ZWEI MILLIONEN JAHRE MENSCHHEITSGESCHICHTE AN EINEM ORT

EIN DENKMAL DER VERGÄNGLICHKEIT

Am Rande einer Klippe im Rift Valley soll es stehen, dort, wo Richard Leakey das besterhaltene Skelett des Turkana Boy, des frühen Menschen, fand. Entsprechend dieser waghalsigen Standortwahl wird das „Museum der Menschheit“ nicht einfach nur ein weiteres Museum. Eine ganze Reihe von Problemen, welche die gesamte Menschheit betreffen, wird thematisiert: der Klimawandel, die Nachhaltigkeit, das Verständnis von Ethnizität und Rasse, das Artensterben und die Technologie. Diese Fülle an gewichtigen Themen verbinden Leakey und Libeskind mit einem ganz konkreten Ziel: unter den neugierigen Gästen ein Bewusstsein für Vergänglichkeit und Kürze unserer Existenz zu schaffen. Rund zwei Mio. Jahre Geschichte behandelt der Ort des Entdeckens, Staunens und Nachdenkens und relativiert dadurch die vermeintliche Länge des durchschnittlichen Menschenlebens.

LEBENDIGE EXPONATE

Zwei Baukörper erheben sich eindrucksvoll über den Hang. In ihrer Form ahmen sie die ersten Werkzeuge der Menschen nach, die genutzt wurden, um Wandmalereien anzufertigen. In ihrer spitzzulaufenden Form wirken die Körper wie Stalagmiten aus Sandstein. Eine dritte hügelartige Baustruktur befindet sich etwas abseits. Über einen ansprechend begrünten Zugangsweg finden Besucher zum verglasten Eingangsbereich. Das Interieur veröffentlichten die Architekten bislang nicht. Der große Anspruch an die Architektur des Museums ist stets, den Exponaten Leben einzuhauchen und sie nicht als tote Objekte darzustellen. Dazu bedarf es der Schaffung flexibler Räume, um Exponate zu inszenieren und eine bestimmte Dramaturgie herzustellen. Gemessen an der thematischen Vielfalt stellt die Innenraumgestaltung das Büro Libeskind vor besondere Herausforderungen, welche die kreativen und erfahrenen Architekten aber sicherlich mit Freude annehmen.

CROWD FUNDING-KAMPAGNE

Für Richard Leakey stellt die Erschaffung des Museums den Höhepunkt seines Schaffens dar. Er gilt als eine der angesehensten Persönlichkeiten Kenias, trotz seiner Opposition gegen die Regierung und die Missstände im Land. Derzeit befinden sich Libeskind und Leakey noch in der Finanzierungsphase. Durch ein Crowd-Funding haben die beiden bisher bereits über vier Mio. Dollar von angestrebten sieben Mio. gesammelt.

DIE WIEGE DER MENSCHHEIT

Die Standortwahl im Osten Afrikas hat noch eine weitere Bedeutungsebene. Zu selten, monieren vor allem die Geisteswissenschaften, fällt der Blick auf die Menschheitsgeschichte aus der Perspektive des sogenannten globalen Südens. Die Leidtragenden vieler der oben angesprochenen Problemstellungen sind aber die Bewohner der Entwicklungs- und Schwellenländer. Somit ist es vernünftig, dass das „Museum of Humankind“ dort liegt, wo vermutlich das Menschsein begann und bis heute in all seinem Facettenreichtum fortdauert.

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© (3) MAQE

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