IDEE DER WOCHE: STÄDTISCHE ZUFLUCHTSORTE FÜR BIENEN

Schon lange ist bekannt, dass in einigen Teilen der Welt Bienen vom Aussterben bedroht sind. Das gilt vor allem in Nordamerika und einigen europäischen Ländern – dort gibt es insbesondere Sorgen wegen der Varroa-Milbe, einer kleinen Spinnenart, die vor über 30 Jahren aus Asien nach Europa eingeschleppt wurde. Sie verbreitet ein Virus, durch den erwachsene Bienen, aber auch ihre Brut bedroht sind. Betroffen sind nicht nur Honigbienen, sondern auch etwa 40% anderer Bienenarten, die Blüten bestäuben, die außerdem unter den Folgen von zu wenig unterschiedlichen Blütenpflanzen und zu vielen Pestiziden leiden.

So auch die Einsiedlerbienen, denen sich das mexikanische Kreativstudio MaliArts mit dem Projekt „Refugio“ gewidmet hat. Es hat Schutzhütten entwickelt, in denen sich die Einzelgänger auch inmitten der Stadt wohl fühlen sollen. Einsiedlerbienen sind nicht aggressiv – viele haben nicht mal einen Stachel – und haben keine Königin – produzieren also keinen Honig oder Wachs, sondern sind nur zum Bestäuben da. Sie gehören zu den effizientesten Bestäubern, die die Natur zu bieten hat. Und die müssen geschützt werden.

MaliArts hat aus diesem Grund drei Arten von Objekten entwickelt, um die Grundbedürfnisse der kleinen Bestäuber nach Schutz, Nahrung und Wasser in der Stadt zu stillen: Einen Unterschlupf, der den Bienen als Ruhe- und Nistplatz dient, eine Tränke zum Durstlöschen sowie einen Futterspender für Gebiete, in denen nicht genug Blumen zur Verfügung stehen. Die drei Strukturen bestehen aus mehreren Modulen, hergestellt aus Kiefernholz, Teak, Lehm und Keramik. Ergänzt werden diese durch ein Kultivierungshandbuch, das Passanten lesen können, um herauszufinden, wie sie ihre eigenen Zufluchtsorte für Einsiedlerbienen schaffen zu können. Zum Beispiel durch das Anlegen von Blumenbeeten, die durch den Bau von Schutzräumen, Tränken und nach Bedarf Futtermitteln ergänzt werden können. Um die vom Aussterben bedrohten Insekten anzulocken, orientierten sich die Bauwerke an den Arten von Zufluchtsorten und Nistplätzen, die Bienen von Natur aus sowohl in der Natur als auch in städtischen Räumen suchen, sowie auf den „Insektenhotels“, die auf vielen Farmen zu finden sind. Häufig wird vergessen, dass Insekten eine unverzichtbare Rolle für die Umweltbilanz spielen. Im Gegensatz zu vielen ländlichen Gegenden, in denen Monokulturen und der Einsatz von Pestiziden die Norm sind, ist es deshalb wichtig zu überlegen, wie Städte auch zur Erhaltung der Biodiversität beitragen können.

Inspiriert wurden die Entwickler durch einen Artikel von Conservation Biology, der sich damit beschäftigt, wie die Stadt als neuer Zufluchtsort für bestäubende Insekten dienen kann. In vielen Städten finden sie einige Gärten, Parks oder Urban Farming-Flächen, die sie nach Lust und Laune bestäuben können. Allerdings reicht das oftmals nicht aus, weshalb MaliArts an dieser Stelle Abhilfe schaffen will. Das Ziel des Studios ist es, in bebauten Gebieten die Natur ein Stück weit willkommen zu heißen und eine engere Beziehung zwischen Stadt und ihrer natürlichen Umwelt zuzulassen.

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Fotos © Sergio López

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