BÜRGERENTSCHEID GESCHEITERT: FREIBURG BEKOMMT NEUEN STADTTEIL

Es gehört zu den größten Wohnbauprojekten der Bundesrepublik und nun ist klar, dass es umgesetzt wird: In Freiburg entsteht im Westen der Stadt zwischen dem Stadtteil Rieselfeld und dem Autobahnzubringer Mitte ein neues Wohngebiet auf 110 Hektar. Es sollen dort 6500 Wohnungen für 15.000 Bewohner errichtet werden. Geplant wird das Projekt von K9 Architekten, Latz + Partner, StetePlanund, endura kommunal sowie Stahl + Weiß.

Kürzlich hatten sich Landwirte und Bürger in einer Initiative mit dem Namen „Rettet Dietenbach“ gegen diese Entwürfe eingesetzt, da sie statt neue Wohnflächen zu errichten, den Bereich lieber als Landwirtschaftsfläche, Kultur- sowie Naherholungsgebiet erhalten wollten. Am letzten Sonntag hatte aus diesem Grund ein Bürgerentscheid stattgefunden.

Am Ende war das Ergebnis relativ deutlich, die Befürworter des neuen Wohngebiets haben überwogen: Der neue Stadtteil Dietenbach darf gebaut werden, 60 Prozent hatten sich dafür ausgesprochen. Oberbürgermeister Martin Horn hatte sich über das Ergebnis sehr glücklich gezeigt. Er hatte angekündigt, unbedingt das Gespräch mit den Gegnern des Projekts suchen zu wollen.
Die Wahlbeteiligung hatte bei knapp 50 Prozent gelegen, wobei mindestens 20 Prozent nötig waren. Dies ist die Regelung des Landes Baden-Württemberg, wenn es zu Bürgerentscheiden kommt. Seit 1956, als diese Regelung in Kraft trat, gab es bislang vier Bürgerentscheide, unter anderem zum Bau des neuen Stadions für den FC Freiburg im Jahr 2015. Der um den Stadtteil Dietenbach ist der fünfte.

Die Pläne der genannten Architekten hatten schon im Oktober letzten Jahres einen Wettbewerb gewonnen. Nun werden sie umgesetzt: Es werden auf dem neuen Wohngelände sechs Quartiere um zwei lange Grünstreifen herum entstehen, die sich entlang zweier Bäche befinden werden. Auf diesen Streifen werden auch jeweils Plätze mit Geschäften und Cafés geschaffen. Drum herum wird die Wohnungsbaugesellschaft „Stadtbau“ 1.500 Wohnungen errichten, 700 weitere Studierendenwohnungen wurden vom Studentenwerk der Uni Freiburg angekündigt. Außerdem werden Baugruppen und Genossenschaften beteiligt. Es wurde schon eine 50-Prozent-Quote für geförderten Mietwohnungsbau beschlossen.

Auch das Mobilitätskonzept steht bereits fest: Die Straßenbahn wird vom Stadtteil Rieselfeld aus verlängert, es entstehen die für Freiburger so wichtigen Fuß- und vor allem Radwege sowie Quartiersgaragen mit Carsharing-Angeboten. Im kulturellen und sozialen Bereich wurden Stadtteilzentren, ein „Haus des Glaubens“ sowie Schulen und vier freistehende Kitas geplant. Darüber hinaus sollen 18 weitere Kinderbetreuungseinrichtungen in den Erdgeschosszonen entstehen. Bis auf fünf Hochhäuser mit bis zu 20 Geschossen an den Eingängen der Quartiere sollen die geplanten Häuser vier bis sechs Etagen umfassen.

Die Architekten haben jetzt ein Jahr Zeit, um den Entwurf anzupassen, um danach den B-Plan zu erstellen. Ab 2024 sollen die ersten Häuser gebaut werden.

_______________________

Renderings © K9 Architekten | Latz + Partner | die-grille

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.