ALMERE: BAUBEGINN DES WELTWEIT ERSTEN AUTARKEN DORFES

Der Klimawandel, das Problem der begrenzten Ressourcen und ein steigendes Bevölkerungswachstum – das sind die Krisen unserer und kommender Generationen.

Immer mehr Organisationen überlegen sich Wege, mit diesen Problemen umzugehen und das Ausmaß nicht weiter explodieren zu lassen. So auch der amerikanische Projektentwickler James Ehrlich. Bis 2050 werden schätzungsweise 10 Milliarden Menschen auf der Welt leben, wodurch ein regenerativer Wohnungsbau und die Kommunalentwicklung um ein vielfaches gesteigert werden müssen. Von ihm stammt die Idee der ReGen Villages – das sind regenerative Dörfer, die sich selbst mit Nahrungsmitteln, Energie und Wasser versorgen können sowie ihren Abfall recyceln und in den Kreislauf der Versorgung integrieren.

Gemeinsam mit dem dänischen Architekturbüro EFFEKT wird diese Idee nun Wirklichkeit: In diesem Jahr beginnt der Bau des weltweit ersten versorgungsunabhängigen Dorf in Almere, einem Vorort von Amsterdam. Das Dorf wird seinen Bedarf an Energie, Wasser und Lebensmitteln selbst decken – laut Berechnungen wird ein Hi-Tech-Landwirtschaftssystem nach einem Jahr in der Lage sein, auf derselben Fläche mehr als den zehnfachen Ernteertrag mit 90% weniger Wasserverbrauch zu produzieren.

Wie das möglich sein soll? Mit Gewächshäusern, die es den Bewohnern ermöglichen, Lebensmittel selbst anzubauen und ihren Abfall zu recyceln. Mit hochtechnisierter, vertikaler Landwirtschaft. Mit innengelegenen Gemüsegärten und im Freien angesiedelten saisonabhängigen Gärten. Der recycelte Abfall dient als Futter für Vieh und Soldatenfliegen, die wiederum eine nachhaltige Nahrungsquelle für Fische bieten. Die Fischrückstände können dann als Dünger für das Aquakultursystem genutzt werden, das wiederum die Pflanzen im Inneren der Gewächshäuser versorgt. Viehexkremente dienen schließlich als Dünger für die äußeren Gärten. Es entsteht so eine Kreislaufwirtschaft in einem kleinen abgeschlossenen Raum, die von seinen Bewohnern aufrechterhalten wird. Die dort lebenden Familien kümmern sich um den Betrieb der Gewächshäuser, die Wartung der Sonnenkollektoren, die die Bewohner durchgehend mit Energie und warmem Wasser versorgen, sowie die Pflege und Hege des Viehs.

In Almere sind auf über 15.000 m2 100 Eigenheime geplant, die im Laufe des Jahres gebaut werden, Mitte 2019 sollen die ersten Häuser bezugsfertig sein. Es werden jährlich Tonnen an ökologischer erzeugten Lebensmitteln erzeugt – Gemüse, Fische, Obst, Eier – eben alles, was der Mensch zum Leben braucht. Die Menge wird voraussichtlich kontinuierlich zunehmen, wenn alle Bewohner mit anpacken; durch die vertikalen Gewächshäuser kann außerdem das ganze Jahr über Ertrag erbracht werden.

Natürlich sind die implementierten Technologien schon lange bekannt – hier ist aber ihre intelligente Kombination entscheidend, die einen Kreislauf der unterschiedlichen Bereiche der Müllentsorgung, Nahrungsversorgung und Energieerzeugung herstellt.

Ehrlich denkt dabei in globalen Maßstäben: Sollte sich das erste Pilotprojekt in Almere als erfolgreich erweisen, sind weitere solcher Pilot-Dörfer in europäischen Ländern wie Schweden, Deutschland und Norwegen, aber auch in Afrika und Asien geplant.

Wer einziehen möchte, kann sich an die Gründer des Dorfes wenden. Das Kontaktformular findet ihr hier.

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Renderings © ReGen Villages

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