BERLIN: NEUE MODULARE GRUNDSCHULEN ENTSTEHEN

Dass in Berlin schnell neue Schulen gebraucht werden, ist keine Neuigkeit. Aus diesem Grund startete vor drei Jahren die Berliner Schulbauoffensive, die vorsieht, dass 5,5 Milliarden Euro in die Sanierung sowie den Aus- und Neubau von Schulen gesteckt werden sollen. Das Programm ist auf zehn Jahre ausgelegt, wobei 65 neue Schulen – größtenteils Grundschulen – entstehen sollen.

Immer wenn es schnell gehen soll, stellt sich die Frage der Nachhaltigkeit und Effizienz – deshalb wurde vor zwei Jahren vom Senat ein Wettbewerb ausgelobt, bei dem zehn Entwürfe im Rahmen des Programms „Modellvorhaben zur Beschleunigung von Schulneubauten“ (MOBS) vorgestellt wurden.

Nun liegen die Ergebnisse zweier Wettbewerbe für modulare drei- und vierzügige Grundschulen vor. Schon Anfang Dezember setzte die Jury unter Jürgen Engel sich zur Entscheidungsfindung zusammen, doch erst letzte Woche wurden die Pläne aller Teilnehmenden öffentlich gemacht.

Die beiden unabhängigen, nichtoffenen Realisierungswettbewerbe hatten je 15 Teilnehmer – Aufgabe war es, eine typisierte und modulare Grundschule mit Sporthalle zu konzipieren.

Im Fokus stand dabei nicht nur die Entwicklung eines möglichst wirtschaftlichen und flexiblen Baus, sondern auch der Einbezug neuer räumlicher Konzepte: Schon seit langer Zeit fordern zahlreiche Pädagogen die Abschaffung der typischen, immer gleichen Klassenzimmer-Flur-Schulen, in denen alle Klassenräume von einem ewig langen Flur abgehen. Der Wunsch sind stattdessen „Cluster“, in denen Klassenzimmer und auch flexibel nutzbare Flächen sowie Teambereiche als „Schulen in der Schule“ angeordnet sind.
Wichtig sind dabei räumliche Offenheit und visuelle Verbindungen zwischen den Räumen und vor allem eine Anpassung an das heutige individualisierte Lernen. Solche Cluster-Schulen sind keine Neuheit: Schon viele weitere Kommunen folgen diesem Trend – München war bei der Entwicklung dieser Schulformen die Vorreiter-Stadt.

Ähnlich wie bei dem Projekt in München sind auch in Berlin Standorte in locker bebauten Gebieten anvisiert worden. Der Jury war es wichtig, dass die Teilnehmenden die standortspezifische Realisierbarkeit ihrer Projekte nachweisen können.

Die Gewinner waren beim Wettbewerb für die dreizügige Grundschule und Turnhalle h4a Gessert + Randecker aus Stuttgart – die Jury lobte hierbei die raffinierte Grundrisslösung und Anordnung der Cluster um die Innenhöfe. HerbstKunkler Architekten / aim busse architekten ingenieure aus Berlin (2. Platz) sowie Bruno Rioretti Marquez Architekten aus Berlin (3. Platz) gehörten ebenfalls zu den Gewinnern.

Beim zweiten Wettbewerb für die vierzügige Grundschule und Turnhalle gewannen letztere den ersten Preis, da der Jury hier vor allem die kompakte Anordnung gefiel, aus der kurze Wege und eine gute Belichtung resultierten. Ackermann + Raff Architekten (Stuttgart) gewannen den zweiten sowie PPAG architects (Wien) den dritten Preis.

Es sollen je fünf drei- und sechs vierzügige Schulen gebaut werden. Außerdem sind fünf bis sechs weitere Realisierungen für Stadtentwicklung und Wohnen möglich.

Auf diese Veröffentlichung folgt nun bald ein Verhandlungsverfahren nach Vergabeverordnung mit den jeweils drei Preisträgern. Bei den Projekten fungieren die Architekten als Generalplaner, der Bau erfolgt durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Im Sommer 2022 sollen die ersten Schulen fertiggestellt sein.

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Renderings © h4a Gessert +Randecker | BFM | Herbstkunkler

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