DIE HÜHNER VON NEBENAN

Im März dieses Jahres, stellte die Baugesellschaft Hanau am Bürgerwochenende ein etwas anderes Bauprojekt vor: Tiere in einer Wohnanlage. Diese Idee wirkt zunächst vielleicht nicht sehr originell, weil viele Menschen in der Stadt gemeinsam mit Katzen, Hunden oder Kleintieren leben. Bei den Hanauern handelt es sich aber um Hühner, also echte Bauernhofbewohner, die jetzt mitten in einer Wohnanlage einziehen. Wie kommt man denn auf so eine Idee?

Mit der Umsetzung des Projekts verfolgt die Baugesellschaft gleich mehrere Gedanken. Die Hühner bringen die Natur in die Stadt, von der jung und alt profitieren können. Was die Kleinen Verantwortung und Wissen lehrt, das bietet den Großen eine Freizeitbeschäftigung. Nebenbei können die Hühner mit frischen Bioabfällen gefüttert werden, wodurch eine Reduktion der herkömmlichen Biomüllentsorgung erwartet wird. Welche Art an biologischen “Abfall“ die „Zwerg-Welsumer“ fressen dürfen, z.B. die häufig aus Schönheitsgründen entfernten Außenblätter eines Salatkopfes, wird in einer Vereinbarung mit den Haltern festgehalten. Selbstverständlich bekommen die Hühner nicht nur „grünes“ Futter, sondern auch eine wollwertige Kost aus Körnern und Getreide. Neben der Richtlinien fürs Futter werden in der Vereinbarung auch der Umgang mit den Tieren und Tierarztbesuche geregelt.

Das Projekt ist in dieser Form einzigartig in Deutschland und wird in Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt und Geflügelzuchtvereinen durchgeführt. Ein Vergleich kann lediglich international mit der Stadt Colmar in Frankreich gezogen werden, wo Hausbesitzern mit Garten von den städtischen Entsorgungsbetrieben, kostenlose Hühner zur Bioabfallentsorgung zur Verfügung gestellt bekommen. Bei dem Hanauerprojekt ist der Eigentümerstatus jedoch keine Voraussetzung. Auch liegt der Fokus auf der Schaffung eines Ortes der sozialen Begegnungen und Interaktion mit und über die Tiere. Die Verwertung des biologischen Abfalls ist ein positiver Nebeneffekt, dessen Ausmaß anhand einer extra aufgestellten Biotonne gemessen wird.

Knapp 20 Hühner, verteilt auf fünf Ställe, an zwei Standorten, haben bereits ihr neues Zuhause bezogen. Damit sich die Hühner wohlfühlen und den Anwohnern auch ein paar frische Eier schenken, werden sie in einem geschützten Gatter mit einem Hühnerhaus und regelmäßig ausgetauschtem Sandboden untergebracht. Schon jetzt gibt es positive Rückmeldungen der Bewohner und Halter der Quartiere. Die Hanauer Baugesellschaft ist sich sicher: Die Hühner werden ihren Nachbarn viel Freude machen und ein bisschen Landleben in den Stadtalltag zurückbringen.

____________________________________________________________

© Baugesellschaft/Gottlieb | Baugesellschaft Hanau (BGH)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.