KLOSTER NEU BELEBT: INTEGRATIVES WOHNPROJEKT IN KÖLN

Seit 2015 ist es in Planung – in diesem Frühjahr wurde die Umgestaltung endlich fertiggestellt: Es geht um das Klarissenkloster in Köln-Kalk, das jahrelang leerstand und nun als Stätte für ein integratives Wohnprojekt für Flüchtlinge genutzt wird. LK Architekten konnten hierbei in einem Qualifizierungsverfahren mit einer Sanierung und anschließenden Öffnung der Klosteranlage überzeugen. Ihre Pläne sahen außerdem eine schrittweise Nachverdichtung vor – wichtig war es den Architekten, dass etwas abseits liegende Areal in den Stadtteil neu zu integrieren. Das „Integrative Wohnprojekt Klarissenkloster“ entstand im Rahmen der „Aktion Neue Nachbarn“ und umfasst 2.500 m2 neue Wohnfläche.

Ein offen gestalteter und einladender Eingangsplatz bietet das Tor zum Gelände. Rechts davon liegt die Kirche, links ein dreigeschossiger Neubau, die beide als Bildungszentrum der Caritas genutzt werden. Der ehemalige Wohntrakt der Klarissen – zweiter Orden des heiligen Franziskus – der an die Kirche angeschlossen ist, wurde abgesehen von der Sanierung optisch unverändert gelassen. Zudem konnte die Klosterzellenstruktur beibehalten und mit kleinen Anpassungen zu zwei Wohngruppen und vier Wohnungen für das Projekt „Die gute Hand“, das sich um Kinder und Jugendliche mit psychischen Beeinträchtigungen kümmert, umgestaltet werden. Hier haben unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und andere junge Menschen mit psychischen Erkrankungen die Möglichkeit, sich in einer geschützten Umgebung auf eine zunehmende Selbstständigkeit vorzubereiten.

Die Bauherren wünschten ein durchlässiges Stadtquartier mit Wiedererkennungswert. Dies wird in der neuen Raumfolge ersichtlich. Der Eingangsplatz ist trichterartig mit dem Nordplatz verbunden, der an der Backstein-Fassade des ehemaligen Klarissen-Wohntrakts gelegen ist, was einen halbgeschützten Raum daraus macht. Im ehemaligen Klostergarten befindet sich jetzt ein neues Gartenhaus. Der Neubau umfasst Wohnungen für 100 Flüchtlinge und andere Wohnungssuchende. Mit einem neuen Quartiersplatz, Bänken und vielen Bäumen ausgestattet, strahlt der Bau eine einladende Offenheit aus. Die angebrachten Balkone und Terrassen des Gartenhauses sind alle auf den Platz gerichtet. Diese angenehme Atmosphäre am Tag wollte man auch nachts spürbar machen – aus diesem Grund wurden arens faulhaber lichtplaner dazu einberufen, ein stimmungsvolles Kunstlichtszenario für die späten Stunden zu installieren. Kleine Lichtinseln sorgen nun für ausreichende Helligkeit und ein warme Atmosphäre.

Der Kirchenraum wird nun nicht mehr nur für Gottesdienste genutzt, sondern auch als Begegnungszentrum, das Geflüchtete und Kölner vor Ort zusammenbringt sowie Bildungsangebote bietet. Doch erst wurde der Raum umgewandelt: Strahlend weiße Wände und ein heller Natursteinboden sorgen für eine gewisse Neutralität und strahlen Ruhe aus.

Für ihr innovatives und vorbildlich umgesetztes Projekt erhielten LK Architekten den 1. Preis der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in den Kategorien „Bauen“ und „Bauen im Bestand“.

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Fotocredits © Jens Kirchner | Jens Willebrand

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