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© Diana Yevtukh

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einen dazu anstoßen, etwas Bemerkenswertes auf die Beine zu stellen. Die junge Ukrainerin Diana Yevtukh, die sich neben ihrem Studium ohnehin gerne der Kunst widmet, erhielt diesen Anstoß auf einem ihrer langen Spaziergänge durch die Natur. Aufgrund ihres Studiums ist das Thema Umweltschutz ohnehin eines, das sich fest in ihrem Alltag und ihrer Gedankenwelt verankert hat. Umso aufmerksamer nimmt sie ihre natürliche Umwelt und deren Bedürfnisse wahr, die in Zeiten des Klimawandels drängender zu beachten sind als jemals zuvor.

© Diana Yevtukh

Während eines Spaziergangs im Winter 2018 fiel Dianas Blick erstmalig auf die kleinen Löcher und Einbuchtungen, die sich wie Narben des Lebens über die Rinde zahlreicher Bäume verteilten. Fortan ließen sie die Gedanken an diese Narben nicht mehr los und der Wunsch, sie mit etwas Sinnhaftem zu füllen, wurde größer und größer. Nachdem sie auf einem ihrer Spaziergänge schließlich von dem gar übermächtigen Gefühl übermannt wurde, dass einer der Bäume sie anstarrt, fasste sie einen Entschluss: erst kurze Zeit davor hatte sie das Sticken für sich entdeckt und so entschied sie sich dazu, das Gefühl, dass die Narben in den Baumrinden in ihr auslösten, mithilfe von Nadel und Faden in Leben zu verwandeln.

Die erste Stickerei, die auf diese Art und Weise in der Baumrinde entstand, greift ihr Gefühl, von dem Baum „angestarrt“ zu werden, auf und trägt den Titel „Multitudes of life hidden in the plain sight“. Während für Diana schnell klar war, dass das Auge hier das einschlägige Motiv sein würde, entstanden die Farben und weitere Formen des ersten Werkes erst während des Realisierungsprozesses. Auf diese Weise „erstickte“ Diana sich nach und nach die Seele des Baumes, bis er sie am Ende wirklich „anstarrte“.

© Diana Yevtukh

Inspiriert und angesteckt von der aufblühenden Natur und all den Farben, die sie über den Winter versteckt hielt, malte sich Diana die Seele der Bäume schließlich als ein Meer von bunten Blüten aus. Mit den ersten Sonnenstrahlen entstand in der Folge Stich für Stich dann auch das zweite Werk ihrer Serie.

Etwas emotionaler und tiefgreifender ist der Hintergrund, vor dem Dianas dritte Arbeit entstand. Hierbei macht die junge Künstlerin sich auf die Suche nach dem Ursprung. Dem Ursprung von all jenem Leid, das Natur, Tiere und Menschen gegenwärtig erfahren. Dem Ursprung all der Gewalt, der ein jeder von uns zum Opfer fällt oder fallen kann. Für die junge Künstlerin konnte es nur eine Antwort auf die Frage nach dem Ursprung geben: das Herz. Alle Entscheidungen, ob Leid, Gewalt, Freude oder Liebe entspringen dem Herzen. Und so entstand ihre Arbeit „Healing the wounded Heart of Nature“.

© Diana Yevtukh

„Nach meinem Verständnis sind wir alle – ob Kinder, Erwachsene, Tiere oder Pflanzen – ein Teil der Natur. Wir sind ihre ewig leidenden Wunden, ihr Herz und ihre Seele“, so Diana. „Doch einzig wir Menschen verfügen über die Möglichkeit, ja die Superkraft, das Leben um uns herum heilen und stetig pflegen zu können.“ Und so ist das Werk der Künstlerin gleichsam auch ein Appell an die Menschen, all dem Leben, das sie umgibt, mit Liebe und ohne jegliche Gewalt zu begegnen.

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