IDEE DER WOCHE: BACKE, BACKE, ZUKUNFT

Competitionline (Berlin) hat sich einen süßen, klebrigen Wettbewerb überlegt, bei dem man seine eigene Stadt der Zukunft bauen sollte: Beim „eat city“ Lebkuchenwettbewerb konnten architekturbegeisterte Back-Fans ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Sie sollten sich ins Jahr 2050 versetzen: Wie könnte eine Stadt aussehen, wenn man plötzlich 30 Jahre später aufwacht? Wie würde man in dieser Stadt leben, arbeiten, reisen, mobil sein und kommunizieren? Wie sehen die Gebäude aus, in denen wir dann wohnen, wie die Umwelt, in der wir unsere Freizeit verbringen? Das Material, aus dem die Stadt geformt wurde, war egal – ob Kuchen, Pudding oder Auflauf: Hauptsache essbar.

Herausgekommen sind dabei vor allem lustige und originelle Ideen: Bei „the future is green“ bilden smaragdgrüne Seen aus Götterspeise einen idyllischen Lebensraum für Weingummifrösche, Kinder klettern im Gebirge mitten in der Stadt aus Amarettini, während im Hintergrund Kamele grasen. Die Stadt der Zukunft – autofrei, mit exotischer Flora und Fauna, entschleunigt? Warum nicht. Wem würde es nicht gefallen, wenn sich weitläufige Grünstreifen diese Wunschstadt durchziehen und Naherholung für alle Bewohner bieten würden? Straßen gibt es natürlich nicht mehr, der Verkehr findet mittlerweile in der Luft statt. Dieser Beitrag von Lucas Reyer und Waqas Wajid wurde von den Preisrichtern mit dem ersten Platz ausgezeichnet, weil er neben Originalität auch wichtige städtebauliche Themen unserer Zeit aufgreift: Feinstaub, Gentrifizierung, Wohnungsnot – das alles bereitet bei „the future is green“ keine Sorgen mehr. Auch nachhaltiges und modulares Bauen bezogen die Gewinner mit ein. So entstehen die künstlichen Felsmodule als Transformationsprodukt aus dem Abfall der Stadt, Wohn- und Geschäftseinheiten werden modular auf überdimensionale Scheiben gebaut und sind bei Bedarf auch leicht an andere Orte transportierbar.

Der zweite erste Platz ging an die „tectonic city“ von Beatrice Puscharski aus Leipzig. Hier ist das Leben auf der Erde durch Kometeneinsturz und Eiszeit unwirtlicher geworden – realisiert wurde diese kalte Zukunftsvision anhand eines zuckrigen Thüringer Aufläufers. Dieser Aufläufer stellt eine hügelige Stadtform dar, die zwar kalt aber mit Lebensfreude durchzogen ist, eine Symbiose aus Stadt und Landschaft. Teighöhlen werden hier als Einkaufszentren, Wohnsiedlungen und Freizeitzentren genutzt, getanzt wird gegen die Dunkelheit in Technoclubs, skigefahren über puderzuckerbestäubte Abhänge – die Leute machen das Beste aus der eigentlich trostlosen neuen Welt.

Der Entwurf von Henrik Plumeyer zur „Bremer Überseestadt“ wurde mit dem dritten Platz ausgezeichnet. Es ist einer von mehreren Beiträgen, die das Ansteigen der Meeresspiegel aufgreifen, sodass die Menschheit 2050 lernt, auf dem Wasser zu leben. Sie leben hier auf dem engen Raum einer Plattform, die keinen Zugang zur Natur drum herum ermöglicht. Nur eine kleine Gruppe von Menschen hat die Chance, sich per Drohne zu einer grünen Plattform aus Brokkoli-Bäumen fliegen zu lassen, um ein winziges Stück des allerletzten Apfels überhaupt zu essen. Ein beklemmendes Szenario und wahrer Appell, nach dem Gerede um die nachhaltige Stadt mal Ernst zu machen.

Der Wettbewerb hat sich an alle Interessierten gerichtet, ob Architekten, Stadtplaner, Ingenieure, Designer oder andere kreative Köpfe, allein oder gemeinsam mit anderen Mitstreitern. Auch die ganz jungen Teilnehmer hatten eine Chance: Für Kinder unter 14 Jahren wurde die Sonderkategorie „Kleine Stararchitekten“ geschaffen. Der Preis war mit 6.000 Euro dotiert, für die kleinen gab es Sachpreise. Zu den Preisrichtern gehörte unter anderem Prof. Dipl.-Ing. Architekt Udo Gleim der Uni Darmstadt, Futurium-Architekt Jan Musikowski und Silvia Schellenberg-Thaut vom Leipziger Atelier ST. Sponsoren waren in diesem Jahr Projekt Pro, Grohe, Baswa acsoustic und competitionline selbst.

Insgesamt waren die Preisrichter überrascht über den meist optimistischen Blick der Teilnehmer auf die Zukunft, obwohl es momentan städtebaulich noch so viel zu verändern gibt. Weitere futuristische Ideen gab es in Form von einer bunten Schokowürfelstadt, Frankfurt am Main als zukünftiger Kräuterdschungel.

___________________________________________________________________________________________________________
Fotocredits © Lucas Reyer und Waqas Wajid | Beatrice Puscharski | competionline | Sophie Aulich, Mara Wolters, Heinrik Plumeyer, Mirjana Ruffert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.