LONDON: E-TAXIS BEKÄMPFEN LUFTVERSCHMUTZUNG

Lärm machen die neuen Gefährte kaum. Sie sind schnell unterwegs und ziemlich geräumig – gemeint sind die Elektro-Taxis, die im legendären schwarzen Stil seit dieser Woche endlich über Londons Straßen rollen. Seit langer Zeit bestehen Pläne zur Verbesserung der Luftqualität, Taxis tragen weltweit zu großem Teil Schuld an der Stadtverschmutzung.

Seit dem 1. Januar gilt in London ein neues Gesetz – alle neu zugelassenen Taxis müssen emissionsfrei fahren. Und das aus gutem Grund: Jedes Jahr sterben etwa 9500 Menschen durch die dort herrschende Luftverschmutzung, das Vereinte Königreich verstößt seit 2010 gegen das europäische Gesetz bezüglich Schadstoffen in der Luft. Deshalb sollen innerhalb der nächsten drei Jahre 9000 der E-Taxis auf den Straßen unterwegs sein.
Initiiert wurde das Vorhaben vom chinesischen Automobilkonzern Geely, der 2012 die insolvente London Taxi Company (LTC) aufkaufte und in einem 5-Jahres-Plan eine neue Generation grüner Fahrzeuge auf die Straßen bringen wollte – Kostenpunkt: 180 Millionen Euro.

Jetzt ist es endlich soweit. Die neuen Taxis können 130 Kilometer mit einer aufgeladenen Batterie zurücklegen – danach wird für längere Strecken von bis zu 500 km der Dreizylinder-Generator mit Benzinmotor aktiviert, der allerdings nicht direkt die Räder antreibt, sondern nur die Batterien auflädt.

Optisch haben sich die typischen „Black Cabs“ scheinbar kaum verändert. Beim genaueren Hinsehen – vor allem im Innenraum – zeigt sich aber, dass die Fahrzeuge deutlich geräumiger sind als ihre Vorgänger: Mit sechs Sitzen ausgestattet sind die Taxis teilweise größer als Stretch-Limousinen. Wifi, USB-Ladeanschlüsse und ein großes Panoramadach für einen besseren Blick auf den Big Ben oder das London Eye stellen deutliche Verbesserungen für seine Passagiere dar. Ein Filtersystem sorgt außerdem dafür, dass der Innenraum frei von Abgasen ist.
Schnell, leise und komfortabel werden die Fahrzeuge bezeichnet. Auch in Sachen Sicherheit kann die grüne Alternative punkten: Autonome Notbremsen, Abstandstempomat und Fußgängererkennung bieten deutliche Vorteile.

Trotz aller offensichtlichen Verbesserungen steht das Vorhaben immer wieder in der Kritik: Hauptsächlich beschwert man sich über fehlende Schnellladestationen, an denen man die Fahrzeuge innerhalb von 30 Minuten aufladen kann, was wichtig ist, um konkurrenzfähig zu bleiben. Eigentlich sollten bis Ende dieses Jahres 75 solcher neuen Schnelladestationen errichtet werden – die Bauarbeiten befinden sich aber im Verzug. Probleme seien eine lange Vorlaufzeit, um einen Standort zu bekommen, die ausreichende Sicherung von Strom sowie die Installation der Ladestationen. Es werde stetig am Bau gearbeitet – ob sich die Pläne wirklich noch realisieren lassen, wird sich wohl erst in einigen Monaten zeigen.

Für weitere Kritik sorgte der hohe Anschaffungspreis der Elektrofahrzeuge: Die grüne Alternative ist fast 25% teurer als ihr Benziner-Äquivalent. Auf lange Sicht verursacht sie aber um einiges weniger Kosten als die herkömmlichen Automobile. Der neue Motor spart große Mengen an Kraftstoff ein, sodass man die Differenz des Kaufpreises nach etwa fünf Jahren wieder ausgeglichen hat. Auch Zuschüsse der Stadt an Taxifahrer sowie Stadtbezirke zum Errichten der Ladestationen erleichtern das Ganze.

London ist nicht die einzige Stadt, die auf E-Taxis umsteigt: Vorbildlich war unter anderem Amsterdam. Dort errichtete man in kürzester Zeit 2600 Ladestationen. Auch in Oslo und sogar Bangalore sind bereits die modernen Transportmittel unterwegs.
Englands Hauptstadt verfolgt ein hochgestecktes Ziel: Bis 2033 sollen alle Taxis emissionsfrei fahren und weiteren Städten als Vorbild für ein umweltfreundliches Transportsystem dienen.

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