BAHNHOF ALTONA: C.F. MØLLER MACHEN DAS RENNEN

Es gibt mal wieder Neuigkeiten in Sachen Stadtentwicklung Hamburg – es war schon bekannt, dass in Altona auf dem Gelände eines alten Güterbahnhofs das Viertel „Neue Mitte“ mit 3500 Wohnungen entstehen soll – gekennzeichnet auch durch einen langen Parkstreifen, der von der dichten Bebauung des neuen Quartiers fast bis zur Elbe führen soll. Dort waren bislang eigentlich die Fernzüge zum Kopfbahnhof Altona unterwegs. Die Deutsche Bahn legte dazu eine Lösung vor: Die Verlegung des Fernbahnhofs Altona an die zwei Kilometer entfernte S-Bahnstation Diebsteich. In den Augen der Deutschen Bahn ein wichtiger Schritt, um den Hauptbahnhof vom Fernverkehr zu entlasten.

Für das geplante neue Bahnhofsgelände wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, an denen 13 namhafte Architekturbüros teilnahmen. Durchgesetzt gegen Unternehmen wie MVRDV hat sich das dänische Büro C.F. Møller mit zwei unterschiedlich hohen Türmen, deren Glasfassaden durch ein scheinbar schwebendes, geschwungenes Dach verbunden sind, in dessen Unterseite sich die Reisenden in der Eingangshalle spiegeln. Auf dem über den Vorplatz ragenden Dach befindet sich ein Dachgarten mit Grün- und Sitzflächen, mit Platz für Gastronomie und ein kleiner Spielplatz. Das Gebäude unterscheidet sich stilistisch und materiell deutlich von den regionalen Bautraditionen.

Schon früh galt der Entwurf als Favorit, dennoch war es bis zuletzt eine schwere Entscheidung, die die 18-köpfige Fachjury unter Leitung der Architekturprofessorin Julia Bolles-Wilson am Ende doch einstimmig gefällt hatte. Ins Finale kamen neben dem Entwurf von Architekturbüro C.F. Møller auch gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner, eines der international renommiertesten deutschen Architekturbüros, sowie das ebenfalls international tätige und bekannte Hamburger Büro Baumschlager Eberle.

Vor allem gefiel den Beurteilenden die Tatsache, dass der Entwurf in besonderem Maße auf die zukünftige Entwicklung des Quartiers ausgerichtet ist – er besitzt eine Leichtigkeit und Modernität, die der Rolle des Komplexes als Initialzündung für die gesamte Umgebung gerecht werde. Das Gebäude soll zukünftig ein wirtschaftlicher Knotenpunkt in einer bislang eher ruhigen Gegend werden – dass am Ende doch die Idee der Dänen das Rennen machte, lag auch daran, dass sie ihre ersten Pläne an einigen Stellen deutlich verschlankten.
In dem 70 Meter hohen Gebäude soll ein Hotel einziehen samt Dachterrassenbar, im anderen Gebäude werden Büros untergebracht.
Das Erdgeschoss sowie die zweite Etage sind für Einzelhandel und Gastronomie vorgesehen. Im Untergeschoss gibt es ein Parkhaus mit mehr als 300 Tiefgaragen sowie Stellplätze für 1000 Fahrräder.

Der Neubau des Fernbahnhofs Altona für rund 360 Millionen Euro soll den Hamburger Hauptbahnhof entlasten und den Fernverkehr vor allem nach und von Norden durchlässiger machen. Der heutige Altonaer Bahnhof soll nach dem Neubau in Diebsteich weiterhin als Knotenpunkt für den regionalen und lokalen S-Bahn- und Busverkehr fungieren.

Baubeginn ist für den Herbst dieses Jahres anberaumt – die Inbetriebnahme soll zum Fahrplanwechsel 2023/24 starten. Es gibt allerdings immer noch viele kritische Stimmen, allen voran von der Bürgerinitiative Prellbock, die das Projekt als ein zweites Stuttgart 21 anprangern, dass kaum der Entlastung diene und im Endeffekt ein Zeitverlust für viele Pendler bedeuten würde.

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Renderings © C.F. Møller

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