Die Stadt als Leinwand

Auf dem Dach eines Unternehmenskomplexes in der Gemeinde Klepp in Südnorwegen liegt ein Mädchen. Ein ziemlich großes Mädchen. Aus ihrer Hand fällt ein König. Wenn Ella & Pitr malen, dann entstehen auf Flachdächern, Industriegebäuden und Hausfassaden nicht nur riesige Bilder, sondern auch Geschichten.

Die Bilder der „schlafenden Giganten“ sprechen für sich, sie verbinden den Künstler mit dem Betrachter, den Erzähler mit dem Zuhörer. Die beiden schaffen eine ganz eigene Welt für ihre Charaktere. Ella & Pitr arbeiten in einer neuen Dimension urbaner Kunst, denn das französische Streetart-Duo lässt gigantische Werke auf Hausdächern entstehen. Innerhalb weniger Tage schaffen die beiden großflächige Malereien, die mit herkömmlichen Maßstäben brechen. Der einzige Nachteil: Man kann ihre Kunst am besten aus der Vogelperspektive sehen – einem Blickwinkel, der sich nicht vielen Menschen eröffnet. Daher dokumentieren die beiden alles in Bildern und Videos.

Einfach, etwas abstrakt, aber nicht albern wirken die Kunstwerke von Ella & Pitr. Auf der ganzen Welt sind die beiden mittlerweile unterwegs, haben schon in Frankreich, Portugal, Italien, Chile und Kanada Gebäudedächer und -wände verschönert. Ihre großformatigen Collagen werden Teil der Stadtlandschaft der Orte, die sie bereisen. Scheinen sie auf den ersten Blick oft ein wenig absurd, bemerkt man doch immer eine gute Prise Humor darin.

Wer einen Blick auf die Werke von Ella & Pitr wirft, sieht unweigerlich eine Geschichte. Jedes Gemälde ist geprägt von besonderen Merkmalen einer menschlichen Existenz, von Emotionen und Gefühlen: Freude, Zärtlichkeit, Schmerz, Schrecken, Wut, dem Drang nach Freiheit. Fast entsteht das Gefühl, es mit einer ganzen Familie von Charakteren zu tun zu haben. Komisch und etwas melancholisch zugleich sind sie alle in einem unverkennbar zusammenhängenden Stil gemalt.

Für das NuArt Festival im September 2015 in Norwegen haben Ella & Pitr zusammen mit einigen freiwilligen Helfern kürzlich das weltweit größte Wandbild gestaltet. 21.000 m2 Fläche sind nun mit „Lilith und Olaf“ verziert. Das zusammengerollte Mädchen in Shorts und Top mit roten Nägeln nimmt fast das ganze Bild ein. Ein winziger kleiner Mann mit Krone fällt aus ihrer Hand. Er soll König Olaf I. darstellen, der Norwegen von 995 bis 1000 regierte und in unmittelbarer Nähe des Kunstwerks geboren wurde. Die skurrile und kreative Intervention zeigt die Landschaft aus einer völlig neuen Perspektive.

Ella & Pitr reagieren auf die örtlichen Gegebenheiten und die Geschichte durch Witz und Ideen. Mit einer erfrischenden Spontaneität laden sie auch die Zuschauer immer wieder ein, Teil des Entstehungsprozesses und des Kunstwerks zu werden.

 

 

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