MVRDV: AUS ALT MACH NEU – PAVILLON DER EXPO 2000 WIRD ZU INNOVATIVEM COWORKING-SPACE

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Die Expo 2000 in Hannover und die zu ihrem Zweck entstandenen Gebäude werden größtenteils nicht mehr genutzt, viele sind in die Jahre gekommen. Dies gilt auch auch für den Holländischen Pavillon von MVRDV. Es war damals eines der ersten Projekte des weltbekannten Architekturbüros aus Rotterdam, das schon vor 20 Jahren mit seinen innovativen und prägnanten Designs auffiel. Sie lieferten mit dem Gebäude nach dem Motto „Holland Creates Space“ eine Antwort auf die räumliche Knappheit des Landes: Das Bauen in die Vertikale. Sie schufen dabei einen Bau, der sechs holländische Landschaften zu einem Turm gestapelt verkörperte. Der Rest des Geländes wurde als offener Außenraum innerhalb gestaltet. MVRDV konzipierte das Gebäude insgesamt als in sich geschlossenes Ökosystem, das die Natur miteinbezieht und interne Ressourcenkreisläufe erzeugt.

Beibehalten wichtiger Schlüsselelemente des ursprünglichen Konzepts

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Die geplante Umgestaltung behält das gestapelte Konzept sowie weitere markante Merkmale des ursprünglichen Entwurfs bei. Das Gebäude wird renoviert und künftig eine vielfältige konzeptionelle Mischung aus Büros, Besprechungsräumen sowie Gastronomie beinhalten. Sie sind als Coworking-Space geplant. Die ehemaligen Gewächshäuser in den ersten beiden Etagen werden in verglaste Büros umgestaltet. Auch die Waldebene sowie die Außentreppen bleiben erhalten. Die erstere unterstreicht den starken nachhaltigen Charakter des Gebäudes, bei dem zum einen Elemente der umgebenden Landschaft in die Gestaltung des Gebäudes integriert und zum anderen großer Wert auf die Wiederverwendung von Bestand gelegt wird.

Die ehemaligen ebenerdigen „Dünen“ werden in einen Treffpunkt mit kleinen Cafés und einem Ausstellungsbereich umgewandelt. Der Bereich unter der Dachkuppel wird weiterhin von einem Restaurant genutzt. Auch das Äußere des Gebäudes bleibt weitgehend erhalten. Zwar sind auf einigen Seiten neue Fassaden nötig, um den Pavillon zu umschließen. Allerdings werden auch diese in Glas gehalten sein, um den offenen und transparenten Charakter des Gebäudes beizubehalten, der den Raum seit jeher auszeichnet.

Zwei weitere Gebäude entstehen auf dem Gelände

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Es werden auf dem Gelände außerdem zwei weitere Gebäude entstehen. Im größeren der beiden sind auf neun Etagen 370 Mikrowohnungen für Studierende geplant; im Untergeschoss finden die Bewohner ein Fahrradparksystem mit über 300 Stellplätzen. Das kleinere der beiden Gebäude umfasst wie der Hauptbau Büros in den oberen Etagen. Drei weitere Stockwerke im unteren Bereich sind für Parkplätze vorgesehen.

Das Ensemble läuft in der Mitte auf einem begrünten Innenhof zusammen. Die Dächer der neuen Gebäude werden in Anlehnung an das bunte Konzept des ursprünglichen Pavillons einige farbig gestaltete Terrassen umfassen, die unterschiedliche Funktionen bieten. Einige werden als Gärten genutzt, auf anderen finden die Besucher vielfältige Sportangebote oder Lernbereiche. Eine weitere Terrasse ist als Kino konzipiert. Alle Terrassen werden über ein farblich gestaltetes Band miteinander verbunden, das sich über die verschiedenen Ebenen erstreckt.

Adaptive Architektur

Das Projekt zeigt, wie adaptiv Architektur auf neue Entwicklungen und Bedarfe reagieren kann, anstatt ein Gebäude abzureißen. Zwar sind viele Jahre seit der Entscheidung für die Renovierung des Pavillons verstrichen, da alle vorherigen Initiativen im Sande verliefen. Nun jedoch wird die Umgestaltung dazu beitragen, den Expo-Park wieder aktiver und bevölkerungsreicher zu machen, wodurch weitere Entwicklungen des Gebiets ins Rollen gebracht werden könnten. Die Stadt Hannover trug stark zum Erhalt des Pavillons bei – es ist eines der letzten Gebäude, die von der Weltausstellung vor 20 Jahren übrig geblieben sind.

Die Renovierung wird von iLive Expo Campus durchgeführt. Es ist ein Joint Venture zwischen dem Immobilienentwickler Wohnkompanie Nord und iLive.

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„Es ist für uns eine tolle Chance, unser frühes Projekt, an dem wir vor über zwanzig Jahren zum ersten Mal gearbeitet haben, wieder aufzugreifen“, sagt MVRDV-Gründungspartner Jacob van Rijs. „Der ursprüngliche Entwurf war sicherlich ein einzigartiger Entwurf für einen ungewöhnlichen Zweck, aber eines der schönen Merkmale an diesem Objekt ist, dass seine Kernstruktur mit hohen Decken und offenen Räumen in hohem Maße wiederverwendbar ist. Dank dieser Eigenschaften sind wir in der Lage, das Gebäude in eine funktionale Büroumgebung umzuwandeln, die jedoch die einzigartigen experimentellen Merkmale des Expo-Pavillons beibehält.“

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