ÜBERREGIONALE AUSSTRAHLUNG

Städte sind auf Kompaktheit ausgelegt. Ob und inwieweit dies anwendbar ist auf Stadtentwicklung unter Schrumpfungsbedingungen, diese Frage markierte unter Beachtung der demografischen Bedingungen den Startpunkt des Stadtumbaus in Cottbus. Wie erfolgreich kann dieser Prozess mit den zur Verfügung stehenden Instrumenten der Stadtplanung und Stadtentwicklung durch die Kommune gesteuert werden?

Cottbus mit heute knapp 100.000 Einwohnern war – ausgelöst durch den einsetzenden wirtschaftlichen Strukturwandel nach der politischen Wende, die nachfolgend anhaltende Abwanderung aus der Stadt in wirtschaftlich prosperierende Regionen und das Umland sowie den drastischen Geburtenrückgang – als eine der ersten Städte zu Beginn der 1990er-Jahre von demografischen Veränderungen betroffen. Sowohl mit der Aufgabe der schrumpfenden Stadt, als auch einer veränderten Alters- und Bevölkerungsstruktur hatte und hat sich die Stadtentwicklung aktiv auseinander zu setzen.

Seit 1990 hat Cottbus trotz zwischenzeitlicher Eingemeindungen mehr als ein Drittel der ursprünglich etwa 140.000 Bewohner verloren. Bis 2030 wird ein weiterer Rückgang von heute etwa 100.000 auf dann ca. 92.500 Einwohner prognostiziert. Ende der 1990er-Jahre waren infolge der demografischen Verhältnisse vor allem die Großwohnsiedlungen an den Rändern der Stadt von hohen Leerständen (teilweise bis zu 45 %) betroffen.

In Reaktion auf die hohen Leerstände in den Randlagen hat die Stadt im Jahr 2001, beginnend im ehemals größten Plattenbaugebiet im Land Brandenburg mit mehr als 30.000 Einwohnern, Sachsendorf-Madlow, Stadtumbaumaßnahmen eingeleitet. Neben umfangreichen Aufwertungsmaßnahmen sollten massiv Wohnungen rückgebaut werden. Die Leerstandszahlen in den verbliebenen Strukturen in Sachsendorf-Madlow haben sich aktuell auf unter 10 % verringert, zurückgebaut wurden bisher knapp 6.000 Wohnungen.

Im Jahr 2002 wurde erstmalig das Stadtumbaukonzept (Fortschreibungen 2006 und 2010) erarbeitet, in dessen Konsequenz auch gesamtstädtisch eine Neuausrichtung der Stadtentwicklung mithilfe der Doppelstrategie aus Aufwertung der Innenstadt und innenstadtnahen Lagen sowie gleichzeitigem Rück- und Umbau in benachteiligten Randlagen forciert wurde. Zum Rückbauschwerpunktgebiet Sachsendorf-Madlow kam ein weiteres hinzu Neu-Schmellwitz mit knapp 3.000 Wohnungen Rückbau (Bestand 5.550 Wohnungen in 2000). Grundsatz in beiden Gebieten war die Senkung des Leerstandes durch flächenhaften Rückbau von ganzen Quartieren. Insgesamt wurden in Cottbus in den vergangenen Jahren 10.000 Wohnungen vom Markt genommen sowie die stadttechnische und soziale Infrastruktur  angepasst.

Ziel ist die Stärkung bzw. Stabilisierung attraktiver Wohnlagen durch die Konzentration von Leerständen in bestimmten Wohnlagen. Die entstehenden Freiflächen sollen lageabhängig baulich oder als Frei-/Grünfläche nachgenutzt werden und somit der Aufwertung des Gesamtbildes dienen.

Für eine 250 ha große Fläche der Innenstadt wurden bereits 1991 die Beschlüsse zur Einleitung vorbereitender Untersuchungen gefasst. Die  Ergebnisse – prekäre Mängel an der Bausubstanz und nutzungsstrukturelle Defizite – führten zur förmlichen Festlegung des Sanierungsgebiets „Modellstadt Cottbus-Innenstadt“ mit einer Größe von 125 ha im Jahr 1992.

Aufgrund der Aufnahme von Cottbus in das Modellstadt-Programm des Bundes wurde Cottbus in den ersten Jahren eine besondere Förderung in Höhe von 80 % zuteil. Ab 1995 erfolgte der Übergang in das Stadterneuerungsprogramm mit einem Förderanteil von jeweils einem Drittel durch Bund, Land und Kommune. Investive Sanierungsmaßnahmen wurden mit 82 Mio. Euro unterstützt, was wiederum einen achtfachen Einsatz privaten Kapitals  bewirkte.

Durch umfangreiche Sanierungsmaßnahmen privater und kommunaler Gebäude, Aufwertung bzw. Erneuerung von Straßen und Grünanlagen und Errichtung von Neubauten entwickelte sich die Innenstadt zu einem attraktiven Zentrum für Einzelhandel, Gastronomie, Kultur, Bildung und Dienstleistung, dessen Anziehungskraft weit in die Region ausstrahlt. Die intakte Infrastruktur beförderte die Entwicklung der Innenstadt zu einem beliebten Wohnstandort. Seit 1992 ist hier ein Bevölkerungszuwachs von 25 % zu verzeichnen.

Die Maßnahmen waren nur mit Unterstützung durch Fördermittel der EU, des Bundes und des Landes möglich. Insgesamt wurden bis 2014 mehr als 180 Mio.€ Euro an Städtebaufördermitteln  in die Sanierung der Innenstadt und in den Stadtumbauprozess investiert.

Cottbus hat sich bewusst gegen das Modell der perforierten Stadt und gegen einen unkontrollierten Schrumpfungsprozess entschieden. Grundlage für diese Entscheidungsfindung waren mehrere Faktoren, darunter: der bereits erreichte Sanierungsstand in der Innenstadt, die gleichzeitig hohen Leerstände in den nicht mehr nachgefragten Wohnungen am Stadtrand, kurze Wege in Vorausschau auf eine alternde Bevölkerung, möglichst geringe Kosten mit Blick auf den zur Verfügung stehenden geringen Finanzrahmen der Stadt, aber auch die effektive, finanzierbare Ausrichtung der Stadttechnik.

Der Anspruch der Stadt Cottbus besteht darin, die wertvollen städtebaulichen innenstadtnahen Strukturen mithilfe des Stadtumbaus dauerhaft zu stabilisieren und der Stadt eine neue Dichte und zugleich ein attraktiveres und nachhaltiges Gesicht zu geben.

Stadt Cottbus
Ansprechpartner
Katrin Haas & Doreen Mohaupt
FB Stadtentwicklung
Karl-Marx-Straße 67 | 03044 Cottbus
T. 49 (0) 355/ 612-4106
Katrin.Haas@cottbus.de & Doreen.Mohaupt@cottbus.de | www.cottbus.de

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