IDEE DER WOCHE: ERSTER WASSERSTOFF-ZUG IN BETRIEB GENOMMEN

Ein Zug aus dem Wasserdampf statt Dieselschwaden kommt? Das gibt es weltweit zum ersten Mal im Elbe-Weser-Netz – mit einer stattlichen Reichweite von 1000 km. Der „Coradia iLint“ wird im Linienbetrieb eingesetzt, nachdem er bereits seit 2017 im Testbetrieb gefahren war. Bis 2021 sollen 14 weitere Züge an die Landesnahverkehrsgesellschaft geliefert werden, die in Niedersachsen unterwegs sein werden. Hersteller der innovativen Züge ist das französische Transportunternehmen Alstom.

Äußerlich sieht der neuartige Zug eigentlich aus wie jeder andere. Wenn man ihn zwischen Cuxhafen, Bremerhaven und Buxtehude verkehren sieht, hat man nicht den Eindruck, dass der Zug sich von den herkömmlichen unterscheidet. Das tut er aber sehr wohl: Das Herzstück des Wasserstoffantriebs ist eine Brennstoffzelle, die die Umgebungsluft und Wasserstoff in Wasser verwandelt. Bei dieser Reaktion entsteht Strom, der wiederum Akkus im Fahrzeugboden auflädt und somit genug Energie für den Elektromotor des Zuges bereitstellt. Der sorgt dafür, dass der Zug mit einer Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h unterwegs ist. Zum Vergleich: Deutsche Züge verkehren normalerweise mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen 100 und 120 km/h, der Coradia iLint steht ihnen in Sachen Geschwindigkeit also in nichts nach und bietet eine klimafreundliche Alternative zu den Zügen mit Dieselmotor. Sogar aus der Bremsenergie des Coradia lässt sich Strom für die Akkus gewinnen.

Der Zug ist vollkommen emissionsfrei unterwegs, solange der Wasserstoff anhand erneuerbarer Energien hergestellt wird – aus dem Auspuff kommt nur Wasserdampf. Vor allem für nichtelektrifizierte Strecken wird so eine nachhaltige Alternative geboten.

Eine mobile Tankstelle neben den Gleisen versorgt den Zug im Moment mit neuer Energie: Sie pumpt den gasförmigen Wasserstoff aus einem Stahlcontainer in den Tank, der sich auf dem Zugdach befindet, wo er gespeichert wird. Mit nur einer Füllung kann der Zug 1000 km lang unterwegs sein, sodass er den ganzen Tag im Elbe-Weser-Netz verkehren kann. 2021 soll die mobile durch eine feste Wasserstoff-Tankstelle ersetzt werden, um die dann 14 weiteren Exemplare aufzutanken.

Der Coradia iLint soll im besten Fall ein Vorreiter für bundesweite Wasserstoff-Züge werden, um eine effiziente und nachhaltige Alternative für Nebenstrecken zu bieten. Aus diesem Grund werden die neuen Fahrzeuge auch mit 81 Millionen Euro Zuschuss vom Ressort für Wirtschaft und Verkehr des Landes Niedersachen gefördert. Wenn eine tägliche Einsatztauglichkeit in den kommenden Jahren belegt werden würde, werde man sich dafür einsetzen, dass der komplette Schienenverkehr zukünftig auf diese Weise klimafreundlich betrieben werden könne, sagte Bernd Althusmann, Niedersachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister.

Die Wasserstoff-Idee ist nicht nur im Bereich des Zugverkehrs immer verbreiteter: Beispielsweise will Tesla 2021 ebenfalls einen Wasserstoff-Truck auf den Markt bringen, an der TU Berlin arbeitet man gemeinsam mit lokalen Verkehrsbetrieben an einem Batteriezug, der kürzere Strecken ohne Oberleitung bewältigen soll.

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Renderings © Alstom

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