EINE UNIVERSITÄT IM PARK // DER CAMPUS WESTEND IN FRANKFURT AM MAIN

Hessen investiert rund eine Milliarde Euro in das Campusgelände der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Die Universität wird zu einer der modernsten Hochschulen des Landes. Mit der Realisierung des Campus Westend wird für die ambitionierte Entwicklung seit rund zwei Jahrzehnten der Grundstein gelegt.

Das Areal nordwestlich der Frankfurter Innenstadt, das als neuer Standort der Goethe-Universität dient, wurde 1996 vom Land Hessen erworben. Künftig sollen hier die bislang im gesamten Stadtgebiet verteilten Universitätsgebäude konzentriert werden. Der neue Campus Westend ist dann einer von insgesamt drei Universitätsstandorten neben dem Campus Riedberg und dem Campus Niederrad. Darüber hinaus löst er die Einrichtungen in Frankfurt-Bockenheim ab, die den Anforderungen an eine moderne Bildungseinrichtung nicht mehr gerecht werden. Auf dem Campus Westend werden neben der geisteswissenschaftlichen Fakultät auch die juristische und wirtschaftliche Fakultät untergebracht. Integriert in den urbanen Kontext der Stadt Frankfurt am Main entsteht so eine enge Symbiose zwischen Universität, Park- und Wohnumfeld.

Planungsbereich bis in die angrenzenden Stadtgebiete
Das ca. 40 ha große Gebiet im nördlichen Westend wurde von 1928 bis zum zweiten Weltkrieg von dem Chemieunternehmen I.G.-Farben genutzt. Danach diente es als Hauptquartier des US-Militärs in Deutschland. Der ehemalige Firmensitz der I.G.-Farben, ein denkmalgeschütztes Gebäudeensemble von Architekt Hans Poelzig, bildet das zentrale Element des neuen Planungsgebietes, das sich hauptsächlich in den nördlichen Teil des Areals erstreckt.

Mit der Leitidee „Campus-Universität am Park“ greift die Planung die denkmalgeschützten Bereiche sowie den angrenzenden Grüneburgpark auf und entwickelt daran angelehnt eine Freiraumgestaltung. Die neue Bebauung orientiert sich in Form und Maß am Poelzigensemble. Die Grünplanung schafft nicht nur wichtige Sicht- und Wegeverbindungen auf dem Campus sondern auch in die umliegenden Stadtteile. Die bereits bestehenden Einfamilienhäuser werden in die Grünachsen rund um den neuen Universitätsstandort einbezogen und in Zukunft vom Campuspark flankiert.

Neben dem bereits seit 2001 genutzten Poelzigbau sind 350.000 m2 Bruttogeschossfläche zur universitären Nutzung neu ausgewiesen worden. Rund 23.000 Studenten sollen auf dem Campus Westend lernen und wohnen. Im Rahmen dieser Neustrukturierung schrieben das Land Hessen und die Stadt Frankfurt 2002 einen städtebaulichen Wettbewerb aus. Der Entwurf von Architekt Ferdinand Heide konnte sich durchsetzen. Er diente als Basis für die Rahmenplanung sowie den anschließenden Bebauungsplan, der 2007 genehmigt wurde. Damit war die Grundlage für den Ausbau der Goethe-Universität und die Sicherung des Universitätsstandortes Frankfurt geschaffen.

Ein integratives städtebauliches Gesamtkonzept
Durch die Rahmenplanung des Campus Westend wird die Axialität der denkmalgeschützten Bebauung aufgegriffen und die Hauptachse des Poelzig Baus nach Norden hin fortgesetzt. In dieser Flucht reihen sich die zentralen Gebäude der Universität aneinander: die Mensa, ein Hörsaalgebäude und das Studentenwohnheim. U-förmig platzieren sich die einzelnen Fachbereiche und Institutsgebäude um dieses neue Campusinnere und grenzen es durch eine räumliche Kante im Norden und Osten zum Stadtgebiet ab. Als „Campus-Universität am Park“ geplant werden die Freiräume zwischen den Gebäuden als Park- und Grünflächen entwickelt und auch umliegende Grünachsen mit einbezogen. Der Campus Westend wird so Teil des bestehenden Frankfurter Grüngürtels.

Verantwortlich für das landschaftliche Gesamtkonzept des insgesamt rund 12,5 ha großen Freiraumareals ist das Büro TOPOS aus Freiburg. Kernbereich der Planung bildet ein Campusplatz. Mit einem großem Wasserbecken und Aufenthaltsbereichen dient er als zentraler Treffpunk. Angelehnt an das Leitbild des Landschaftsgartens mit großzügigen Rasenflächen und einzelnen Baumgruppen wird eine Synthese des denkmalgeschützten Parks rund um das I.G.-Farben-Haus im Norden, dem Grüneburgpark im Westen und den neu angelegten Grünflächen zwischen den Universitätsgebäuden angestrebt. Ein neues Wegekonzept, das sich mit seinen breiten Wegen ebenfalls an die denkmalgeschützte Parkanlage anpasst, erschließt den internen Campusbereich.

Die verkehrliche Haupterschließung des Universitätsgeländes erfolgt über die Hansaallee, die im Rahmen der Neu- und Umbaumaßnahmen zu einer dreireihigen Allee mit beidseitigen Rad- und Fußwegen auf beiden Seiten ausgebaut wird. Die Schnittpunkte Hansa-/Miquelallee und Hansaallee/Bremer Straße werden als zu Universitätsplätzen ausgestaltet. Sie dienen künftig als Hauptzugänge für Fußgänger.

Stufenweise Realisierung der Bauabschnitte
Die Umsetzung der gesamten Planung des neuen Universitätsstandortes am Grüneburgpark erfolgt in mehreren Bauabschnitten. Zwei davon wurden mit dem Bau zahlreicher neuer Gebäude bereits abgeschlossen. Der Dritte befindet sich derzeit in Realisierung. Für die gesamte Gestaltung des Campus Westend wünschte man sich eine harmonische Balance zwischen Material, Gestalt und Farbe, die mit dem denkmalgeschützten Poelzigbau korrespondiert.

In einem 2004 ausgeschriebenen Wettbewerb wurden mehrere Architekturbüros für die verschiedenen Gebäude des ersten Bauabschnitts ausgewählt. Das House of Finance (Kleihues und Kleihues), das neue Fakultätsgebäude der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften (Müller-Reimann) und das kirchliche Studentenwohnheim (pmp Architekten) wurden Ende 2008 fertig gestellt. Auch der Bau des Hörsaalzentrums sowie der Umbau des als Mensa genutzten Anbaus des ehemaligen Casinos, die den großen Campusplatz nördlich und südlich flankieren, ist abgeschlossen. Zur Sicherstellung einer einheitlichen Architektursprache in diesem Bereich plante Architekt Ferdinand Heide, der bereits für den Masterplan verantwortlich war, die beiden Gebäude .

Auch für das zweite Baufeld wurde die Gestaltung im Rahmen eines Realisierungswettbewerbs ausgeschrieben. Es entstanden der vom Büro Staab Architekten konzipierte Neubau des Institutsgebäudes der Rechtsgeschichte, der im Herbst 2013 eingeweiht wurde und das mit ca. 40.000 m2 Fläche größte Bauvorhaben des neuen Campus, das Institut für Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften, Psychologie und Humangeographie (Müller-Reimann). Auch das Verwaltungszentrum mit dem Hochschulrechenzentrum und dem neuen Präsidium (ebenfalls Müller-Reimann) haben hier ihren Platz gefunden.

Seit 2015 werden im dritten Bauabschnitt weitere Hochschulgebäude geplant und umgesetzt. Darunter unter anderem ein neues Gebäude für die Sprach- und Kulturwissenschaften. Überzeugen konnten Böge Lindner K2 Architekten mit Ihrem Entwurf, der vier kubische Baukörper vorsieht, die im unteren Bereich durch eine Bibliothek verbunden sind und die sich mit ihrer Natursteinfassade in den Campus einfügen.

An der Ecke Miquel-/Hansaallee ist eine Zentralbibliothek geplant, die voraussichtlich als „Haus der Bücher“ nicht nur der Goethe-Universität, sondern auch anderen Frankfurter Hochschulen sowie der Allgemeinheit zur Verfügung stehen soll. Über Finanzierungsmöglichkeiten für das Gebäude wird derzeit verhandelt.

Integrierter Hochschulstandort mit Zukunft
Im Frankfurter Westend entsteht mitten in der Stadt ein ganzes Universitätsviertel. Besonderes Augenmerk des Gesamtkonzepts lag daher auf dem Verhältnis zwischen Campus und Stadtraum. Um in einem vorhandenen urbanen Umfeld eine Bildungseinrichtung ins Zentrum zu rücken, müssen Universität und Stadt eine gemeinsame Identität und eine symbiotische Beziehung entwickeln. Die grundlegende Idee der „Campus-Universität am Park“ bietet für ein dynamisches und wechselwirksames Verhältnis zwischen Forschungsstätte und Stadtraum einen wichtigen Rahmen.

Gemeinsam mit der Universität Toronto, deren Campus eine ähnliche Lage in der Stadt hat wie der Campus Westend, und unterstützt von der Stadt Frankfurt am Main sowie dem Bundesministerium für Forschung und Bildung, hat die Goethe-Universität Frankfurt eine Konferenz ins Leben gerufen. Unter dem Titel „The University and the City“ beschäftigen sich Wissenschaftler seit 2010 mit der Wechselwirkung von Forschung und Umland und betrachten diese aus soziologischer, architektonischer, politischer und ökonomischer Perspektive.

Mit mehreren renommierten Hochschulen, Einrichtungen und Instituten, darunter drei Max-Planck-Institute, verfügt Frankfurt am Main bereits über eine jahrhundertealte Tradition als Standort für Wissenschaft und Forschung. Durch die Entwicklung des neuen Campusgeländes in Westend bietet sich der Stadt nun die einmalige Chance, sich auch als international relevanter Wissenschaftsstandort zu etablieren und die Goethe-Universität zu einem gut integrierten Teil der inneren Stadt Frankfurt zu machen.

Bilder © Ferdinand Heide Architekt BDA
Lageplan © BLK2 Böge Lindner K2 Architekten

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