WENN ARCHITEKTUR ZU MUSIK WIRD

EIN NEUES KONZERTHAUS

Bereits im Laufe der 60er-Jahre wurde der Bau eines Konzerthauses für die Bochumer Symphoniker erwogen. Doch dazu kam es nicht. Auch Jahre später scheiterten Bauvorhaben für ein eigenes Konzerthaus aufgrund der schwierigen Haushaltslage und fehlender Fördermittel. 1994 übernahm schließlich der deutsch-amerikanische Dirigent Steven Sloane den Posten des Generalmusikdirektors der Bochumer Symphoniker und machte sich seitdemdafür stark, ein Haus für sein Orchester zu schaffen.

FUNDRAISING-KAMPAGNE

2016 hatte das Umherirren zwischen verschiedenen Ausweichspielstätten wie dem Bochumer Schauspielhaus, der Jahrhunderthalle und dem Audimax endlich ein Ende. Die Stadt hatte sich dazu entschieden, anstelle eines reinen Konzerthauses Pläne für ein sogenanntes Musikzentrum zu verfolgen, in dem auch die städtische Musikschule eine neue Heimat bekommen sollte. Das Vorhaben wurde 2011 von der Landesregierung als förderfähig erachtet und die entsprechenden Mittel in Höhe von rund 16 Mio. Euro aus EU- und Landesmitteln in Aussicht gestellt. Ein Großteil der Baukosten wurde außerdem von privaten Spendern getragen: Insgesamt 14 Mio. Euro kamen im Zuge einer von Sloane initiierten öffentlichen Fundraising-Kampagne durch 20.000 private Förderer zustande. Eine wichtige Unterstützerin war in diesem Rahmen auch die Stiftung der verstorbenen deutschen Verlegerin und Philanthropin Anneliese Brost, zu deren Ehren das Gebäude schlussendlich seinen Namen erhielt.

BOCHUMER VIKTORIAQUARTIER

Das Anneliese Brost Musikforum liegt inmitten des lebendigen Viktoriaquartiers in der Bochumer Innenstadt. Mit dem Schauspielhaus am einen Ende, dem Kultur- und Veranstaltungszentrum Rotunde sowie dem Gastronomieviertel Bermuda3Eck in der Mitte und der Jahrhunderthalle am anderen Ende, hat die neue Spielstätte der Bochumer Symphoniker einen Standort gefunden, an dem die Kreativ- und Kulturszene regelrecht pulsiert. Nachdem sich der Förderverein Pro Marienkirche Bochum-Mitte e. V. nachdrücklich für den Erhalt der stadtteilprägenden Marienkirche im Quartier einsetzte, erwarb die Stadt Bochum den Sakralbau kurzerhand und startete einen europaweit ausgeschriebenen Realisierungswettbewerb für die Neuerrichtung eines Musikzentrums an der Viktoriastraße. Vorgabe für den Entwurf war es, den baukulturellen Wert der Marienkirche zu erhalten und im Zuge des Neubaus zu berücksichtigen. Den Wettbewerb konnte das Stuttgarter Architekturbüro Bez+Kock für sich entscheiden, deren Entwurf die historische Kirche zu beiden Seiten um ein gestrecktes Rechteck erweitert und proportional in moderner Formsprache fortsetzt.

VON DER KIRCHE ZUM KONZERTHAUS

Die Kirche bildet das identitätsstiftende Herz des neuen Musikzentrums. Eingetaucht in ein strahlendes Weiß, mit zum Teil hölzernem Interieur, fungiert der historische Bau heute als Foyer zwischen einem großen und einem kleinen Konzertsaal, die sich als monolithische Gebäudeflügel beidseitigder Kirche erstrecken. Das weiß geschlämmte Ziegelmauerwerk des Neubaus bildet dabei einen aufregenden Kontrast zu der neogotischen Architektur der Marienkirche. Indem sie von beiden Seiten den Solitär der ehemaligen Kirche einfassen, entsteht zudem eine scharfe und klare Raumkante entlang der Viktoriastraße. Während sich in dem voluminösen Nordflügel der große Konzertsaal mit rund 1.000 Zuschauerplätzen befindet, ist im südlichen Flügel ein Multifunktionssaal mit etwa 250 Plätzen untergebracht, der vorrangig der städtischen Musikschule dient.

ARCHITEKTURPREIS NRW

Seit seiner Eröffnung im Jahr 2016 reißt das Lob für das neue Haus der Musik im Herzen von Bochum nicht ab. Während Musiker und Konzertbesucher von der einmaligen Akustik des Gebäudes nicht genug bekommen können, geraten auch Architekturliebhaber immer wieder ins Staunen. 2018 wurde das Anneliese Brost Musikforum mit dem Architekturpreis NRW ausgezeichnet.

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© (3) Brigida Gonzalez

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