MEHR ALS EIN DACH ÜBER DEM KOPF

Städte und Kommunen in Deutschland müssen sich zunehmend mit der Frage nach passenden und vor allem dauerhaften Unterbringungsmöglichkeiten für Asylsuchende beschäftigen. Mit dem „Düsseldorfer Modell“ hat die Stadt Düsseldorf einen Ansatz entwickelt, der auch für andere als Konzept dienen kann.

In den Jahren vor der großen Flüchtlingswelle, die das Land ab circa Mitte 2014 erreichte, kam immer eine überschaubare Anzahl Asylsuchender nach Deutschland. Diese konnten bis dato in Bestandsgebäuden der Städte oder durch Anmietung von Wohnräumen untergebracht werden. Doch die jüngsten Zahlen überstiegen schnell die Erwartungen und Kapazitäten der meisten Städte und stellen seitdem große Herausforderung für die Stadt- und Regionalentwicklung in Deutschland dar. Städte, Kommunen, Wohnungs- und Immobilienunternehmen sowie die Politik sind an diesem Punkt gleichermaßen gefordert, Lösungsansätze zu finden und umzusetzen.

Auch die Landeshauptstadt Düsseldorf setzt sich intensiv mit der Flüchtlingsunterbringung auseinander. Mit dem „Düsseldorfer Modell“ – bei dem in überschaubaren Wohneinheiten Einzelreisende und Familien gemeinsam untergebracht werden – hat sie exemplarisch einen Weg gefunden, Modulbauten umzusetzen und diese als Chance für die temporäre und vielleicht sogar langfristige Unterbringung von Asylsuchenden zu nutzen.

Anmietung von Gebäuden

Bestandsgebäude wurden kurzfristig und schnellstmöglich durch Umbaumaßnahmen zu Sammelunterkünften, bis kaum noch Leerstände zur Verfügung standen. Mit der Unterstützung von kirchlichen Trägern und Sozialverbänden konnte die Stadt Düsseldorf weitere Räumlichkeiten anmieten und bereitstellen. Kurzfristige und vor allem befristete Maßnahmen konnten dadurch schnell umgesetzt werden.

Ein weiterer Schritt war die Anmietung leer stehender Bürogebäude auf dem freien Markt mit Vertragslaufzeiten zwischen fünf und zehn Jahren, abhängig von Lage und Bebauungsgebiet.

Bau von Wohncontainern

Zur schnellen Deckung des weiteren Wohnraumbedarfs wurde im April 2015 eine sogenannte Mietcontaineranlage von der Stadt Düsseldorf in Betrieb genommen. Diese besteht aus fünf Containerblöcken mit Platz für je 40 Personen, gemeinschaftlich genutzten Sanitäranlagen und Küchenräumen. Daneben gibt es einen Verwaltungstrakt und ein Pförtnerhäuschen. Die Mietzeit wurde zunächst auf zwei Jahre festgelegt.

Wohncontainer bieten eine aufgrund der weiter steigenden Anzahl an Asylbewerbern notwendige, einfache und schnelle Übergangslösung für eine Unterbringung mit funktionaler Einrichtung. Doch optisch und atmosphärisch kommen die Container schnell an ihre Grenzen. Durch die vorgegebene Raumaufteilung bieten sie kaum Flexibilität und Intimität für die Bewohnerinnen und Bewohner.

Unterbringung in Modulbauten

Als wesentlich flexibler in Transport, Aufbau und Raumaufteilung haben sich Modulsysteme erwiesen. Bauliche Standards für Dächer, Wände und Fenster sowie die Innenausstattung sichern eine gewisse Qualität der Gebäude. Eine ansprechende äußere Gestaltung sorgt darüber hinaus für eine bessere Anpassung an die örtlichen Gegebenheiten.

Das „Düsseldorfer Modell“

Die Stadt Düsseldorf hat im Rahmen des „Düsseldorfer Modells“ eine Mischung aus Sammelunterkunft für Alleinreisende und Familienunterkunft gebaut. Hinter jedem Eingang befinden sich Einheiten für maximal 20 Personen. Alle auf einem Flur Untergebrachten bilden so etwas wie eine kleine Wohneinheit, nutzen zusammen eine Gemeinschaftsküche, einen Waschraum und die sanitären Anlagen.

Im Gegensatz zu der starren Innenaufteilung der früheren Containeranlagen ermöglichen die Anlagen des „Düsseldorfer Modells“ eine flexible Aufteilung: So können bis zu vier einzelne Zimmer jeweils zwei Einzelpersonen beherbergen oder mehrere untereinander verbundene Räume einer Familie zur Verfügung gestellt werden. Vor allem größere Familien bekommen durch Zwischentüren einen intimeren Bereich mit eigener Kochgelegenheit und eigenem Sanitärraum.

Die Gebäude – die bei Bedarf auch zweistöckig gebaut werden können – gruppieren sich um einen gemeinsam genutzten Innenhof mit Spiel- und Aufenthaltsfläche. Innerhalb der Anlagen gibt es zentrale Anlaufstellen für die Verwaltung, den Sozialdienst und mehrere Schulungsräume. Ein 24-Stunden-Pförtnerdienst und eine Umzäunung des Geländes sorgen für größtmögliche Sicherheit.

Einbindung der Öffentlichkeit

Eine frühzeitige Einbindung der Öffentlichkeit führt oftmals zu einer besseren Akzeptanz und Integration der Flüchtlinge. Daher wurden in allen betroffenen Stadtbezirken im Vorfeld Bürgerforen veranstaltet. Plausible Bürgeranliegen konnten daraufhin in die weiteren Planungen einbezogen werden. Bevor die Anlagen bezogen werden, gibt es immer einen öffentlichen Besichtigungstermin, der von den Anwohnerinnen und Anwohnern auch rege genutzt wird.

Modulbau als Chance

Die Erstellung von Flüchtlingsunterkünften mittels Modulbauweise schafft weitestgehend planbare Grundlage für die Städte. Flüchtlingsunterkünfte in Modulbauweise stellen für die Kommunen eine leicht planbare und schnell zu errichtende Lösung dar. Nach der Festlegung der Rahmenbedingungen bietet sie eine hohe Kostentransparenz und -sicherheit. Kurze Planungszeiten und übersichtliche Genehmigungsverfahren machen den Modulbau zu einer guten Option für die Flüchtlingsunterbringung.


Birgit Lilienbecker

ist Abteilungsleiterin des Infrastrukturellen Gebäudemanagements und Projektleiterin Flüchtlinge beim Amt für Gebäudemanagement der Landeshauptstadt Düsseldorf. Sie studierte Bauingenieurwesen und ist seit 1989 bei der Stadt Düsseldorf tätig; zunächst im Bereich Schulbau, Sportbau, Kinder- und Jugendbau, später wechselte sie sich von der Bauleitung/Baubetreuung zur Projektsteuerung. Nach der Verantwortung diverse Sonderprojekte (Schaffung von OGS-Plätzen in allen Grundschulen und Förderschulen; „Sanierung macht Schule“ – Sanierung von 35 WC-Anlagen in Schulen) übernahm sie die Projektleitung für die gesamte Unterbringung von Flüchtlingen in Düsseldorf.

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