CONTAINERBEHAGLICHKEIT

In Berlin entsteht mit Eba51 derzeit ein Containerdorf für Studenten. Die Vision der Initiatoren: eine Gemeinschaft, die zusammen lebt, lernt und arbeitet. Dafür setzen sie auf bezahlbaren Wohnraum und ein lebendiges Umfeld.

Container sind das Symbol für die globalisierte Welt – sie stehen für grenzenloses Wachstum und anonymen Handel. Das Projekt „Eba 51“ in Berlin konterkariert diese Assoziation und schafft in ihnen persönliche Wohnräume. Das Studentendorf, das derzeit im Treptow-Köpenicker Ortsteil Plänterwald gebaut wird, bedeutet Ankommen, Sich-Zeit-Lassen und täglichen Austausch. Frankie, Johnny und Nelly heißen die drei Gebäudekomplexe des Dorfes, deren Namen stellvertretend für die Studenten aus aller Welt stehen, die gemeinsam an diesem Ort im Südosten Berlins leben sollen.

„Eba 51“ hat seinen Namen von der Postadresse der rund 20 Studenten, die aktuell schon hier zu Hause sind, etwa 400 sollen es werden, wenn Eba 51“ Ende 2017 voll ausgebaut ist: Eichbuschallee 51. Das Areal ist rund 11.000 m2 groß, 235 Single-Apartments mit je zirka 26 m2 Wohnfläche, 65 Double-Apartments und 11 Triple-Apartments sollen hier stehen. Der Errichtung des Gebäudeensembles aus Containermodulen ging ein Ideen- und Realisierungswettbewerb Anfang 2013 voraus, den das Büro „Holzer Kobler Architekturen Zürich und Berlin“ gewonnen hat.

„Unser Ziel war es, möglichst schnell und möglichst günstig möglichst coolen Wohnraum zu schaffen“, sagt Interior Designerin Tina Sorgenlos, gleichzeitig für die Pressearbeit zuständig. Dafür hat Bauherr und Projektinitiator Jörg Duske eine Bauweise für „Eba 51“ entwickeln lassen, die besonders günstig, langlebig und wartungsarm ist.

Die Container erfüllen alle wichtigen Baunormen. Die Gebäude erhalten ein konventionelles Betonfundament, auf dem die Containermodule mit Bolzen und Stahlschuhen verbunden werden. Das Studentendorf ist damit ein konventionelles Gebäude, das im September 2013 als dauerhafter Baukörper aus Stahl eine Baugenehmigung bekommen hat. Wie dauerhaft Stahl sein kann, zeigt sich an Beispielen wie Kleve am Niederrhein: Dort steht eine Eisenbahnbrücke, die wie „Eba 51“ aus Corten-Stahl errichtet wurde. Seit ihrem Bau im Jahre 1859 erhielt sie nicht einen einzigen Rostschutzanstrich und ist immer noch in Betrieb. Auch „Eba 51“ soll nie mehr einen Fassadenanstrich benötigen: Die sich auf der Oberfläche bildende Rostpatina dient als natürlicher Korrosionsschutz und macht den Stahl langlebig.

Eine kleine Änderung im Bauplan gab es dennoch bereits, sagt Tina Sorgenlos: „Für den ersten Abschnitt Johnny haben wir mit konventionellen Containern gearbeitet – das hat sich in der Praxis als zu aufwendig und ökologisch nicht sinnvoll erwiesen.“ Denn bevor die Container verbaut werden konnten, mussten sie umgebaut, einzelne Wände herausgetrennt und das Ganze am Ende wieder verstärkt werden. „Jetzt sind wir dazu übergegangen, die Container für uns fertigen zu lassen, das spart Arbeit und Ressourcen.“

Nicht nur von außen erfüllt „Eba 51“ hohe Anforderungen: Durch die thermisch und schalltechnische Entkoppelung des Innenraums von der Außenhaut des Containermoduls sinkt der Energieaufwand für die Beheizung der Container und ein wirkungsvollerer Schallschutz entsteht. Moderne Glasmodule für Fenster und Eingang, die in die Belüftungselemente integriert sind, verhindern Schimmelbildung. Weil zusätzlich ausschließlich genormte Baustoffe verwendet werden, erfüllt das Projekt alle Brand-, Schallschutz- und Wärmeschutz- sowie Energiesparverordnungen für Neubauten. Zwei der drei Gebäude erfüllen den KFW-7-Standard, der KFW-70-Antrag wurde bereits online genehmigt. Wärme und Strom für die rund 400 Einheiten des Studentendorfes liefert ein eigenes Blockheizkraftwerk.

Doch der Wohnraum hat seinen Preis: Die Miete für einen Container liegt bei 459 Euro pro Monat – sogar in einer gefragten Stadt wie Berlin bekommt man deutlich günstigere WG-Zimmer. Allerdings sind die Container komplett möbliert, haben Highspeed-Internet und auf dem Gelände gibt es Gemeinschaftsräume wie Wasch-, Koch- und Partymöglichkeiten. Auch an einen Gemüse- und Blumengarten, eine Leihbar für Geräte wie Staubsauger und Mixer sowie eine Kletterwand und Grill- und Liegewiesen haben die Planer gedacht.

„Mit Eba51 haben wir bewusst ein niedrigschwelliges Angebot geschaffen“, sagt Tina Sorgenlos. Einzige Bedingung für alle, die hier wohnen wollen: Sie müssen Studenten sein. „Hier entsteht eine Gemeinschaft, die zusammen lebt, lernt und arbeitet, die einen gemeinsamen Spirit hat und sich untereinander austauscht.“ Eine „kommunikative Dorfstruktur inmitten der Großstadt“ nennen die Macher „Eba 51“ deshalb auch und sehen darin auch Vorteile für Berlin: „Für viele Städte wird es künftig ein wichtiges Standortkriterium sein, ob es ihnen gelingt, Studenten mit guten Bedingungen anzulocken.“ Hier soll „Eba 51“ helfen, ein drohendes Problem zu verhindern.

Das Konzept jedenfalls geht auf: Die Wartelisten für einen Platz in den Containern an der Eichbuschallee 51 sind lang. Und das Team von „Eba 51“ denkt bereits einen Schritt weiter: „Wir sind weltweit auf der Suche nach Grundstücken, um weitere Dörfer zu realisieren“, sagt Sorgenlos. Im Visier hat Jörg Duske dabei allerdings auch andere Zielgruppen, wie z. B. Rentner, für die ein bewusst begrenzter Wohnraum und das soziale Gefüge eines Containerdorfes interessant sein können.

 

 

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