Zukunftsfähige Nachbarschaft

Der Wiesbadener Stadtteil Schelmengraben ist eine Großsiedlung des sozialen Wohnungsbaus „der zweiten Generation“, in den 60er und 70er Jahren aus dem Mayschen Konzept für ein neues Wiesbaden hervorgegangen. Bauliche Veränderungen sollen das Viertel nun sozial stärken.

Überwiegende Eigentümerin ist mit 2.200 von rund 2.600 Wohnungen im Schelmengraben die GWH – Wohnungsgesellschaft mbH Hessen. Die Wohnungsbestände weisen die Standards ihrer Entstehungszeit auf: mit Mängeln gegenüber dem, was heute insbesondere im Hinblick auf Barrierefreiheit, energetische Ausstattung etc. als zukunftsfähig angesehen wird.

Anlass, den Schelmengraben 2012 als Projektstandort für das Programm Soziale Stadt auszuwählen, waren neben baulichen und städtebaulichen Belangen die hohen sozialen Bedarfslagen – insbesondere die Verbesserung der Erwerbs- und Bildungsbeteiligung steht auf der Agenda.

Im Handlungsfeld Erwerbsbeteiligung zeichnen sich mit der Aufnahme in das Förderprogramm BIWAQ ab September 2015 durchaus positive Perspektiven ab: Diverse Qualifizierungs- und Beschäftigungsmodule – wie z. B. eine Stadtteilgruppe für Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen, Wohnbetreuer für kleinere Reparaturdienste, Einkaufshilfen usw. oder auch Ausbildungsangeboten zur Altenpflege – können realisiert werden. Auch die Aufnahme in das Förderprogramm „Jugend STÄRKEN im Quartier“ konnte erreicht werden. Außerdem wurden kommunale Maßnahmen – z.B. Elternbildungsangebote oder solche zur beruflichen Orientierung – ausgebaut.

Das Stadtteilmanagement ist seit Anfang 2014 in einem Büro vor Ort als niedrigschwellige Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger eingerichtet. Mit BauHaus Werkstätten konnte ein Träger mit langjähriger Erfahrung in Beschäftigungsförderungsmaßnahmen für diese Aufgabe gewonnen werden – dies bietet die optimale Basis und Unterstützung für die oben beschriebenen Maßnahmen und Projektansätze.

Für die Bearbeitung der baulichen und städtebaulichen Themenfelder ist die GWH gemeinsam mit ihrem Tochterunternehmen GWH Bauprojekte GmbH seit Projektbeginn ein engagierter Partner der Kommune. Der Schelmengraben verfügt über ein hohes Potenzial an Grün- und Freiflächen, die tendenziell ungenutzt sind. An dem Standort wird auch die Problematik der Topografie einer Hanglage – mit Blick auf die demografische Entwicklung – sehr deutlich.

Städtebauliche Anliegen sind insbesondere die Verbesserung von Aufenthalts- und Nutzungsqualitäten im öffentlichen Raum und die Verbesserung der Nutzungsmöglichkeiten der vielfältigen Grün- und Freiflächen, z. B. mit Mietergärten oder Urban-Gardening, durch die Erneuerung von Spielplätzen, die Einrichtung von Ruhemöglichkeiten oder Grillplätzen u. Ä.. Thema ist auch die verbesserte Ausgestaltung von Wegebeziehungen und Hauszugängen sowie das Themenfeld „Mobilität“ insgesamt.

Um fachlich fundierte Leitplanken für die weitere Entwicklung des Stadtteils zu beschreiben, werden zurzeit im Zuge einer städtebaulichen Rahmenplanung gemeinsam mit der GWH Bauprojekte GmbH und Ämtern der Stadt die grundlegenden Bedingungen für eine möglichst ganzheitliche und abgestimmte Vorgehensweise ermittelt. Hierbei sollen unter anderem auch die Voraussetzungen für eine behutsame bauliche Nachverdichtung, die auch den demografischen Entwicklungen Rechnung trägt, geklärt werden.

Über Prozesse der Bewohnerbeteiligung haben sich insbesondere die Wünsche der Bewohner nach Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien, nach Treffpunkten, Sitzgelegenheiten und Flächen für Gärten und Spielplätze deutlich gezeigt.

Bauliche Verbesserungen im direkten Umfeld der Wohngebäude führt die GWH aktuell mit der Neugestaltung von Eingangsbereichen, Müllplätzen und Spielplätzen ihrer Häuser durch.

Die Wohnhäuser sollen sukzessive in einen energetischen, zeitgemäßen Zustand gebracht werden und Anforderungen der Barrierefreiheit weitestgehend genügen können.

Ein eigener baulicher Schwerpunkt der Stadt Wiesbaden ist der Neubau des Stadtteilzentrums, in dem das Amt für Soziale Arbeit unter anderem die offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen durchführt. Das bereits jetzt dort mit seinem Geschäftsbetrieb angesiedelte Zentrum ist so grundlegend sanierungsbedürftig, dass sich Abriss und Neubau wirtschaftlicher gestalten.

Eine niedrigschwellige und breite Beteiligung der Bewohnerschaft ist integraler Bestandteil des Programms. Mit der Methode „Planning for real“ wird diese unter dem Namen „Schel-mengraben plant“ sehr erfolgreich umgesetzt. Die fachplanerischen Leitplanken der Stadtteilentwicklung werden so mit den lebensnahen Bedarfen der Bewohner verzahnt und konkrete Maßnahmen geplant und gemeinsam umgesetzt.

Landeshauptstadt Wiesbaden
Ansprechpartner
Dagmar Landler-Krämer und Andrea Schaubens
Amt für Soziale Arbeit
Konradiner Allee 11 | 65189 Wiesbaden
T. 49 (0) 611 / 314680 und +49 (0) 611/ 314687
dagmar.landler-kraemer@wiesbaden.de | www.wiesbaden.de

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