PLANUNG FÜR ERWEITERUNG DES BUNDESKANZLERAMTS STEHT

Vor einigen Tagen wurden die neuen Erweiterungspläne für das Berliner Bundeskanzleramt von Axel Schultes und Charlotte Frank vorgestellt – sie stammen vom gleichen Berliner Büro, das schon 1993 den ersten Platz gewonnen hatte und mit der damaligen Planung des Kanzleramts beauftragt wurde. Das merkt man auch den beiden Plänen an: Sie sehen sich merklich ähnlich. Die neuen Entwürfe zeigen eine Betonstruktur mit einer halbrunden Begrenzung des kanzlerischen Gartens, die über eine doppelstöckige, neue Fußgängerbrücke im Süden über die Spree mit dem 300 Meter entfernten Kanzleramt auf der anderen Seite des Ufers verbunden ist. Ergänzt wird der Entwurf durch Wintergärten sowie eine freitragende Landeplattform, die als Hubschrauberlandeplatz dienen soll – sie ersetzt die ursprüngliche Landefläche im Park.

Dass das Kanzleramt ausgerechnet jetzt erweitert werden soll, erklärt sich durch drängende Platzprobleme – laut Kanzleramtsminister Helge Braun sei seit 2001 die Mitarbeiterzahl von 410 auf 750 angestiegen. Unter anderem seien Themenbereiche wie Energiewende, Terrorismusbekämpfung, Migration, Cyberkriminalität oder Digitalisierung dafür ursächlich. In der letzten Zeit seien rund 90 Einzelbüros doppelt belegt gewesen – und weitere Stellenbesetzungen seien geplant. Die Erweiterung wird den bestehenden Komplex auf der anderen Spreeseite volumenmäßig etwa verdoppeln. Dadurch können bald diejenigen Mitarbeiter, die im Moment noch in mehreren externen Bauten ihrer Arbeit nachgehen, direkt im Hauptgebäude tätig sein: Es werden dort 400 neue Büroarbeitsplätze auf sechs Etagen geschaffen.

Das vorliegende Ergebnis entstand laut Petra Wesseler, Präsidentin des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung durch eine Machbarkeitsstudie – dabei wurden 13 Varianten für fünf unterschiedliche Standorte, unter anderem im Kanzlergarten und neben dem Besuchereingang, für eine mögliche Erweiterung durchgespielt. Wesseler nimmt bei dem Projekt die Rolle der Bauherrin ein.

Die Pläne sehen außerdem ein Post- und Logistikzentrum auf einem angrenzenden bundeseigenen Grundstück vor. Warum man keinen neuen Wettbewerb für die Erweiterungspläne ausgelobt hat? Laut Wesseler auch aus juristischen und möglichen Urheberrechtsgründen – alles sei geprüft und als gute Lösung befunden worden.

Den Architekten war die variable räumliche Funktionalität der Wintergärten wichtig, die sich in den Neubauplänen niederschlägt. Dabei seien auch erhöhte Sicherheitsvorkehrungen einbezogen worden, die Rücksicht auf die parkartige Fläche nehmen, die vom Landschaftsarchitekturbüro Lützow 7 umgesetzt wurde. Die Erweiterung sei geprägt durch ihre Orientierung an Funktion und Bedarf, zugleich aber auch eng mit dem Hauptgebäude verbunden. Ebenerdig sind in der Erweiterung eine Kantine, die Gärtnerei, eine Kita sowie Veranstaltungsbereiche geplant. Vollverglaste, offene Büroräume vermeiden jeglichen Korridoreindruck.

Schätzungen der Baukosten belaufen sich auf 460 Millionen Euro. Eine Erhöhung ist allerdings wahrscheinlich, da Baupreissteigerungen in den nächsten Jahren anstehen. Die Planung ist auf vier Jahre angesetzt – Fachplanungen werden ab sofort ausgeschrieben, damit das Planungsteam bis Mitte dieses Jahres vollständig ist. 2023 soll mit dem Bau im Kanzlerpark neben der Spree gestartet werden, 2027 soll er fertiggestellt sein. Da die meisten Arbeiten im ohnehin öffentlich nicht zugänglichen Kanzlerpark stattfinden werden, soll es während der Bauzeit zu keinen Einschränkungen für die Fußgänger geben, die auf den Uferwegen an der Spree unterwegs sind.

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Renderings © Schultes Frank Architekten

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