IDEE DER WOCHE: STADTBALKON AM KÖLNER DOM GEPLANT

Das Ende des Zweiten Weltkriegs jährt sich bald schon zum 75. Mal: Der 8. Mai soll deshalb 2020 möglicherweise einmalig in einigen Bundesländern gesetzlicher Feiertag sein. Für NRW ist dies noch nicht beschlossen. In Köln ist am Dom aus diesem Grund eine besondere Installation geplant: 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs soll ein 3000 mgroßer, begehbarer Fotografie-Teppich auf dem Roncalli-Platz unter dem Titel „Memory Cologne“ sowie ein auf dem Dach des Römisch-Germanischen Museums (RGM) errichteter „Stadtbalkon“ an die drastische Zerstörung der zu 90 Prozent in Trümmern liegenden Stadt nach dem Krieg erinnern. Zu sehen sind auf dem Teppich unter anderem Aufnahmen des Stadtfotografen Hermann Claasen, die die damalige Zerstörung durch den Krieg zeigen.

In den kommenden Jahren wird um den Dom herum baulich viel passieren: Umfassende Sanierungen und Neuerungen sind geplant, unter anderem werden Dom-Forum sowie –Hotel erneuert und das Laurenz-Carree bis zum Senatshotel neu gestaltet, das eben auch das RGM mit einschließt. Eigentlich war der Balkon als temporäre Installation geplant – im Moment wird aber aufgrund des regen Treibens dort in der Zukunft überlegt, ob man das ungenutzte Dach des RGM nicht durchgehend für die Öffentlichkeit zugänglich machen sollte: Es bietet einen einzigartigen Blick auf das Geschehen um den Dom.

Der Blick auf den geplanten Foto-Teppich wäre nur ein weiterer Höhepunkt aus einer optimalen Perspektive. Durch den Stadtbalkon kann man die zukünftigen Baustellen zu Schauplätzen für Besucher machen, die so beobachten können, wie es Schritt für Schritt vorangeht. Gerade für Köln als eine der größten Baustellen Europas scheint das Projekt sehr geeignet – am Dom wird schon seit Jahrhunderten gebaut, richtig „fertig“ wird er wohl nie sein.

Ab 2019 wird es aber wohl baulich noch trubeliger als sowieso schon: Veränderungen im Verkehr und der bestehende Klimawandel sowie der Zuzug vieler Bewohner aus dem Umland erfordern architektonische Veränderungen. So wird das Dach zunächst erst einmal von Gerüst-Podesten belagert sein. Hinterher könnte es aber ein idealer Ort zum Verweilen sein, um den Dom auf Augenhöhe betrachten zu können und die Entwicklungen im Blick zu haben.

Geplant ist in diesem Zuge auch ein Dachgarten, um das Areal zusätzlich zu beleben und das Stadtklima zu verbessern. Vor allem, da das RGM selbst seit Silvester geschlossen ist und erst 2025 wiedereröffnet werden soll, könnte das Dach des Museums eine alternative Nutzung darstellen. Es könnte mit Exponaten sowie Installationen ausgestattet werden, die Einblicke in bestimmte thematische Blöcke bieten könnten.

Der Einbezug von Dächern in die Stadtentwicklung und –verdichtung wird weltweit immer beliebter. Sie dienen der Energiegewinnung und als Erholungsräume abseits vom lauten Trubel auf den Straßen.

Die Idee für das Projekt stammt vom Kurator Helmut M. Bien (Westermann Kommunikation), der im vergangenen Jahr bereits eine Licht- und Toninstallation verwirklicht hat, die in Köln an das Ende des Ersten Weltkriegs erinnert hat. Sein neues Projekt versetzt die Besucher nun in die Stadt Köln des Jahres 1945 zurück: Sie lag da in Schutt und Asche, nur der Dom ragte noch aus den Trümmern hervor. Es ist zugleich ein mahnender Hinweis sowie auch ein Ausdruck der Dankbarkeit für den Frieden, der darauf folgte – nun schon seit fast 75 Jahren.

Die Projekte sollen Anfang Mai 2020 eröffnet werden, noch steht allerdings nicht fest, ob sie tatsächlich umgesetzt werden – viele Bewohner jedenfalls sind von der Idee sehr begeistert.

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Renderings © Jessica Nießen | Bien

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