DÄNEMARK: LEERSTEHENDE WINDMÜHLENFABRIK WIRD IN SKATEPARK VERWANDELT

Was ein „Streetmekka“ ist? Das zeigt das in Kopenhagen ansässige Architekturbüro EFFEKT, indem es eine leerstehende Fabrik für Windmühlen in Viborg in ein pulsierendes Straßenszenario verwandelt. Es schafft einen neuen Ort für die Jugendlichen in der Nachbarschaft. Hier können sie ihre Skate-Fähigkeiten ausbauen und Gleichgesinnte treffen. Doch nicht nur das: Das Projekt hat das Dach der bestehenden Fabrik aufgedeckt und es in einen hohen Raum mit Kulturhaus für Straßensport, Street Art und Street-Kultur verwandelt, der außerdem Unterbringungsmöglichkeiten für selbstorganisierte Sportarten wie Basketball, Parcour und Bouldern sowie auch Herstellerlabore bereitstellt. Ein weiteres Highlight: In Workshopräumen können die Jugendlichen etwas über Film- und Musikproduktion lernen.

Das neue Zentrum wird von halbtransparenten Wänden umhüllt, die der zuvor heruntergekommenen Struktur eine einladende und offene Atmosphäre verleihen. Die Betonoberflächen im Inneren werden den lokal bildenden Künstlern als Leinwände geboten, um ihre Kunst auszustellen und Präsentationen sowie Filme darauf projizieren zu können.

Die hallenartigen Innenräume boten eine günstige Grundlage zur Neuorganisation – sie haben ein Zentrum für junge Leute geschaffen, das als Katalysator für urbanes Leben der neuen Nachbarschaften in den Vororten dient. Ein perfektes Beispiel dafür, wie man vom bestehenden industriellen Erbe profitiert, statt es abzureißen.

Der Entwurf von EFFEKT war Gewinner eines Wettbewerbs, der 2017 von der Stadtgemeinde Viborf und GAME veranstaltet wurde. Das Studio arbeitete mit vielen weiteren Landschaftsarchitekten und einer Gruppe von Spezialisten für Straßensport und –kultur zusammen. Ziel war es, die Jugendlichen vor Ort zu stärken, ihnen weitere Möglichkeiten zu bieten, sich auszuleben und weiterzuentwickeln. Sie wollten durch den Straßensport einen nachhaltigen sozialen Wandel bewirken.

Streetmekka ist für Leute gedacht, die teilhaben, erschaffen, ausstellen oder auch einfach nur beobachten möchten – deshalb wird dort Raum geboten für ein riesiges Kulturprogramm unter einem Dach. Die Architekten von EFFEKT sind sich sicher, dass Koexistenz und ein generelles gemeinsames Interesse neue Synergien und soziale Beziehungen schafft. So können die Besucher ganz neue Arten von Aktivitäten kennenlernen, auf die sie von allein vielleicht nie gekommen werden.

In den Laboren und Werkstätten können die Benutzer den Raum kontinuierlich anpassen und weiterentwickeln – das Streetmekka ist alles andere als statisch. Es verändert sich durch seine wechselnden Fassaden und Street Art auf kurze Sicht, aber auch langfristig, wenn neue Programmpunkte dazukommen und alte wegfallen.

Architektonisch hat EFFEKT die ursprüngliche industrielle Struktur und die Materialien beibehalten, inklusive der vorgefertigten Betonverkleidung und Wellstahl. Sie haben die Fassaden an beiden Enden des Gebäudes entfernt und die neuen Strukturen auf beiden Seiten des Bestands positioniert. Der interne Produktionsraum bleib dabei intakt. Die Grundrissorganisation folgt der bestehenden Struktur; entlang der langen Rückfassade sind alle administrativen Funktionen und Workshopräume untergebracht, während die Vorderseite halboffene Bereiche für unterschiedliche Skatearten bietet. Somit bekam das Gebäude eine ganz neue Optik, die mehr Tageslicht zulässt und gleichzeitig durch seine Transparenz eine fließende Verbindung mit dem Außenraum schafft.

Der zentrale Innenraum ist für kulturelle, soziale und sportliche Aktivitäten vorgesehen und soll von der Nachbarschaft genutzt werden. Hier haben die Nutzer 24 Stunden täglich die Möglichkeit, unbeaufsichtigt ihre Zeit zu verbringen, kreativ und sportlich aktiv zu sein. Die Architekten wünschen sich, dass dies den Beginn für die Wiederbelebung vieler weiterer vernachlässigter Gebäude im Land ebnen kann.

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Fotocredits © Rasmus Hjortshoj

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