THOMAS BESTGEN: WOHO GEGEN BERLINER WOHNRAUMNOT

Thomas Bestgen | ©Britta Leuermann Photography

Wie konnten Sie das Baukollegium überzeugen? Was spricht so eindeutig für eine Realisierung Ihres Projekts WoHo?

Unsere geplante Programmierung für das vertikale Stadtquartier war ausschlaggebend für die positive Aufnahme und Bewertung im Stadtentwicklungsausschuss und Baukollegium. Die Einschätzung des Baukollegiums, dass ein Hochhaus am Standort Schöneberger Straße mit einer Höhe von 100 Metern nicht nur geeignet erscheint, sondern sich auch gut ins Stadtbild einfügt, ist ebenfalls ein sehr wichtiger Aspekt.

Wie wollen sie das angestrebte Ziel eines gemischten Mietermilieus für Ihre Immobilie umsetzen?

Die funktionale und soziale Mischung setzen wir unter anderem durch eine Kooperation verschiedener Projektträgerschaften um. Die Mischung der Projektträger macht unsere Projekte aus, darin haben wir Erfahrung. Referenzprojekte sind das neue Gartenfeld-Quartier oder Quartier WIR in Weißensee. Außerdem wollen wir eine Mischung aus Eigentumswohnungen, genossenschaftlich sowie frei finanzierten Mietwohnungen und zudem geförderten Wohnraum umsetzen. Durch Gespräche und Workshops haben wir bereits frühzeitig angefangen, konkrete Bedarfe in der Nachbarschaft abzufragen und interessierte Akteure für unser Vorhaben zu gewinnen.

Im Baukollegium nannte Baustadtrat Schmidt das geplante Hochhaus in Kreuzberg ein „Leuchtturmprojekt für alternative Stadtplanung“. Können Sie sich mit dieser Bezeichnung identifizieren? Inwieweit kann WoHo als Beispiel für künftige Projekte fungieren?

Ja, damit können wir uns gut identifizieren, denn wir als UTB, stehen für zukunftsorientierte nachhaltige Stadtentwicklung und sind in vielerlei Hinsicht Vorreiter für innovative und nachhaltige Ideen. Dabei stehen nicht die Gewinnmaximierung, sondern die Projektoptimierung im Fokus unseres Interesses. Die Rolle und Funktion der (Innen)städte wandeln sich laufend. Daher sind eine hohe Flexibilität und Mischformen von Leben und Arbeiten der Garant für eine nachhaltige Stadtentwicklung, die wir im WoHo durch eine hohe Nutzungsvielfalt und -mischung umsetzen werden.

Sie streben insgesamt eine Belebung des Quartiers an. Wie planen Sie diese zu realisieren?

Das Hochhaus soll durch einen Anteil öffentlicher Nutzungsräume für die Nachbarschaft geöffnet werden. Diese Öffnung soll darüber hinaus für eine Belebung des Quartiers sorgen und das konsequent von „unten“ nach „oben“ durchgeführt werden. Die öffentliche Sockelzone mit Angeboten, wie einer Kiezkantine mit Sonnenterrasse, einer Kita, der Stadtteilbibliothek, Raum für Ateliers usw. soll der üblichen Barrierewirkung von Hochhäusern entgegenwirken. Aber nicht nur das „Unten für alle“, sondern auch das „Oben für alle“ ist wichtig und soll durch die Etablierung einer öffentlichen Dachterrasse mit Restaurants und/oder Cafés bzw. einer Bar in den Abendstunden zur öffentlichen Nutzung verfügbar gemacht werden. Das WoHo soll kein deplatziertes Ufo werden, sondern bedarfsgerecht ausgerichtet sein und ein neuer Ankerpunkt und Impulsgeber für das Quartier am Askanischen Platz werden. Öffentliche Wegeverbindungen verbinden das Grundstück mit den umliegenden Grünflächen und realisieren die Implementierung des Gebäudes in seine Umgebung. Von Zäunen und Barrieren soll vollkommen abgesehen werden.

Wie gelingt es Ihnen hinsichtlich Ihrer Investoren die Gewinninteressen mit dem klaren Bauziel der Verbesserung des Gemeinwohls zu verbinden?

Die UTB entwickelt das WoHo selbstständig und setzt die Ziele der Gemeinwohlorientierung gemeinsam mit ihren Projektpartnern, u.a. der Genossenschaft, um. Die Finanzierung des gemeinwohlorientierten Projekts wird durch die Mischung der Projektträgerschaften getragen.

 

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