HAMBURG: DIE STADT IN DER STADT

Weit außerhalb vom Trubel der Hansestadt soll Hamburgs 105. Stadtteil entstehen.

Gelegen zwischen Allermöhe und Bergedorf ist Oberbillwerder: Eine 124 Hektar große „Connected City“, die vom dänisch-niederländisch-deutschen Planungsteam rund um das Kopenhagener Büro ADEPT entwickelt wird. ADEPT konnte sich bei einem Wettbewerb um die Gestaltung der Connected City gegen 11 weitere Teams durchsetzen.

Geplant ist ein gemischtes Quartier, passend zu der breiten sozialen Mischung, die dort angestrebt wird. Die Zielgruppe: vor allem junge Familien.
Es entstehen 7000 Wohnungen und 5000 Arbeitsplätze, ein großer Bildungscampus mit Stadtteilschule und Gymnasium, zwei Grundschulen, über ein Dutzend Kindergärten sowie weitere 14 soziale Einrichtungen. Angesiedelt werden soll dieser Bildungscampus entlang eines Grünzugs, um für die Kindern eine möglichst autofreie Umgebung zu schaffen.

Die Planer streben an, Oberbillwerder zum Vorreiter der „Active City“ zu machen, die sich auf die Themen Gesundheit, Ernährung und Sport fokussiert. Dazu sieht der Plan im östlichen Teil der Stadt den Entwurf eines großen öffentlichen Aktivitätsparks mit Flächen für Fußball, Leichtathletik und Tennis vor, im westlichen Teil soll ein „Blauer“ Sportpark entstehen, der bei starkem Regen geflutet werden kann.

Die Struktur der geplanten Stadt soll sich an den ursprünglichen Entwässerungsgräben der Felder orientieren. Man will die Stadt so ausrichten, dass möglichst große Verkehrsknotenpunkte und Staus sowie eine schlechte Luftqualität durch den Verkehr vermieden werden – deshalb entstehen überall in der Stadt Mobilitätsstationen und City Hubs für die Anlieferung von Waren. Das Konzept setzt auf wachsenden Fahrradverkehr, extrabreite Radwege sollen die Fahrt erleichtern. Der übrige Verkehr soll über eine Ringstraße geführt werden, Parkmöglichkeiten bieten Quartiersgaragen, um das optische Stadtbild nicht zu beeinträchtigen.

Das „Tor“ zum Stadtteil wird eine gläserne Markthalle sein, an die sich das Bahnquartier als zentraler Punkt mit Gastronomie, Nahversorgung und Schwimmbad anschließt. Es werden Wohngebiete in vier Quartieren mit eigenen Profilen entstehen.

Den Planern ist es vor allem wichtig, Oberbillwerder eng mit Bestehendem zu verbinden und kein isoliertes Neubaugebiet zu erschaffen. Deshalb sollen Wege nach Bergedorf, Allermöhe und zu der grünen Kulturlandschaft errichtet werden. Es sind außerdem mehrere Bahnübergänge sowie eine Brücke nach Neu-Allermöhe geplant. Der Übergang Richtung Bergedorf-West soll durch Kleingärten und Gartenhäuser realisiert werden.

Viele Kritiker sahen vor allem die Zerstörung der grünen Landschaft als problematisch für den Bau des neuen Quartiers an – die Planer allerdings wollen die Flächen effizient nutzen und dabei auch einige Freiflächen einbeziehen – dabei will man den Stadtteil in die Landschaft einbetten, statt sie zu zerstören. Gestalterisch resultiert dies in vielen Dachbegrünungen sowie ungewöhnlichen Hausformen und Verschachtelungen.

Betreut wird das Projekt von der IBA Hamburg GmbH: Sie hat als Stadtentwicklungsgesellschaft bereits zehn Gebiete Hamburgs entwickelt. Insgesamt entstand bei der Planentwicklung ein kooperativer Prozess, an dem die Hamburger Behörden, viele lokale Akteure, Bewohner sowie Stadt- und Landschaftsplaner beteiligt waren. Die geplanten Bauprojekte sollen sowohl an private als auch städtische Träger und Genossenschaften gehen. 20 % werden außerdem an Baugemeinschaften vergeben.

Bis 2018 soll der endgültige Masterplan stehen, der Baubeginn der ersten Häuser soll 2023 stattfinden.

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Renderings © ADEPT | Foto © imago

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