NÜRNBERGER Z-BAU VERHANDELT NS-ZEIT UND GEGENWARTSKULTUR

Historische Vergangenheit

Die Nationalsozialisten bauten den nach seiner Form benannten Z-Bau zwischen 1939 und 1942 als Teil einer Kasernenanlage. Ursprünglich war das Gebäude nicht als Teil des angrenzenden Reichsparteigeländes geplant, wurde diesem aber nachträglich zugeordnet. Nach seiner Fertigstellung wurde der Z-Bau zur Ausbildung von Funkern genutzt, später als Außenlager des KZ Dachau. In der Folge des Zweiten Weltkriegs und der Beseitigung der nationalsozialistischen Herrschaftsinsignien ging die Kaserne in die Nutzung durch die US Army über. Als 1991 die letzten Truppen abzogen, wurde der Z-Bau bundesdeutsches Eigentum und stieß damit Diskussionen zum Umgang mit dem historischen Erbe an. Während die Stadt Ende der 90er Jahre einen Abriss des Gebäudes und eine Umwidmung in Gewerbegebiet vorsah, handelten Bürger und Kommune eine kulturelle Nutzung aus, sodass dank des Engagements der Mieterinnen und Mieter der Z-Bau bis heute erhalten ist.

 

© Simeon Jahnke// Als monofunktionales Verwaltungsgebäude konzipiert verkörpert die monomentale Architekturspache des Z-Baus den Machtanspruch der Nationalsozialisten.

Kulturelle Nutzung in zwei Phasen

Die kulturelle Nutzung des Z-Baus lässt sich in zwei Phasen aufteilen: Die erste Phase, von 1998 bis 2011, endete aufgrund eines Streits zwischen Stadt und Mietern sowie der Renovierungsbedürftigkeit des Baus. Daraufhin veranlasste die Stadt eine Neukonzeption der kulturellen Nutzung des Z-Baus, auf deren Grundlage sich 2014 die Gesellschaft für kulturelle Freiräume e. V. – bestehend aus dem Kunstverein Hintere Cramergasse e. V., der Musikzentrale Nürnberg e. V. und der Stadt Nürnberg – formierte. Getragen von der Gesellschaft für kulturelle Freiräume wurde der Z-Bau 2015 als Haus für Gegenwartskultur wiedereröffnet. Seither liegt der Fokus auf kulturellen und künstlerischen Events, von Konzerten über Nachbarschaftsfesten bis hin zu unterschiedlichen Workshops. Auf 5.500 m2 finden sich Veranstaltungsräume, Projekträume, Studios, Ateliers, Projektbüros, ein Tonstudio, Werkstätten und Lagerräume, Urban Gardening und mehr.

Das Haus der Gegenwartskultur

Philipp Kühnlein und Johann Braum vom Institut für Geographie der Universität Nürnberg-Erlangen untersuchten den Z-Bau vor dem Hintergrund seiner Historie und der aktuellen Nutzung als Ort der Kunst und Kultur. Die beiden Wissenschaftler unterstreichen, das Haus für Gegenwartskultur sei bewusst nicht als Erinnerungsort konzipiert, denn das kulturelle und künstlerische Programm des Z-Baus gehe nicht ausdrücklich auf die historischen Nutzungen des Gebäudes ein. Im Zuge dieser bewussten Aussparung des historischen Kontexts eröffnet sich die komplexe Problematik des Umgangs mit historisch stark negativ beladenen Orten. Im Falle des Z-Baus erinnert besonders die neoklassizistische Monumentalarchitektur an den Machtanspruch des Nationalsozialismus. Im Kontrast zur Monofunktionalität des Gebäudes stehen die vielfältigen Nutzungen der Gesellschaft für kulturelle Freiräume, die auch der Architektur neuen Sinn verleihen. Dennoch stellt sich die Frage, welche Herangehensweise sich in dieser Situation als „richtig“ erweist: Sollten Orte wie der Z-Bau als Erinnerungsorte konzipiert werden oder ganz bewusst davon Abstand nehmen? Auch die Distanzierung kann ein Umgang mit der historischen Vergangenheit sein. So stellt der Gegensatz von Subkultur und früherer militärischer Nutzung eine bewusste Umnutzung und damit einen alternativen erinnerungspolitischen Ansatz dar.

© Frank Schuh // Mal ganz laut, mal ganz leise: Während des Sommerfests auf dem Gelände des Z-Baus genießen Besucher die Gemeinschaft und das kulturelle Treiben.

Eine bessere Zukunft in Gemeinschaft

Fest steht: Die bewusste Umnutzung des Z-Baus spricht keine explizite Warnung im Sinne des klassischen Erinnerungsortes aus, sondern zeigt stattdessen in eine bessere Zukunft, in der Gemeinschaft und Geborgenheit als Leitprinzipien dienen. Kühnlein und Braum kritisieren hingegen, diese Geschichtsvergessenheit berge die Gefahr, dass die menschenverachtende Architektur erneut durch kulturelle Nutzungen ästhetisiert werde. Eine eindeutige Lösung dieses Problems gibt es nicht; das zeigt auch die andauernde Beschäftigung vieler Historiker mit dieser Thematik. Insofern erscheint in dieser von Fallstricken durchzogenen Situation der praktische Versuch als einziger Weg aus der theoretischen Lähmung. Das Haus für Gegenwartskultur tut jedenfalls gut daran, diesen weiterzugehen – auch ohne zu wissen, wohin er letztlich führt. Der Weg ist das Ziel.

 


Titelbild: © Simeon Jahnke

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