Garten– statt Plattenstadt

„Gartenstadt Drewitz“ ist der Claim für die energetische Erneuerung des Potsdamer Stadtteils Drewitz. Angestoßen wurde der Umbau der Siedlung 2009 durch die kommunale Immobilienholding ProPotsdam GmbH. Sie ließ ein Entwicklungskonzept für den Stadtteil erarbeiten, das dem sozial schwierigen und städtebaulich defekten Quartier eine grüne Zukunft als modern interpretierte Gartenstadt konzipierte. Das Konzept schlug anfangs hohe Wellen und erregte die Gemüter der fast 6.000 Drewitzer, insbesondere weil anstelle der Hauptstraße und der zahlreichen Pkw-Stellplätze ein Park angelegt werden sollte. Ein aufwendiges, vierstufiges Werkstattverfahren vereinte ab November 2010 Bewohner, Wohnungsunternehmen, Gewerbetreibende, Lokalpolitiker und Planer. Gemeinsam erarbeiteten sie einen Masterplan und eine Vorstellung, wie die Gartenstadt Drewitz tatsächlich aussehen sollte. Bedenkt man, dass der im Herbst 2011 vorgelegte Masterplan das Ergebnis eines breiten partizipativen Prozesses ist, dann beeindruckt vor allem seine Komplexität: Er integriert die Themen Städtebau, Wohnen, Soziales, Partizipation, Mobilität und Energie. Als Ziel ist die sozialverträgliche energetische Erneuerung der Siedlung festgeschrieben. Sie erfolgt im Wesentlichen durch die Neuordnung von Verkehr und Freiräumen, die sozialverträgliche Sanierung der Wohnungen und die Stärkung der sozialen Infrastruktur. Bei der Umsetzung will man die Bewohner miteinbeziehen und deren Verdrängung aus dem Stadtteil verhindern.

Grün schafft neuen Stadtraum
Das städtebauliche Konzept basiert auf der Umwandlung von Straßenraum in einen Park, die Anlage eines „Grünen Kreuzes“ mitten durch die ganze Siedlung und die damit verbundene Neuordnung des Verkehrs. Die wichtigste Veränderung ist der Rückbau der überdimensionierten Konrad-Wolf-Allee, die durch das Gebiet führt, und die Anlage einer qualitativ hochwertig gestalteten öffentlichen Grünanlage. Auf diese Weise werden im Zentrum des Gebietes die Lärm- und Schadstoffemissionen vermindert und die klimatische Situation verbessert. Durch die Errichtung des Parks wurde die Wohnbebauung entlang des ehemaligen Straßenverlaufs aufgewertet: Aus einer der bisher ungünstigsten wird so eine der besten Wohnlagen im Gebiet. Das Grüne Kreuz entsteht, indem der Park durch eine Grünachse ergänzt wird, die im rechten Winkel zum Park liegt. An deren Kreuzungspunkt entsteht ein Stadtplatz mit Wasserspiel und Café, der das neue Herz des Stadtteils bildet. Alle für die Bewohner wichtigen Einrichtungen (Schule, Kita, Einzelhandel, Ärzte, Spielplätze, Freizeitangebote) werden fußläufig oder per Fahrrad bequem und sicher erreichbar sein. Die Grünverbindung ist zugleich wohngebietsbezogene Naherholungsfläche mit entsprechenden Angeboten.

Barrierefreies Umfeld
Mit den grünen Achsen, die ab 2015 fertiggestellt werden, entsteht ein weitgehend barrierefreier Stadtraum, an dem mehr als 1.000 Wohnungen anliegen. In diesem barrierefreien Raum befinden sich Haltestellen für Busse und Bahnen und wichtige kommerzielle wie soziale Infrastruktureinrichtungen. Der neue Konrad-Wolf- Park nimmt alle Funktionen der öffentlichen Naherholung auf, die bislang auf die Wohnhöfe verteilt waren. So wird der Weg frei zur Umwandlung der Höfe in private und halbprivate Bereiche, die den Mietern der umgebenden Wohnbebauung vorbehalten bleiben. Im geschützten Bereich der Höfe werden Mietergärten und das Community Gardening möglich, was Identität, Kommunikation und Integration fördern kann.

Mit der Neuordnung von Verkehr und Freiräumen erhält der Standort eine neue Identität und Entwicklungsperspektive. Der städtebaulichen Intervention folgen umfängliche Investitionen in die Sanierung der Wohngebäude sowie in den Wohnungsneubau und erfolgreiche Schritte zur Stärkung der sozialen Infrastruktur. In der Summe der Maßnahmen, die bis 2025 Investitionen in Höhe von mehr als 300 Millionen Euro umfassen werden, wird der gesamte Stadtteil energetisch und zudem sozial verträglich saniert. Nach nur fünf Jahren zeigt die Umsetzung des Gartenstadtkonzeptes beeindruckende Ergebnisse: Die Umwandlung der Hauptverkehrsstraße in einen Park wurde gerade abgeschlossen. Zur Neuordnung des Verkehrs wurde eine Parkraumbewirtschaftung etabliert. Etwa 600 Wohnungen wurden energetisch und sozial verträglich saniert, ab 2015 werden 470 weitere Wohnungen umgebaut. Mit der Eröffnung der Stadtteilschule und dem dazu gehörenden Begegnungszentrum oskar wurde die soziale Infrastruktur verbessert. Die energetische Sanierung der öffentlichen Gebäude hat begonnen.

Vielfältige Einzelprojekte
Die Gartenstadt verwirklicht sich aber auch in vielen Einzelprojekten, etwa mit der ehrenamtlichen Fahrradwerkstatt im oskar, der Initiative zur Einrichtung eines Gemeinschaftsgartens oder dem „Mobilitätsbonus“ der ProPotsdam, einem Vermietungsangebot, das Wohnung und Jahresticket für den Nahverkehr verbindet. Die vielschichtige Umsetzung ist nur im Zusammenwirken zwischen den Beteiligten möglich. In kooperativen Arbeitsstrukturen arbeiten Bewohner, Stadt, Wohnungsunternehmen, Stadtwerke und Verkehrsbetriebe sowie soziale Träger und Gewerbetreibende zusammen: Eine Lenkungsgruppe für strategische Entscheidungen, eine Projektgruppe für die Koordinierung der Arbeiten und diverse sachbezogene Arbeitsgruppen. Die Erfahrungen, die die Beteiligten hier miteinander machen, aber auch die ersten sichtbaren Ergebnisse ermutigen zu weiteren Plänen. Ein gerade verabschiedetes Integriertes Energie- und Klimaschutzkonzept sieht Drewitz auf dem Weg zum Null-Emission-Stadtteil. Es prognostiziert eine Reduzierung der CO2-Emissionen bis 2050 um 87 %. Wer alles über die Gartenstadt Drewitz erfahren will, kommt hier weiter: www.gartenstadt-drewitz.blogspot.de, aktuell kann man über Facebook oder Twitter auf dem Laufenden bleiben.

Stadt Potsdam
Ansprechpartner
Carsten Hagenau
Projektkommunikation Hagenau GmbH
Hegelallee 3, 14467 Potsdam

Telefon: (0331) 201 96 10
carsten.hagenau@projektkommunikation.com
www.gartenstadt-drewitz.blogspot.de

 

 

 

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