DRAUSSENSTADT – BERLINER STADTKULTUR UNTER FREIEM HIMMEL

© S 27 / Luis Krummenacher

Seit März hat sich in der Kulturszene Berlins einiges geändert: Zeitweise Stillstand, gefolgt von Initiativen zur Unterstützung von Künstler:innen, digitale Ersatzformate sowie aktuell wieder aufkeimende Veranstaltungen im Freien, die unter Einhaltung strenger Hygiene- und Sicherheitskonzepte stattfinden können. Allerdings steht die kalte Jahreszeit und das große Bangen vor einer zweiten Welle der Pandemie sowie einer deutlich reduzierten Nutzung der Außenbereiche von Kulturstätten bevor.

DRAUSSENSTADT setzt genau an dieser Stelle an. Die Initiative will langfristig, und allen Schwierigkeiten zum Trotz, eine Plattform für kulturelle Veranstaltungen im Freien bieten, um unter der Maxime „Stadt für alle“ einerseits kulturinteressierten Bürger:innen die Möglichkeit zu geben, neue Formate und städtische Räume entdecken zu können. Andererseits will sie dafür sorgen, Kulturschaffende in den kalten Monaten zu fördern und Veranstaltungen im Freien zu ermöglichen. Beispielsweise unterstützt DRAUSSENSTADT konkrete genehmigungsfähige Veranstaltungen im öffentlichen Stadtraum mit einer Förderung von bis zu 5.000 Euro. Die Plattform bündelt Stadtkultur und urbane Praxis, sie vernetzt und trägt zur Widerstandsfähigkeit der Berliner Kulturszene bei.

Es kommen bei DRAUSSENSTADT Künstler:innen, Stadtforscher:innen, soziokulturelle und künstlerische Stadtraumprojekte zusammen. Think-Tank-Veranstaltungen, popkulturelle Programme, Musik und Literatur werden künftig Menschen unter freiem Himmel versammeln. Unterstützung kommt dabei auch von lokalen Initiativen wie dem Haus der Statistik, der Floating University, Jüdenhof und dem Kulturforum. Alle ziehen an einem Strang, um Berlins Kultur wieder aufleben zu lassen.

© Alexander Stumm

Seit Juni findet man auf der Website www.draussenstadt.berlin alle Neuigkeiten und geplante Veranstaltungen. Bei den unterschiedlichen Formaten können die Berliner einerseits ihrem Drang nach kulturellem Input nachgehen und sich inspirieren lassen. Andererseits werden sie dazu angeregt, den urbanen Raum aktiv mitzugestalten. Am 3. Oktober findet in diesem Rahmen der Tag der Clubkultur statt. Dazu werden bis zu 40 Berliner Clubs und Kollektive ausgewählt, um ein Zeichen für Vielfalt und die enorme Wichtigkeit der lokalen Clubszene zu setzen. Rund um die teilnehmenden Clubs herum sowie auf externen Freiflächen soll die Clubkultur nach Monaten des Stillstands wieder erlebbar werden.

DRAUSSENSTADT baut auf der Initiative Urbane Praxis des Rats für Künste auf, der in den nächsten anderthalb Jahren eine künstlerische Stadtraumforschung und Vernetzung von Stadtlaboren mit zahlreichen PartnerInnen aus Architektur, Kunst und Stadtentwicklung organisiert. Durch neue Campusanlagen sollen dezentrale Kulturarbeit und soziokulturelle Impulse mit künstlerischen Initiativen verknüpft werden. Das Ziel: Die Schaffung einer nachhaltigen Strukturentwicklung urbaner Praxis.

Zudem werden weitere zentrale Veranstaltungen stattfinden, unter anderem im Außenbereich der Berlinischen Galerie. Dort wird von Juli bis September 2021 die Kunst im öffentlichen Raum hervorgehoben. Der Außenbereich wird hier unter anderem mit Workshops, Performances, Vorträgen und gemeinsamen Kinoabenden zur nachbarschaftlichen Kommunikationsplattform. Die Museumsfläche wird dabei neu definiert und soll dauerhaft als öffentlich zugänglicher Ort zum Verweilen und Vernetzen einladen, um bestenfalls Diskurse und partizipative Projekte in inspirierendem Ambiente anzuregen.

„Mit DRAUSSENSTADT haben wir die aktuellen pandemiebedingten Herausforderungen in Möglichkeiten verwandelt, in Möglichkeiten für Kunst und Kultur – um Teilhabe und Zugänge zu Kultur für alle Menschen zu stärken. Niedrigschwellige und interaktive Formate „draußen“, im öffentlichen Raum, greifen lokale Bedarfe auf und machen die Vielfalt der Stadtgesellschaft sichtbar“, so Dr. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa.

© S 27 / Aris Kress-Kallidromitis

Gefördert wird DRAUSSENSTADT durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Innerhalb der Initiative erarbeitet die Stiftung Kulturelle Weiterbildung und Kulturberatung auch ein Konzept für den Pilot-Projektfonds Urbane Praxis, der 2021 für künstlerische Projekte im öffentlichen Raum vergeben wird. Ebenso bietet eine bezirkliche Förderung der Plattform zusätzliche Einkommensmöglichkeiten für Kunstschaffende. Insgesamt ist es auch das Ziel, neue Kulturorte unter freiem Himmel zu erschließen.

Ins Leben gerufen wurde die Initiative zwar durch die insbesondere für den Kulturbereich belastende Coronapandemie – sie ist aber auch über die Zeit der Krise hinaus darauf ausgelegt, langfristig lebendige urbane Räume zu etablieren, die die Stadt unabhängig von der Jahreszeit mit vielfältigen Veranstaltungen, Bildungsangeboten und inspirierenden Begegnungen füllen. Es sind auch Initiativen wie solche, die eine Stadt und ihre (kulturellen) AkteurInnen widerstandsfähig machen: Die Vernetzung, der Zusammenhalt und der Wille, gemeinsam die Stadt zu gestalten, ist das, was Berlins modernen urbanen Raum heutzutage ausmacht.

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