UNNEWEHR PACKBAUER UND MONARI ZITELLI RETEIKE GEWINNEN WETTBEWERB IN LEIPZIG

© Unnewehr Packbauer Architekten / grauwald studio

Um an diesem stadträumlich bedeutsamen Ort eine architektonisch hochwertige Bebauung zu erhalten, hatten die beiden Grundstückseigentümer – die GRK 27. Projektgesellschaft mbH und die St. Elisabeth-Krankenhaus Leipzig gGmbH – in Abstimmung mit der Stadt Leipzig im November 2019 einen Architektenwettbewerb mit zwölf teilnehmenden Büros ausgelobt. Ziel war es, mit dem vorgegebenen Nutzungs- und Raumprogramm eine Neubebauung zu entwickeln, die in der Lage ist, die Platzkante zum Wilhelm-Leuschner-Platz mit einer repräsentativen Fassade zu schließen, und die zugleich mit der Katholischen Propsteikirche sowie dem Gebäude der Polizeidirektion korrespondiert. In der letzten Woche konnte sich das junge Leipziger Büro Unnewehr Packbauer Architekten mit ihrem überzeugenden Entwurf gegen einige namenhafte Mitbewerber durchsetzen.

Ein Grundstück in 1A-Lage

Das 5.200 qm große Grundstück in Leipzigs Stadtteil Zentrum-Süd stellte in Folge der Schäden des Zweiten Weltkriegs lange Zeit eine Baulücke dar. Für die viele Jahre als Parkplatz genutzte Fläche ist im Entwurf des Architekturbüros upa eine kompakte Blockbebauung mit vier Nutzungsarten geplant: Dazu zählen rund 5.000 qm Bürofläche sowie ein Hotel mit circa 150 Zimmern und 50 Appartements. Zudem entstehen etwa 40 Wohnungen in unterschiedlichen Größen und eine Einrichtung für Betreutes Wohnen mit rund 60 Plätzen. Im Erdgeschoss sollen entlang des Peterssteinwegs Läden, Gastronomie und Dienstleister neue Adressen finden.

Städtebauliche Konzeption

Die besondere Herausforderung der Planung lag darin, eine städtebauliche Konzeption zu finden, durch die eine schlüssige Einfügung in das städtische Umfeld gewährleistet ist. Der Städtebau folgt einem rechtskräftigen Bebauungsplan aus dem Jahr 1996. Das Baufeld mit seinen baurechtlichen Bindungen gibt im Wesentlichen einen Hinweis auf eine Blockrandbebauung als städtebauliche Grundfigur.

Die Entwicklung von upa sieht einen Neubaukörper vor, der ein klares Bekenntnis an die vorherrschende Blockrandbebauung darstellt. Die innere Struktur des Gebäudes schafft über Vor- und Rücksprünge der Fassade einen kleinteiligeren Rhythmus, um damit die Länge des Gesamtblocks zu gliedern und zudem die Porosität der vorherrschenden Blockbebauung aufzunehmen.

Nutzungsarten

Die öffentlichen Nutzungen Büro und Hotel werden von der Seite des Wilhelm-Leuschner-Platzes erschlossen. Zum Platz hin bildet sich eine repräsentative Fassade mit einem Hochpunkt an der Ecke Nonnenmühlgasse/Wilhelm-Leuschner-Platz. Dieser Hochpunkt nimmt direkten Bezug auf den zurückweichenden Baukörper der Probstei St. Trinitatis und bildet einen Abschluss des Blocks von eigenständiger Prägung. Die privaten und weniger öffentlichen Nutzungen wie Wohnen und Pflege orientieren sich in Richtung der im Rahmen des Bauvorhabens neu geschaffenen Ruth-Pfau-Straße und werden auch von dort erschlossen. Die Erdgeschosszone wird rundherum mit öffentlichen Nutzungen versehen. In Richtung Wilhelm-Leuschner-Platz und Nonnenmühlgasse sind größere Gewerbeflächen angesiedelt, die von ihrer Art und Größe der öffentlichen Lage entsprechen (z. B. Restaurant, Shops). An der Ecke Wilhelm-Leuschner-Platz/Dimitroffstraße liegen die öffentlichen Teile des Hotels (Lobby und Restaurant).

Fassade

Der repräsentative Neubau soll sich so an diesem wichtigen Ort in die umliegende Altstadtbebauung einfügen. Um dies für den Betrachter lesbar zu machen, berücksichtigt der Entwurf die gestalterischen Qualitäten der historischen Fassaden und adaptiert sie an den Neubau:

Das Erdgeschoss erhält großformatige horizontale Öffnungen, die als Schaufenster und Eingänge fungieren und durch ihre tiefen Fensterlaibungen die massive Erscheinung des Sockels verstärken. Die Schaufenster werden in breite Bronzerahmen gefasst und somit betont. In diese Rahmen integriert sind auch die Eingangstüren der Läden. Die Eingänge in den Büroteil und das Hotel werden durch einen Rücksprung in der Fassade in Form von Kolonnaden betont. Ab dem zweiten Obergeschoss werden die Fenster ebenfalls mit Bronzerahmen in die Steinfassade gesetzt. Mit zunehmender Höhe wird die Breite der Bronzerahmen sukzessive vergrößert. Die Breite der vertikalen Klinkerlisenen reduziert sich dadurch mit jedem Geschoss. Diese Veränderung der bronzenen Rahmen verleiht der Fassade eine besondere Feinheit. So wird die unten vorgegebene Fassadenordnung mit zunehmender Höhe fließend aufgelöst. Die Überlagerung dieser Themen und deren Detailreichtum führen zu einer Vielschichtigkeit und mehrfachen Lesbarkeit der Fassaden.

Im Bereich der Ruth-Pfau-Straße wird der Bau als Putzfassade mit weit aus der Fläche herauskragenden Balkonen ausgeführt und setzt sich insoweit vom restlichen Block in Materialität und Struktur ab. Im Ergebnis soll eine dem Wohnen adäquate Fassade entstehen, die der Ruth-Pfau-Straße eine intimere Atmosphäre verleiht.

Flexibilität

Aufgrund von Langlebigkeit und Wertbeständigkeit der Immobilie sieht der Entwurf eine hohe Flexibilität der einzelnen Gebäudeteile vor. Durch die klare Setzung der Treppenräume, eine mögliche Unterteilung sämtlicher Flächen in 400 qm-Einheiten, ein durchgängiges 1,30 Meter Fassadenraster sowie eine durchgängige Geschosshöhe in den Obergeschossen, können die Nutzungen nachträglich in anderer Konstellation angeordnet oder umgeplant werden. Das Wohnen bleibt hier allerdings aufgrund er spezifischen Struktur von dieser Flexibilität ausgenommen.

Entscheidung des Preisgerichts

Das Preisgericht tagte unter Vorsitz der Dresdner Architektin Professor Angela Mensing-de Jong. Der Jury gehörten unabhängige Architektinnen und Architekten, die Baubürgermeisterin der Stadt Leipzig, Vertreter der beiden Auslober sowie jeweils ein Mitglied des Fachausschusses Stadtentwicklung und Bau sowie des Stadtbezirksbeirates Mitte an. Insgesamt wurden drei Preise und eine Anerkennung vergeben, die Siegerarbeit ist mit 48.000 Euro dotiert. Die Jury lobt den Entwurf von Unnewehr Packbauer Architekten aufgrund seiner klar gegliederten, strengen Fassadengestaltung zum Wilhelm-Leuschner-Platz. Durch kleine, asymmetrische Rücksprünge in der Fassade reagiere der Baukörper überzeugend auf die unterschiedlichen Höhenbezüge zur Polizei und der Kirche. Zudem werde der Hauptbaukörper an der Westfassade „durch eine Wohnbebauung mit eigenem architektonischem Ausdruck abgeschlossen, der sich trotz abweichender Geschosshöhen sehr gefällig in den ruhigen Straßenraum einfügt“.

 

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