anderweitig finanziert – Investitionen in die Renaturierung der Ahna.

Neben der Entwicklung der Eingangsbereiche ist ein zentrales Element der Umgestaltung die neue Fuß- und Radwegeverbindung, die die Freifläche durchzieht. Dazu wurde die alte Stadtmauer freigelegt, durchbrochen und mittels Rampe und Treppe mit dem zentralen Gerberplatz, dem Herzstück der Grünanlage, verbunden. Eine Brücke und ein Steg ermöglichen nun die Überquerung der Ahna und ein neuer, beampelter Fußgängerüberweg über die stark befahrene Straße bindet die neue Grünanlage an das Wesertor an.

Entstanden ist eine Erholungslandschaft mit rund 12.000 m2 öffentlicher Grünfläche, die seither zum Verweilen einlädt. Besonders für die Bewohner des Wesertors ist so inmitten eines recht verkehrsintensiven und lauten Umfelds eine attraktive und ruhige Grünanlage in fußläufiger Entfernung entstanden.

Vom Gemeindehaus zum Stadtteiltreffpunkt
Neben dem Bedarf an neuem Freiraum bestand bereits seit vielen Jahren der Wunsch nach einem offenen Zentrum für die Bürgerinnen und Bürger des Stadtteils. Eine gute Chance ergab sich nach Zusammenlegung der örtlichen Kirchengemeinden: Ein bisheriges Gemeindehaus aus den 1960er-Jahren stand zur Disposition. Gleichzeitig erhielt die Stadt Kassel kurzfristig die Gelegenheit, Fördergelder des Investitionspaktes zur energetischen Modernisierung sozialer Infrastruktur in den Kommunen zu beantragen. Innerhalb kürzester Zeit wurde ein Konzept für einen offenen Stadtteiltreff entwickelt, mögliche Träger gesucht, eine Standortentscheidung getroffen und bauliche sowie finanzielle Grundsatzfragen geklärt. Seit Mai 2013 gibt es nun eine neue Veranstaltungs- und Begegnungsstätte – das Stadtteilzentrum Wesertor. Dazu wurde das ehemalige Gemeindehaus unter dem Einsatz der genannten Fördermittel sowie aus ergänzenden Eigenmitteln von Stadtkirchenkreis und Stadt Kassel komplett umgebaut – und energetisch auf den neuesten Stand gebracht.

Insgesamt sind rund 1,3 Millionen Euro in den Umbau des Gebäudes geflossen. Zwei örtliche Institutionen haben gemeinsam die Trägerschaft übernommen und kümmern sich darum, dass hier verschiedene soziale und kulturelle Angebote stattfinden. Ein Beirat – dem Bürger, lokale Akteure, städtische Vertreter und Ortsbeiratsmitglieder angehören – entscheidet über das laufende Nutzungskonzept.

Das Stadtteilzentrum Wesertor ist ein Vorzeigeprojekt für die sinnvolle Umnutzung eines ehemals kirchlich genutzten Gebäudes – ein lebendiger, nachbarschaftlicher Mittelpunkt im Wesertor.

Die Veränderungen im Stadtteil sind auch durch weitere Maßnahmen im Rahmen des Programms „Soziale Stadt – Investitionen im Quartier“ deutlich spürbar – nicht nur durch eine optische Aufwertung, sondern auch durch ein steigendes Interesse von Investoren. Bis zum Ende der Programmlaufzeit werden laufende bzw. anstehende Projekte sicher noch zur weiteren Attraktivierung des Quartiers beitragen.

Stadt Kassel
Ansprechpartner
Katharina Tautermann
Amt für Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz
Rathaus | Obere Königsstraße 8 | 34117 Kassel
T. +49 (0) 561 / 787 61 63
Katharina.Tautermann@kassel.de | stadtplanung@kassel.de | www.kassel.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.