TRANSPARENT, MODERN, KOSMOPOLITISCH: NEUER HAUPTSITZ DER BELGISCHEN EISENBAHNGESELLSCHAFT IN BRÜSSEL

© Copyright OMA

Der Trend geht immer mehr hin zu Bürokomplexen, die einen stärkeren Zugang der Öffentlichkeit forcieren, um transparenter zu erscheinen, um Teil der Stadt zu werden. Das ist auch das Ziel der Pläne von OMA Architects für den neuen Hauptsitz der Nationalen Eisenbahngesellschaft Belgien (SNCB) in Brüssel. Sie schaffen dabei nichts vollkommen Neues, sondern ergänzen leeren Bestand um neue Räumlichkeiten und Ideen.

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Brüssel ist eine Stadt der Gegensätze – sowohl architektonisch als auch inhaltlich. Modern, europäisch, historisch und kosmopolitisch: Die Hauptstadt Belgiens steht für all diese Attribute und lässt sich nicht klar umreißen. Auch dieses Bild repräsentieren OMA mit ihren Plänen. Sie wollen die Vermittlungsrolle als Stadt der Kontraste auf mehreren Ebenen fokussieren. Dabei ist natürlich vor allem die architektonische Ebene gemeint.

Transparenz steht im Fokus

Die Architekten wollen einen Komplex schaffen, der vor allem für Offenheit und Transparenz steht. Dazu transformieren und ergänzen sie die drei monumentalen Gebäude an der Fonsny Avenue, die seit zwei Jahrzehnten vor sich hinstauben. Die Rede ist von zwei Bürogebäuden, die ein drittes, die ehemalige Tri-Post-Sortierhalle, flankieren. Von verschiedenen Architekten entworfen, entstanden die Gebäude anlässlich der Weltausstellung 1958. Sie gehörten dann zum Brüsseler Südbahnhof, als Post und Bahn noch enger miteinander in Verbindung standen. Danach: Leerstand. Das werden OMA ändern. Sie werden eine Rekombination der alten und neuen Gebäude zu einem Komplex von 75.000 m² Größe erschaffen.

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Der dabei entstehende Komplex gliedert sich in drei Zonen. Zum einen in das öffentliche „Front-Office“ zur Straße hin, zum anderen in das „Back-Office“, das allein den Mitarbeitern vorbehalten sein wird. Die dritte Zone wird das sogenannte „Mid-Office“, das in der ehemaligen Sortierhalle entstehen wird. Es umfasst Schulungs- und Konferenzräume, ein Auditorium mit 200 Plätzen, ein Fitnesscenter sowie ein Restaurant. Das Front-Office geht mit einer dreigeschossigen Eingangslobby in die Straße über. Dort werden Verkaufsflächen und offene, vor allem sichtbare Zugänge Passanten zum Eintreten und Erkunden einladen. Dies soll auch dazu beitragen, wieder mehr Leben in das Bahnhofsviertel zu bringen.

Charakteristische Fassade

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Die äußere Kohärenz – eine Fläche aus Ziegelsteinen – täuscht über die funktionelle Autonomie jedes der drei Gebäude hinweg. Die innere Anordnung ist auf eine angenehme Weise schief, mit ungleichmäßigen Bodenhöhen und widersprüchlichen Rastermustern. Diese charakterübergreifenden Elemente kommen in den Plänen von OMA voll zur Geltung, mit denen sie die verschiedenen Gebäude in ein neues Volumen integrieren, um einen Hauptsitz für die SNCB zu schaffen. Leben wird den Gebäuden auch durch Dachgärten auf dem gesamten Komplex eingehaucht. Das neue Volumen behält die horizontale Ausrichtung des ursprünglichen Gebäudes bei. Insgesamt strahlt der Komplex eine geologische Erscheinungsform aus: Die Fassade wirkt felsenartig und wird durch geschliffene Öffnungen optisch aufgelockert, die an große Bullaugen erinnern.

Nicht nur zur Straße hin symbolisiert das Gebäude Transparenz. Teile des Innenlebens des Komplexes sind auch von den Gleisen aus gut sichtbar, sodass Vorbeifahrende Einblicke in das Geschehen im Inneren erhaschen können. Dadurch wird auch die Transparenz des Unternehmens an sich gestärkt. Insgesamt wird das ursprüngliche Ensemble erweitert, wobei das Alte nicht abgelöst, sondern ihm nach und nach etwas Neues, Modernität verliehen wird.

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