Gesellschaftliche Verantwortung

Die Deutsche Bahn AG (DB) gehört heute zu den weltweit führenden Mobilität- und Logistikunternehmen und betreibt in über 130 Ländern mehr als 2.000 Standorte. Über 300.000 Mitarbeiter, davon rund 200.000 in Deutschland, setzen sich täglich dafür ein, Mobilität und Logistik für die Kunden sicherzustellen und die dazugehörigen Verkehrsnetze auf der Schiene, im Landverkehr sowie in der See- und Luftfracht effizient zu steuern zu betreiben.

Ein Beitrag von Antina Kracht, Leiterin Region Nord, und Robert Rehfehldt, Leiter Vertrieb Region Nord, DB Immobilien

Kern des Unternehmens ist die Eisenbahn in Deutschland mit jährlich über zwei Milliarden Fahrgästen im Personenverkehr und rund 222 Millionen Tonnen beförderter Güter auf der Schiene. Darüber hinaus sind in Deutschland jährlich rund 670 Millionen Kunden mit den Bussen der DB unterwegs. Um nachhaltig erfolgreich zu sein, setzt die DB auf zufriedene Kunden, eine hohe Qualität, qualifizierte und hoch motivierte Mitarbeiter sowie umweltschonende Produkte. Mit der Strategie „DB2020“ möchte die DB profitabler Marktführer werden, in Deutschland zu den zehn Top-Arbeitgebern gehören und in Sachen Umwelt absoluter Vorreiter sein.

Deutlich weniger bekannt ist demgegenüber die enorme Größe des Immobilienbestands der DB, welcher ca. 1,3 Milliarden m2 Fläche umfasst. Die Größe, aber vor allem auch die besondere Lage dieses Portfolios führten zu einer Vielzahl an sozialen Berührungspunkten, angefangen bei Privatpersonen, auf deren Grundstück ein Baum vom benachbarten DB-Grundstück herüberragt, bis hin zu hochkomplexen Entwicklungsprojekten mit internationaler Bedeutung.

Einhergehend mit Industrialisierung und Entwicklung der Mobilität entwickelten sich im 19. Jahrhundert Stadtstrukturen, die zumeist noch heute prägend für ein Stadtbild sind. Entsprechend den damaligen Bedürfnissen wurden damit auch Eisenbahn und Bahnhöfe möglichst in Stadtzentren integriert, und so nehmen Bahnhofsgebäude nicht selten einen prägenden Teil des Stadtbildes ein. Doch nicht nur Bahnhöfe, auch begleitende Infrastruktur wie Stellwerke, Werkstätten oder Abstellplätze wurden zumindest in Stadtnähe errichtet. Mit zunehmender Flächenausbreitung der Städte wurden auch diese Standorte oft Bestandteil der Städte und somit zum historischen Nachbarn auch von Wohnsiedlungen. Darüber hinaus ist die DB auch Eigentümer der Flächen unter den quer durch Deutschland verlaufenden Gleistrassen, sie besitzt weiterhin eine Vielzahl an kleingärtnerisch genutzten Flächen, umfangreiche land- und forstwirtschaftliche Flächen und diverse Biotope bzw. Naturschutzgebiete. Das DB-Portfolio ist somit äußerst heterogen, sowohl hinsichtlich seiner Nutzung als auch seiner Lage.

Analog zur Portfoliostruktur sind ebenso die Dimensionen der sozialen Wirkungen des Immobilienbestands der Bahn auf seine Umwelt sehr vielfältig. Da wäre zunächst natürlich der Zusammenhang zwischen dem Kerngeschäft der Bahn und den dafür benötigten Flächen zu nennen. Die Fahrgäste der DB wünschen sich möglichst wohnortnahe bzw. zentrale Zu- und Ausstiegsmöglichkeiten. Dies hat zur Folge, dass Gleistrassen durch dicht bewohnte Stadtgebiete verlaufen müssen, mit den üblichen Auswirklungen auf die Bevölkerung. Weiterhin sind an den Bahnhöfen Parkplätze bzw. Anbindungen an den kommunalen Personennahverkehr erforderlich, um eine möglichst komfortable Transportkette für die Reisenden erreichen zu können. Die dadurch erzielte Konzentration der Fahrgäste an den Bahnhöfen bietet in der Folge aber auch hochgradig attraktive Stadtentwicklungspotenziale.

Um in diesem Spannungsfeld zu optimalen Lösungen zu kommen, arbeitet die Deutsche Bahn deutschlandweit sehr intensiv mit den betroffenen Städten bzw. Kommunen zusammen. Dies gilt insbesondere für nicht mehr bahnbetrieblich erforderliche Flächen, um diese einer neuen Nutzung zuzuführen. Dieses Teilportfolio umfasst heute ca. 230 Millionen m2, also ein gutes Fünftel des eingangs genannten Gesamtportfolios. Die darin enthaltenen Flächen sind dabei ebenso heterogen wie die Flächen des Betriebsportfolios.

Da Bahnflächen der Planungshoheit des Eisenbahnbundesamtes unterliegen, wird im Regelfall vom Nachnutzer bzw. Käufer die Entwidmung/Freistellung von Bahnbetriebszwecken gefordert. Aufgrund der Nutzung der Flächen durch die Bahn, die oft in Anfänge des letzten Jahrhunderts zurückreicht, sind die Flächen außerdem zum Teil mit Verunreinigungen belastet. Die Deutsche Bahn AG stellt sich dieser Verantwortung, indem sie neben der gesetzlich geforderten Sanierung vielfach auch eine Beteiligung an entsorgungsbedingten Mehrkosten bei Verkauf gewährt.

Immer wieder können in diesem Rahmen große Immobilienverkäufe realisiert werden, in diesem Jahr z. B. der Verkauf der ca. 13 ha umfassenden Flächen am Bahnhof Hamburg-Altona an die Stadt. Mit der Entwicklung der Fläche wird dringend benötigter Wohnraum in der Innenstadt von Hamburg geschaffen. Bereits größtenteils realisiert ist demgegenüber die ebenfalls in Hamburg befindliche „HafenCity“, für welche ca. 17 ha seitens der Deutschen Bahn an die Stadt Hamburg veräußert wurden. Freigesetzte Areale in dieser Größenordnung bieten die äußerst seltene Chance, in einem bestehenden Innenstadtkern ganze Stadtviertel unter höchst aktuellen Entwicklungsgesichtspunkten zu konzipieren und somit gänzlich neue Räume für Bewohner und Unternehmen zu schaffen.

Weniger plakativ aber nicht minder relevant, sind die Verkäufe kleinerer Flächen oftmals an Kommunen, aber auch an Privatpersonen und Unternehmen. Die DB schafft mit dem Verkauf hier vielerorts die Voraussetzungen für die Erfüllung von individuellen bzw. lokalen Projekten, welche in ihrer Summe ebenso eine große soziale Wirkung entfalten und zur nachhaltigen Strukturierung der kommunalen Lebensräume beitragen.  Das umfasst auch die Veräußerung bahnbetrieblich nicht mehr erforderlicher Bahnhöfe oder „Empfangsgebäude“, wo ein funktionaler Haltepunkt für die Reisenden vorgehalten wird. Besonders hier ist die Zusammenarbeit mit den Kommunen wünschenswert, da die zum Teil denkmalgeschützten Empfangsgebäude meist ein wichtiger Identifikationspunkt und Bestandteil des Stadtbildes sind. Allerdings ist hier die Erwartungshaltung der Kommunen oft noch vom Bild der „Staatsbahn“ geprägt. Die damit verbundene Erwartung der Abgabe von Empfangsgebäuden und umgebende Flächen unter Wertermittlung an Kommunen oder auch Bürgervereine kann seitens der DB AG nicht erfüllt werden. Der Verkauf entbehrlicher Flächen dient nicht nur der Entlastung von Bewirtschaftungsaufwendungen, sondern schafft finanzielle Beiträge zur Erhaltung und Weiterentwicklung der Bahninfrastruktur. Hier steht dann die Aufklärung vor der Verhandlung.

Neben der Veräußerung stellt die DB vielerorts Flächen für Park-& Ride-Anlagen zur Verfügung, während die Kommune die Bewirtschaftung selbst übernimmt. Gleichzeitig arbeiten DB und Kommune Hand in Hand, um die städtebauliche Entwicklung des Bahnhofsumfelds voranzutreiben und so gleichzeitig die Attraktivität des Verkehrsmittels Bahn, des gesamten ÖPNV sowie des Bahnhofsumfelds zu erhöhen. Ein prominentes Beispiel dafür ist der Leipziger Hauptbahnhof, der unter Einbeziehung eines externen Investors seit Mitte der 1990er-Jahre vollständig saniert, mit einem Shopping-Center ergänzt und dadurch organisch in die Leipziger Innenstadt integriert wurde. Ein anderes Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen DB und Kommune ist der Hundertwasserbahnhof in Uelzen, der im Rahmen der Expo 2000 nach Plänen des Künstlers Friedensreich Hundertwasser umgestaltet und so zu einem überregional bekannten Tourismusziel geworden ist.

Die DB ist ein wichtiger Faktor in der sozialen Struktur von Städten und Kommunen. Diese Verantwortung nimmt sie gern an – gerade die Abwägung zwischen bahnbetrieblichen und kommunalen Zielen ist Teil der Herausforderung. Durch die intensive Zusammenarbeit mit Kommunen und Investoren sichert die DB die Beachtung aller sozialen Wirkungen ihres Immobilienbestandes. Das ist nicht einfach, gehört aber zum Tagesgeschäft eines Unternehmens mit gesellschaftlicher Verantwortung.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.