IMMER MEHR PAKETDIENSTE SETZTEN AUF LASTENFAHRRÄDER

Verstopfte Straßen, Umweltverschmutzung, knapper Parkraum – das sind nur ein paar Probleme, mit denen sich Innenstädte beziehungsweise Stadtplaner heute auseinandersetzen müssen. Alternative Mobilitätsangebote werden dringend benötigt. Das betrifft auch die urbane Logistik. Und genau da können Lastenräder ein wichtiger Bestandteil nachhaltiger Zustellkonzepte sein – mit und ohne Elektromotor.

Der Meinung sind mittlerweile auch die größten Paketdienste in Deutschland. Sowohl gemeinsam als auch unabhängig voneinander testen Hermes, DPD, UPS und Co. verschiedene Vehikel und suchen nach passenden Zustellgebieten. Das Unternehmen DPD konnte im Rahmen eines Pilotprojekts in Nürnberg und eines Zeitraums von nur einem Jahr ca. 80.000 Pakete mit fünf Lastenfahrrädern zustellen und damit die eigenen Erwartungen deutlich übertreffen. Fünf herkömmliche Transporter wurden so nahezu überflüssig. „Selbst unter winterlichen Bedingungen sind unsere Lastenräder sehr zuverlässig unterwegs“, erläutert Torsten Mendel, Niederlassungsleiter von DPD in Nürnberg. „Ganz ohne herkömmliche Fahrzeuge geht es jedoch noch nicht. Die gewohnten Transporter benötigen wir nicht nur für die Versorgung unseres Mikrodepots, sondern auch für die Belieferung größerer gewerblicher Empfänger in der Innenstadt.“ Bei einer geschickten Kombination mit herkömmlichen Zustellfahrzeugen kann das Lastenrad unter günstigen Bedingungen fast ebenso leistungsstark sein wie der Transporter: „In vielen Straßen Nürnbergs sind wir mit unseren wendigen Lastenrädern deutlich effizienter unterwegs als mit den großen Fahrzeugen.“ In der Nürnberger Südstadt können daher fünf Lastenräder und vier herkömmliche Zustellfahrzeuge gemeinsam ein Gebiet abdecken, das zuvor von neun herkömmlichen Transportern bedient wurde. Das Lastenrad übernimmt dabei vor allem jene Empfänger, die am Tag nur 1-2 Pakete erhalten, während Stopps mit einer größeren Zahl an Paketen per Transporter versorgt werden.

Ähnlich positive Erfahrungen hat auch der amerikanische Paketzusteller UPS gemacht: Erst im Juni kündigte das Unternehmen darum an, die eigene Lastenrad-Flotte auf 34 Fahrzeuge aufzustocken. 23 davon fahren ab sofort in Deutschland und 11 weitere werden in unseren europäischen Nachbarländern weiter getestet. UPS hat frühzeitig begonnen, ein ganz eigenes Vehikel zu entwickeln: Die Besonderheit dieser elektrischen Lastenräder ist eine abnehmbare 1,7 Kubikmeter große Box, die den Zustellern ein schnelleres Be-und Entladen der Fahrräder ermöglicht. Zukünftig genügt es, die Box zu wechseln, statt Pakete einzeln umzuladen. Die Boxen können in der Niederlassung gefüllt werden und der Zusteller kann dann vor Ort die Boxen tauschen. Mit einem Leergewicht von nur 135 Kilogramm und einem maximalen Gesamtgewicht von 350 Kilogramm können sich die Fahrer bei Bedarf auf die Unterstützung des 250W-Elektromotors verlassen. Beim Losfahren verfügt der Motor über eine entsprechend höhere Leistung von 1000 Watt. Abgesehen von den gründsätzlich positiven Eindrücken sieht die Branche noch einige Hürden, bevor eine emmissionsfreie Paketzustellung mit Lastenrädern zu einem echten Massenphänomen werden kann.

Ein wichtiger Knackpunkt werden Mikrodepots sein: Weil Lastenfahrräder in erster Linie auf kurzen Strecken effektiv arbeiten, brauchen die Paketzusteller unbedingt kleine Zwischendepots, an denen die Transporter von den großen außerstädtischen Verteilerzentren kommend ihre Pakete „parken“ können bzw. auf die Lastenfahrräder umverteilen. In den beliebtestenen deutschen Großstädten sind solche zentralen Flächen natürlich sehr teuer und selten. Seit Juni läuft darum in Berlin ein gemeinsames Pilotprojekt: Bei KoMoDo (Kooperative Nutzung von Mikro-Depots durch die Kurier-, Express-, Paketbranche für den nachhaltigen Einsatz von Lasträdern in Berlin) handelt es sich um ein Zustellkonzept mit Mikrodepot, das in Prenzlauer Berg vom Berliner Senat zur Verfügung gestellt wird. Von diesem zentralen Standort aus werden auf der allerletzten Meile mit Lastenfahrrädern die Sendungen zugestellt. Für jeden beteiligten Dienstleister werden eigene Container aufgestellt, die als Mikrodepot für einen innerstädtischen Umschlag und auch als Stellplatz für die E-Cargobikes dienen. Der Feldversuch läuft zunächst rund ein Jahr.

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