Eine runde Sache

Bis 2013 wird sich die globale Mittelschicht auf fünf Milliarden Menschen verdoppeln – und sie alle brauchen immer mehr Rohstoffe und haben wachsende Ansprüche an Gesundheit und Flexibilität. Gesunde Produkte, die keinen Müll verursachen und deren Inhaltsstoffe wieder und wieder in gleicher Güte verwendet werden können. Wie vieles, das vor nicht allzu langer Zeit als Utopie bewertet wurde, entwickelt sich Cradle to Cradle mehr und mehr zu einem nicht wegzudenkenden Element der Gegenwart und vor allem der Zukunft.„Cradle to Cradle kommt unausweichlich“, ist sich Dr. Peter Mösle, Partner von Drees & Sommer, sicher. „Die Entwicklung unserer Industrie zu einer Informationsgesellschaft beschleunigt Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft in hohem Maße. Nach C2C gestaltete Immobilien decken die neuen Wertebedürfnisse der Gesellschaft ab, sie bieten mehr Gesundheit, größere konstruktive Flexibilität, einen hohen Beitrag für die Gesellschaft und eine rentable Wertsicherheit – bei Gebäuden der nächsten Generation gibt es sogar ein Wertsteigerungspotenzial von bis zu 10 %.“ So hat sich Drees & Sommer auf die Fahnen geschrieben, als Kooperationspartner von EPEA Internationale Umweltforschung in Hamburg Bauherren, Investoren, Architekten und Produkthersteller zusammenzubringen und das Thema in der Branche weiter zu forcieren. So soll damit langfristig auch die immer dringender werdende Müllproblematik in den Griff bekommen werden. Dies ist ganz im Sinne von Prof. Dr. Michael Braungart: „Ökoeffizienzdenken alleine liefert keine Lösungen für Rohstoffknappheit und Müllproblematik“, betont der Mitentwickler des Cradle-to-Cradle-Prinzips. Die Branche ist aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und ihre Akteure treiben C2C-fähige Produkte mit voller Kraft voran:

Das Cradle-to-Cradle-Prinzip beruht auf der Idee, verwendete Rohstoffe immer wieder in der gleichen Güte neu einzusetzen.

Zeche Zollverein : RAG Montan Immobilien baut RAG Campus – inspiriert durch Cradle to Cradle
Von Kohle und Asche zum lebendigen Quartier: Das UNESCOWelterbe Zeche Zollverein ist bekannt als ein Ort der Architektur, der Kultur und der Kreativwirtschaft. Grund genug für RAG Montan Immobilien, ihren neuen Campus dort und als deutschlandweit erstes Gebäude nach C2C-Kriterien zu bauen. „Unser Campus wird ein Rohstofflager. Wir wissen von Anfang an genau, was wo verbaut werden wird. Das Gebäude wird auch ein Kraftwerk, mit dem Ziel ‚Energie Plus‘. Und es wird ein Lebensraum mit gesunden, ästhetischen Stoffen und Materialien“, so Prof. Dr. Hans-Peter Noll, CEO RAG Montan Immobilien. Die C2CExperten von Drees & Sommer begleiten das Vorhaben als Pilotprojekt. Das Unternehmen versteht sich als Impulsgeber: Flächenrecycling sei der erste Schritt zu nachhaltigem Handeln. BMW fährt au f der Schnellstra SSe zur nachhaltigen Produktion „95 % der in einem BMW i3 verbauten Materialien sind rezyklierbar“, erklärt Manfred Pernitsch, Leiter Planungssteuerung und Beratung, Architektur und Bauprojekte BMW Group. Was mit dem i3 bei Automobilen begann, wird auch bei konzerneigenen Immobilien umgesetzt – beispielsweise beim Ausbau des Forschungs- und Innovationszentrums (FIZ) in München. Bis zu 15.000 neue Arbeitsplätze sollen dort zusätzlich geschaffen werden. Hier wird gemeinsam mit Drees & Sommer eine innovationsfördernde Arbeitsumgebung kreiert. Das Cradle-to-Cradle-Prinzip ist dabei eine wichtige Grundlage innerhalb der strategischen Ausrichtung. Der Fokus liegt auf einer gesunden Arbeitsumgebung, die nicht zur Belastung für künftige Generationen wird und schon heute einen positiven Fußabdruck hinterlässt. Pernitsch ist sich sicher, dass sich dies auch auf die Produkte positiv auswirken wird: „Im Produkt sieht man, in welcher Umgebung es entwickelt wurde.“

Einfach auf dem 3D-Printer ein Gebäude ausdrucken und nach der Nutzung recyceln
„Research by Doing“ ist das Motto des Amsterdamer Büros DUS Architects. Und es tut sich derzeit einiges: Anhand eines Pilotgebäudes aus dem 3D-Drucker werden die Potenziale erforscht und in der Praxis erprobt. Dabei kommen biobasierte und vollständig rezyklierbare Materialien zum Einsatz. Bis zu 5 m hohe Häuserelemente lassen sich mit dieser Technik herstellen. Die Printer können auf der Baustelle installiert werden, sodass ein langer Transport entfällt. Darüber hinaus wird auch an Ästhetik und Wirtschaftlichkeit gedacht: „Nur mit digitaler Produktion lässt sich ein individuelles Design zu vernünftigen Preisen noch umsetzen“, begründet Hedwig Heinsman, Mitgründerin der DUS.

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