BERLIN: NEUE PLÄNE FÜR MUSEUM DES 20. JAHRHUNDERTS VORGELEGT

Vor nun fast einem Jahr haben Herzog & de Meuron mit ihren Entwürfen für das Museum des 20. Jahrhunderts in Berlin für einiges Aufsehen – und vor allem Diskussionsstoff gesorgt. Viele Interessierte beklagten, der Entwurf sehe aus wie jeder beliebige Discounter, andere betitelten ihn als Scheune oder Bierzelt. Die Reaktion der Architekten darauf fiel eher nüchtern aus.

Jetzt hat das niederländische Architekturbüro ihre Überarbeitungen und finalen Pläne vorgelegt, die eventuell den einen oder anderen Kritiker milder stimmen werden. Es waren die Bestimmungen an den Entwurf aus städtebaulicher Perspektive ebenfalls noch einmal angepasst – der Bau dürfe maximal 14 Meter an die bestehende St.-Matthäus-Kirche heranrücken, auch das Dach und andere Teile des Museums sollen sich am Stil der Kirche orientieren und diesen in moderner Manier aufnehmen. Die neuen Pläne zeigen eine um 15% reduzierte Grundfläche und machen klar, wie der Bau mit dem städtebaulichen Kontext interagieren soll.

In der Nähe des Potsdamer Platzes, zwischen der Neuen Nationalgalerie und der Berliner Philharmonie gelegen, verbindet das Museum Straße, Platz und Stadt. Es soll die hochkarätige Sammlung moderner Kunst zeigen. Die Bauweise ist geprägt durch ein helles Design, das durch viele Öffnungen und große Hangar-Tore des Gebäudes zustande kommt. Die Nordseite des Baus ist vollkommen verglast und geht in Richtung Philharmonie. Hier planen die Architekten ein ausladendes Vordach, unter dem sich Einheiten wie ein Shop, Café, Ausstellungsräume und ein Mediensaal vereinen sollen. Hier sollen auch außerhalb der eigentlichen Öffnungszeiten Veranstaltungen stattfinden. Kennzeichnend für diesen Bereich ist eine breite Treppe, die zum Verweilen einlädt und für eine weitere Öffnung des Baus sorgt.

Zwei der genannten Hangar-Tore sollen an der Ostseite des Gebäudes, die als riesige Displays bespielt werden können – an dieser Stelle ist allerdings die Finanzierung noch nicht geklärt. An der Südfassade des Baus spielen die Architekten mit der Symmetrie – auch hier befinden sich zwei Tore, die der Anlieferung dienen und direkt in einen Saal für Wechselausstellungen führen. Durch die direkte Öffnung des Saals zur Straße ergeben sich laut Planern völlig neue Nutzungsmöglichkeiten, die interaktive Szenarien versprechen könnten. Es ist auch eine nach innen gekippte Wand zwischen den Toren geplant, die mit einer Metallplatte versehen sein soll, in der sich das Geschehen auf der Straße widerspiegelt.

Die Fassade soll in erdfarbene, durchbrochene Backsteine gehüllt sein, die immer wieder Platz für quadratische Fensteröffnungen haben wird. Dadurch soll der Bau nachts von innen heraus leuchten und einen neuen Blickfang der Stadt begründen.

Auch innen soll der Bau in geschlämmten Backstein gekleidet sein. Der Boden soll größtenteils aus Holz bestehen. Insgesamt verfolgen die Pläne ein Einraumkonzept – zum großen Teil sollen sich auf nur einer Etage sollen sich alle Räume, Treppen und Säle befinden, die in einem fließenden Zusammenspiel ineinander übergehen sollen. Im Untergeschoss werden einige Ausstellungsräume zu finden sein, außerdem soll dieser Teil an die Neue Nationalgalerie angeschlossen sein – in einem fließenden Übergang statt schmucklosem Tunnel. Auf zwei Flaniermeilen sollen Besucher bereits ohne Tickets in einem ersten Eindruck erkunden können.

Bei der Vorstellung der Pläne wurden keine genauen Zahlen genannt – aus der neuen Komplexität, die die Entwürfe zeigen, scheint aber offensichtlich, dass die geplanten 200 Millionen Euro wohl nicht ausreichend sein werden. Erst im Sommer nächsten Jahres sollen die Entwürfe abgeschlossen sein – und erst dann werden wohl genauere Summen feststehen.

Man darf gespannt auf weitere Ideen sein, die den neuen Bau und die kulturellen Stätten drum herum zu einer vielfältigen Einheit zusammenschließen könnten. Spatenstich ist für Ende 2019 geplant, Mitte der 2020er Jahre soll der Bau dann eröffnet werden, statt schon 2021. Für einen genaueren Eindruck können Interessierte ab November Modelle des neuen Museums in einer kleinen Ausstellung im Foyer des Kulturforums begutachten.

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Renderings © Herzog & de Meuron

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