IN MADRID ENTSTEHT GRÖSSTES STADTENTWICKLUNGSPROJEKT EUROPAS

Die Idee wurde erstmals 1993 diskutiert: Madrids Norden in einem neuen Gewand gestalten. Erst im Sommer 2019, 26 Jahre später, wurde einstimmig für die Umsetzung des Projekts gestimmt. Zwar muss die Regionalregierung Madrids das Projekt noch einmal endgültig in dieser Form genehmigen, da die Änderung des Bauplans eine Neuordnung der Gesetzgebung erfordert, der erste Startschuss für den Bau wurde allerdings schon erteilt.

Der Bau des künftigen Viertels „Madrid Nuevo Norte“, übersetzt „Der neue Norden“, wird als aktuell größtes Stadtentwicklungsprojekt in Europa bezeichnet: Über drei Millionen Quadratmeter Fläche wird der neue Stadtteil umfassen, er wird 5,6 Kilometer lang und einen Kilometer breit sein.

Wohnen spielt in dem neuen Viertel eine sehr große Rolle: In zwei neuen Wohnsiedlungen, die über einen grünen Korridor verbunden sind, sollen insgesamt 10.500 Wohnungen für 27.400 Menschen entstehen, 4.000 der Wohneinheiten sind als Sozialwohnungen angedacht. Neben diesen beiden Wohnbezirken namens Malmea-San Roque-Tres Olivos und las Tablas Oeste sind ein riesiges Geschäftszentrum sowie die Sanierung des Bahnhofs Chamartín und die Neugestaltung des Gebiets drum herum geplant. Das Geschäftszentrum (Centro de Negocios) soll zahlreiche Bürogebäude umfassen, darunter auch vier hohe Türme, von denen einer das höchste Gebäude Spaniens werden soll.

Bezüglich des Bahnhofsviertels wird im Moment noch nach einer funktionalen Lösung für den künftigen Eisenbahnverkehr gesucht – aktuell sehen die Pläne die Verlegung vieler Straßen und Bahngleise unter die Erde vor.

An dieser Stelle kommen auch viele geplante Grünflächen ins Spiel: Eine davon ist ein 120.000 Quadratmeter großer Park, der Teile der unterirdischen Bahntrassen des Bahnhofs überbauen soll. Insgesamt werden fast eine halbe Millionen Quadratmeter Fläche für Stadtparks und sonstige Grünanlagen vorgesehen. Den Initiatoren sind auch zahlreiche öffentliche Sportanlagen ein wichtiges Anliegen, da Madrid Nuevo Norte ein sportlicher Stadtteil werden soll.

Dazu passen auch Teile des Mobilitätskonzepts, das stark auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist: Neben drei neuen U-Bahnstationen und einer neuen Buslinie sind 15 Kilometer Radwege geplant. Es sollen so 80 Prozent des Verkehrsbedarfs über öffentliche Verkehrsmittel gedeckt werden. Trotz all diesen Vorkehrungen gibt es immer noch Kritik von Seiten einiger Umweltverbände und Bürgervereine – es besteht die Befürchtung einer Zunahme des Autoverkehrs.

Ende 2020 soll mit den Erschließungsarbeiten des Vorhabens begonnen werden – die darauffolgende Bauzeit wird auf 24 Jahre geschätzt und ist in drei Etappen geplant: Zuerst soll mit der Sanierung des Bahnhofs begonnen werden, darauf soll der Bau des Geschäftszentrums folgen. Am Ende werden die beiden Wohnviertel fertiggestellt. Bis 2044 soll der Norden Madrids ein ganz neues Gesicht mit neuer Skyline haben. Es wird geschätzt, dass mit dem Vorhaben 130.000 Arbeitsplätze geschaffen werden können. Der Projektentwickler Distrito Castellana Norte, der durch die BBVA-Bank kontrolliert wird, ist zu 75,5 Prozent an dem Projekt beteiligt, der Baukonzern Grupo San José zu 24,5 Prozent. Insgesamt sollen die Baukosten sich auf sieben Milliarden Euro belaufen.

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Renderings © Ayuntamiento de Madrid | Distrito Castellana Norte

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