EIN NEUER STADTTEIL FÜR DIE RHEINMETROPOLE

Ein städtebauliches Rahmenkonzept zur Verlängerung des Inneren Grüngürtels im linksrheinischen Köln und zur Entwicklung eines neuen Stadtteils mit mehreren tausend Wohnungen, mit Büros und Gewerbeflächen, maßgeschneidert für die Bedürfnisse einer schnell wachsenden Großstadt – das war das Ziel des kooperativen Verfahrens, mit dem die Rheinmetropole die Weichen zur Entwicklung einer „Parkstadt Süd“ gestellt hat. Einstimmig hat sich ein Begleitgremium aus Fachleuten sowie Vertretern von Politik und Verwaltung am Ende für das Konzept des Planungsteams RMP Stephan Lenzen mit Ortner & Ortner Baukunst ausgesprochen, in dem das Grün eine starke Position einnimmt. „Das macht deutlich, dass wir es ernst meinen mit der Verlängerung des Grünzugs – er bildet das Rückgrat der Bebauung“, sagt Franz-Josef Höing, Dezernent für Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Verkehr der Stadt Köln. Seine besondere Kraft, so Höing, beziehe das Konzept aus seiner Einfachheit. Da die künftige Bebauung nur auf einer Seite des 115 ha großen Plangebiets vorgesehen sei, entstehe eine klare Kante und neue Stadtsilhouette innerhalb der City.

Den Inneren Grüngürtel, der in den 1920er Jahren entstanden ist und bis heute wesentlich zur Unverwechselbarkeit des Stadtgrundrisses und zur hohen Lebensqualität in Köln beiträgt, hat die Stadt der Weitsicht ihres früheren Oberbürgermeisters Konrad Adenauer zu verdanken. Die Idee, das grüne Band auch im Süden der Stadt bis ans Rheinufer zu führen, konnte Adenauer nicht verwirklichen, weil die Industrialisierung in diesem Bereich damals schon zu weit fortgeschritten war. Fast 100 Jahre nach Anlage dieses großen Parks eröffnet sich für die Stadt nun die einmalige Chance, die Lücke zu schließen. Vom großstädtischen Freiraum und dem neuen Stadtviertel, die durch die Verlagerung des Großmarktes und die Neuordnung von einst überwiegend industriell oder gewerblich genutzter Flächen außerhalb des Eisenbahnrings zwischen Luxemburger Straße und Rheinufer entstehen, werden wichtige Impulse für die Vernetzung und Weiterentwicklung der südlichen Innenstadt ausgehen. Inmitten der vitalen Metropole soll „nicht etwa eine weitere Siedlung, sondern ein neues Stück Stadt entstehen“, wie der Beigeordnete Höing betont.

Schritt für Schritt zum neuen Viertel

Zur fachlichen Unterstützung der Planung konnte die Stadt fünf international renommierte Teams aus Stadtplanern, Landschaftsarchitekten und Architekten gewinnen: Astoc – Architects and
Planners zusammen mit GrossMax, AS&P Albert Speer und Partner und KLP Kiparlandschaftsarchitekten, KCAP in Zusammenarbeit mit office03 und Atelier Dreiseitel, RMP Stephan Lenzen zusammen mit Ortner&Ortner Baukunst sowie West 8 Urban Design und Landscape Architecture. Der Planungsprozess war in ein kooperatives Verfahren eingebettet, das unter Moderation der Büros Urban Catalyst studio und neubig hubacher Architekten vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten bot, auf einen breiten Dialog ausgelegt war und den direkten Austausch zwischen unterschiedlichen Akteuren förderte. Alle interessierten Kölner, Anlieger, Initiativen und Bürgergemeinschaften waren eingeladen, ihre Vorstellungen und Ideen vom neuen lebendigen und urbanen, gemischt genutzten Quartier in die Planung einzubringen.

Schrittweise wurden gemeinsam Ideen für das neue Stadtviertel entwickelt. In Stadtspaziergängen wurden die Identitäten, Talente und Herausforderungen des Plangebiets erkundet und zu einem ersten Bild der sich bietenden Möglichkeiten zusammengetragen. Auf diese Erkenntnisse aufbauend wurden Leitziele als Grundlage für die Planung formuliert. An vier Themenabenden konnte die Stadtgesellschaft ihre Vorschläge und Erwartungen formulieren und den Planungsteams mit auf den Weg geben. Die Planer wiederum stellten ihre Ergebnisse im Fortschritt des Planungsprozesses immer wieder zur Diskussion. In begehbaren Modellen ließen die Büros ihre unterschiedlichen Entwürfe konkret werden: als blaue Folie zog der Rhein an der Parkstadt vorbei, ein grünes Tuch symbolisierte den Park, kleine und große Pappkartons dienten als Platzhalter für die spätere Bebauung.

Empfehlung des Begleitgremiums

Nach Ansicht des Begleitgremiums, das den Prozess fachlich unterstützte, überzeugt das Konzept  des Teams RMP Stephan Lenzen/Ortner&Ortner durch zwei wesentliche Kernaspekte: „Zum einen gelingt der neue Grünzug als zusammenhängende Raumeinheit und großzügige Durchführung bis zum Rhein – durch den Verzicht auf Bebauung entlang des Bahndammes. Die Verknüpfung mit der übergeordneten Struktur des Inneren Grüngürtels ist klar ablesbar. Zum anderen wird durch die dichte Bebauungsstruktur im zentralen Marktquartier ein neues eigenständiges Stadtquartier geschaffen – die Markthalle rückt dabei in die Mitte und wird adäquat eingebunden.“ Die Vollendung des Grüngürtels rückt damit in greifbare Nähe. Landschaftsarchitekt und Gremiums-Mitglied Professor Gerd Aufmkolk schwärmt: „Diejenigen, die vor 100 Jahren die Idee zum Grünzug hatten, werden nun im Himmel sitzen und jubilieren.“


Christian Deppe

arbeitet seit Herbst 2014 als Fachreferent für Presse und Öffentlichkeitsarbeit im Dezernat für Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Verkehr der Stadt Köln. Zuvor hat er die Themen des Dezernats aus journalistischer Sicht als Redakteur der Kölnischen Rundschau betreut.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.