Menschen wollen mitreden

Im Gespräch mit Carsten Rutz, Mitglied des Vorstands der Deutschen Reihenhaus AG.

 

Seit der Gründung der Deutschen Reihenhaus AG verkaufen Sie konstant jedes Jahr mehr Häuser. Ist Ihre Unternehmenskommunikation das Geheimnis hinter dem wirtschaftlichen Erfolg?
Das sehe ich nicht so. Unser Unternehmen ist gerade einmal 15 Jahre alt und in dieser Zeit auch sehr stark gewachsen. So eine Entwicklung kann nur dann dauerhaft erfolgreich verlaufen, wenn alle Ressorts auf konstant hohem Niveau arbeiten. Unsere Kommunikation leistet dazu einen wertvollen Beitrag. Von Geheimnis kann man in der Öffentlichkeitsarbeit eh nicht sprechen, da wir natürlich transparent arbeiten. Ungewöhnlich ist vielleicht, dass wir ganz bewusst zwischen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und dem Vertrieb unterscheiden. Unsere Unternehmenskommunikation hat nicht die Aufgabe, Häuser zu verkaufen. Die vertriebliche Arbeit übernehmen unsere Kundenbetreuerinnen.

Sie verschicken aber schon Pressemitteilungen, wenn Sie neue Wohnparks bauen, oder?
Selbstverständlich. Das ist doch Teil des Handwerks. Wir versuchen stets, mit neuen Wegen an das Bauen, an unser Kerngeschäft, heranzugehen. Und genau so hinterfragen wir stets unsere Kommunikation: Was kann man noch anders machen? Sind wir auf der Höhe der Zeit? Trifft sie die Menschen, die wir erreichen und bewegen wollen? Was kann man von anderen Branchen noch lernen? Die Immobilienbranche kommuniziert in der Regel noch sehr traditionell und ist im wahrsten Sinne des Wortes im-mobil. Es herrscht das klassische Sender-Empfänger-Modell: Unternehmen schicken Pressemitteilungen, die Zeitungen sollen diese drucken, potenzielle Kunden sollen das lesen und dann kaufen. Das funktioniert auch noch bedingt. Wir aber wollen mehr erreichen.

Quantitativ oder qualitativ?
Natürlich beides! Wir nutzen nicht nur die klassische Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, um unser Unternehmen und unsere Häuser immer präsenter zu machen. Wir haben ebenso unsere  Spezialisten für die neueren Kommunikationskanäle. Wir betreiben eine aufwändig gestaltete Homepage und sind auch in den gängigen sozialen Netzwerken unterwegs. Wir bereiten unsere Nachrichten speziell für jeden einzelnen Kommunikationskanal auf.

Das ist nicht ungewöhnlich. Rrreichen Sie damit mehr Menschen als mit einer klassischen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit?
Ja, und genau da komme ich auf das qualitative Element zu sprechen. Denn es geht ja nicht nur darum, Kanäle ansprechend zu bedienen, sondern auch darum, qualitativ hochwertige Inhalte zu schaffen, die sich speziell nach den Bedürfnissen der Empfänger ausrichten.

Wo genau liegt der Unterschied?
Ganz einfach: Ein Bauträger beginnt mit dem Bau eines Wohnparks. Es wird zum Pressetermin eingeladen, an dem der Bauleiter, ein Vertriebler und der ehemaliger Grundstückseigentümer dem Fotografen beim Spatenstich Sand vor die Kamera werfen. Das geht dann als Pressemitteilung raus und mit etwas aufgepeppten Text über Facebook und Twitter. Es ist aber dann in meinen Augen noch immer „alte“ Kommunikation. Das Werfen des Inhalts aus dem Elfenbeinturm der Redaktion in der Hoffnung, dass das einer liest.

Und wie gehen Sie dann ihre neuen Projekte an? Wie bereiten Sie sich darauf vor?
Mit dem Bewusstsein, dass sich das Kommunikationsverhalten in den vergangenen Jahren geändert hat. Wir sind längst in unserer gesamten Gesellschaft übergreifend eine Dialog-Kommunikation gewohnt. Wir senden nicht nur – wir empfangen auch täglich Reaktionen. Dafür gibt es beispielsweise unsere Facebook-Seite, wo wir in stetem Kontakt mit unseren Followern sind. Entscheidend ist jedoch, dass sich die Dialog-Kommunikation mittlerweile weit in unserer Gesellschaft etabliert hat. Weit über die sozialen Netzwerke hinaus. Menschen wollen mitreden, in Projekte einbezogen werden, die in ihrer Stadt und Nachbarschaft umgesetzt werden. Denken Sie an die immer häufiger durchgeführten Bürgerbeteiligungen, die Bürgerinitiativen. Und genau so haben Politik und Verwaltung den Anspruch, dass ein Unternehmen sie in seine Projekte mit einbezieht. Und da machen wir eben auch mit unseren klassischen Kommunikationskanälen mit. Wir legen Wert auf eine Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die den Dialog mit anbietet.

Mit wem wollen Sie dort in Kontakt treten?
Mit möglichst allen Menschen, die im Rahmen eines großen Bauvorhabens beschäftigt sind. Meinungsbildner, Politik und Verwaltung, Wissenschaftler und auch den Menschen in der Nachbarschaft der Wohnparks. Wie beim Bauen wollen wir auch in der Kommunikation nachhaltig arbeiten, einen guten bleibenden Eindruck hinterlassen.

Welches Projekt ist dafür beispielhaft?
Nehmen Sie den Wohnpark „Draishöfe“ in Mannheim, eine Brachfläche im Stadtteil Waldhof. Einst stand eine große Fabrik auf dem Gelände. Nach der Insolvenz des Unternehmens lag die Fläche über Jahre hinweg brach. Kein lokaler Entwickler hat sich daran getraut. In der Bevölkerung herrschte Missmut. Wir sind dann offen der Politik gegenübergetreten und haben erläutert, dass wir dort Chancen für ein neues Wohnquartier mit 141 Häusern sehen. Die Entscheider waren dialogbereit und gemeinsam haben wir dieses große Projekt angestoßen. In der Kommunikation haben wir das Projekt umfassend begleitet. Denn die Menschen vor Ort waren skeptisch. Das ist klar: In der Nachbarschaft soll ein solch großes Projekt umgesetzt werden. Da entsteht eine große Veränderung von einem Bauträger, den dort keiner kennt.

Mit welchen Maßnahmen sind Sie vorgegangen?
Wir haben die Menschen vor Ort mit ins Boot genommen. Wir haben den verschiedensten Gruppierungen unser Unternehmen und unsere Pläne präsentiert. Es geht immer darum, Vertrauen zu schaffen und Menschen von unseren Kompetenzen zu überzeugen. Von den Fraktionen der Parteien bis hin zum Sportverein. Mit dem Bürgerverein Waldhof haben wir ein großes Nachbarschaftsfest für die neuen Bewohner ausgerichtet. Die Hauskäufer haben in zahlreichen Vereinen Schnupperkurse angeboten. Wir haben die Medien eingebunden und ihnen die Pläne für das Projekt detailliert vorgestellt. Wir haben ein Richtfest veranstaltet, an dem Vertreter aller dieser Gruppen mit teilgenommen und sich ausgetauscht haben. Der Erste Bürgermeister der Stadt hat dabei die neuen Eigenheimbesitzer begrüßt.

Also ist es ein Ziel, Menschen einen Stempel Ihres Unternehmens aufzudrücken?
Es geht dabei nicht nur um uns, sondern um das große Ganze. Wir haben vor allem eines gemacht: Wir haben der Nachbarschaft und der Fläche nicht ihre Historie genommen. Mit dem Landesmuseum für Technik haben wir gemeinsam Erinnerungsstücke aus der Drais-Geschichte gesichert und in den Landesbesitz überführt. Mit Fertigstellung des Quartiers haben wir zwei große Info-Tafeln im Herzstück der Anlage platziert. Dort haben wir detailliert die Geschichte der Fläche und die Unternehmenshistorie der Drais-Werke nachgezeichnet. Das ist wichtig! Die Firma war einst Mittelpunkt des Quartiers, zahlreiche Menschen haben dort gearbeitet. Da kann man doch nicht hingehen, alles zupflastern und sagen: „Ohne uns wäre hier nichts!“  So ist es uns aber gelungen, einen nachhaltigen Eindruck unserer Arbeit und unseres Unternehmens dort zu etablieren.

Können Sie diese Vorhergehensweise bei all Ihren Bauprojekten umsetzen?
Doch, wir machen das immer, wenn das Grundstück es hergibt. Bei einem Bauvorhaben innerhalb eines Neubaugebiets am Stadtrand ist das natürlich schwierig. Unsere Analysten beschäftigen sich im Vorfeld eines Projektes natürlich immer ausführlich mit der Historie des Grundstücks. Wenn es Besonderheiten gibt, setzen sie sich mit unserer Unternehmenskommunikation zusammen und überlegen gemeinsam, was man den verschiedenen Zielgruppen anbieten kann. In Duisburg-Meiderich haben wir ein Zaunelement des ehemaligen Milchhofs Niederrhein mit einer Geschichts-Tafel im Wohnpark etabliert und mit der Politik und dem ehemaligen Geschäftsführer des Milchhofs eingeweiht. In Bochum-Hamme haben wir gerade von der evangelischen Kirche ein Grundstück gekauft. Das alte Gemeindezentrum wurde abgerissen und dabei die Glocken aus dem Kirchturm gesichert. Die werden wir mit einer Gedenktafel zusammen im Gemeinschaftsplatz der Anlage platzieren. Für die Kirche war es nach eigener Aussage bei der Entscheidung zum Grundstücksverkauf maßgeblich, dass wir bezahlbaren Wohnraum für Familien anbieten und auch eben nachhaltig agieren. In Lünen haben wir beispielsweise auf dem ehemaligen Fußball des VfB Lünen gebaut, auf dem auch Timo Konietzka, Schütze des ersten Tors der Fußball-Bundesliga, seine ersten Spiele machte. In einem kleinen Fußball-Museum im Zentrum des Wohnparks haben wir darauf hingewiesen. Das hat uns sogar einen schönen Bericht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gebracht.

Wie wichtig ist Ihnen die Kommunikation mit den Entscheidungsträgern aus Politik und Verwaltung?
Wir gehen in vielen Projekten von Anfang an auf sie zu und informieren schon im Vorfeld über unsere geplanten Kommunikationsmaßnahmen. Auch hier herrscht zumeist ein gutes Miteinander. In der Regel laden wir einen Vertreter der Stadt zu einem gemeinsamen Pressetermin auf die Baustelle ein. Dort arbeiten wir gemeinsam an einem Haus oder laden eben zu einem Termin in Sachen Grundstückshistorie. Auch aus diesen Terminen entwickeln sich immer wieder spannende Folgeprojekte. Denn wir wollen ja wissen, was die Menschen vor Ort bewegt. Mit jedem unserer Wohnparks hinterlassen wir eine Visitenkarte. Und uns ist natürlich wichtig, dass man an uns als ehrlichen und verlässlichen Projektpartner zurückdenkt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Johannes Busmann

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