FREIBURG: URBANITÄT DURCH DICHTE – KLIMASCHUTZ DURCH TECHNOLOGIE

Einen Stadtteil auf der grünen Wiese zu erschaffen, war in der Vergangenheit nicht oft von Erfolg gekrönt. Meist handelte es sich hierbei um Großwohnsiedlungen in peripherer Lage, schlecht angeschlossen ans öffentliche Verkehrsnetz und strikt monofunktional. Freiburg im Breisgau zeigt nun, dass es auch anders geht; auf dem Reißbrett geplant, doch im Naturell Innenstadtbezirken aus der Gründerzeit nachempfunden. Das Großprojekt Dietenbach, benannt nach dem fließenden Gewässer im Baubereich, hat das Potenzial, ikonisch für eine neuartige Stadtentwicklung zu stehen.

Freiburg ist eine wachsende Stadt mit großem Mangel an bezahlbarem Wohnraum, dem die Stadt die Schaffung des neuen Stadtteils als Antwort entgegensetzen will. Dietenbach soll ein barrierefreier, gut durchmischter, urbaner Stadtteil mit bezahlbarem Wohnraum, einschließlich 50 % gefördertem Mietwohnungsbau, einem umweltfreundlichen Mobilitäts- und einem innovativen Energiekonzept werden. Das Ziel ist ein selbstbewusstes Quartier, mit dem sich seine Bewohner:innen identifizieren. Es soll Freiburg als Stadt in guter Tradition früher entwickelter Stadtteile wie Rieselfeld und Vauban stärken und weiterbringen sowie auf die umliegenden Stadtteile eine positive Ausstrahlung haben und gute Nachbarschaften pflegen. Die Entwicklung des neuen Stadtteils Dietenbach gehört zu den größten Vorhaben der jüngeren Stadtgeschichte.

Seit Frühjahr 2019 hat die Stadtverwaltung Freiburg gemeinsam mit den Siegerbüros (K9 Architekten aus Freiburg, Latz + Partner für die Freiraumplanung aus Kranzberg und StetePlanung aus Darmstadt für den Bereich Verkehr), die den städtebaulich-freiraumplanerischen Wettbewerb der Stadt im Jahr 2017 für sich entschieden hatten, einen detaillierten Rahmenplan erarbeitet. Dieser wurde am 8. Dezember 2020 vom Gemeinderat der Stadt Freiburg genehmigt. Das Energiekonzept entwickelte EGSPlan.

Mit etwa 6.900 Wohneinheiten, die auf dem Areal entstehen und rund 15.000 Menschen beherbergen sollen, wird nicht nur ein zusätzlicher Stadtteil entstehen, sondern ein Quartier mit eigener Infrastruktur und einem hohen Maß an Zentralität. Angeordnet wird Dietenbach nach dem Prinzip der Blockrandbebauung, um eine hohe Funktionsdurchmischung mit kurzen Wegen und natürlich verteilten Grünflächen zu erzielen. Walk- und Bikeability stehen im Vordergrund, zusätzlich wird ein Anschluss an die Straßenbahnlinie geschaffen, die ins Stadtzentrum führt. Für Pkw stehen Hoch- und Tiefgaragen zur Verfügung, die – je nach zukünftigem Bedarf – ohne viel Aufwand umgebaut werden können. Die überirdischen Parkflächen sollen beispielsweise zu Wohnungen transformiert werden können.

Im neuen Stadtteil Dietenbach stehen Lebensqualität, Nachhaltigkeit und Erlebnis im Vordergrund. Das Quartier soll inklusiv und barrierefrei sein und als erstes in Freiburg klimaneutral realisiert werden. Alle Wohnobjekte werden unter Einhaltung der KfW55-Standards gebaut und über eine zentrale Großwärmepumpe mit 20 Megawatt Leistung mit Wärme versorgt, die Energie wird aus Ab- und Grundwasser gewonnen. Über das Nahwärmenetz gelangt sie in die Häuser, weshalb keine separaten Heizanlagen notwendig sind. In einem 900 m2 großen Elektrolyseur wird grüner Wasserstoff gewonnen, der etwa von den Verkehrsbetrieben oder der Müllentsorgung genutzt werden kann. Die hierbei entstehende Abwärme soll 20 % des Quartiersenergiebedarfs decken. Um abwechslungsreiche Freizeitmöglichkeiten zu gewährleisten, vor allem für Kinder, wird der Bachbereich zu einem „Erlebnisbereich“.

Da die technologischen Neuerungen im Mobilitätssektor schwer abzuschätzen sind, ist eine Adaptionsstrategie vorgesehen. Wo es möglich ist, werden beim Bau bereits Vorkehrungen getroffen, um ohne viel Umbau auf Entwicklungssprünge reagieren zu können. So wird die zentrale Ringstraße beispielsweise recht breit angelegt, damit autonom fahrende Busse ausreichend Platz haben. Überdies sind einige Carsharing-Stationen und überproportional viele Fahrradabstellplätze vorgesehen, parallel zu einem vergleichsweise niedrigen Pkw-Stellplatzschlüssel, der bei 0,5 je Wohneinheit liegen wird. Die technische Infrastruktur für eine großflächige Praktikabilität von Elektroautos soll ebenfalls von Beginn an vorbereitet werden; in diesem Fall durch dicke Kabelrohre im Untergrund, deren Kapazität für eine Aufstockung der Ladesäulen ausreicht. So entsteht mitten auf der grünen Wiese ein urbanes Quartier, das auf die Chancen und Herausforderungen der Zukunft bestens gerüstet scheint.

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