BARCELONA: STADT ERZWINGT VERMIETUNG LEERSTEHENDER IMMOBILIEN

© Kaspars Upmanis via Unsplash

Die Stadt Barcelona geht mit radikalen Maßnahmen gegen die Wohnungsnot in der Metropole vor. Barcelona hat seit einigen Jahren mit leerstehenden Wohnungen zu kämpfen. Es existieren zahlreiche Objekte in der Stadt, die leerstehen und vermietet werden könnten – viele Unternehmen nutzen diese nämlich nur als Spekulationsobjekte. Sie wollen diese zu einem rentableren Zeitpunkt verkaufen, da die Finanzkrise den Immobilienmarkt weitgehend stagnieren ließ.

Waren es lange Zeit nur Geldstrafen an Vermieter und Unternehmen, hat die Stadt nun einen deutlich härteren Vorstoß gewagt, um gegen den Leerstand vorzugehen. Vermieter werden dadurch gezwungen, ihre leerstehenden Objekte innerhalb von einem Monat zu vermieten – andernfalls gehen die Immobilien in den Besitz der Stadt über. Die vormaligen Besitzer erhalten dann nur die Hälfte des Marktpreises der Immobilie. Zudem können darüber hinaus zusätzlich hohe Geldstrafen fällig werden. Die Stadt vermietet die Immobilien nach der Enteignung als Sozialwohnungen an einkommensschwache Mieter. Das Gesetz gilt für Grundstücke, für die seit mindestens zwei Jahren kein Mietvertrag mehr vorlag. Aktuell führt die Stadt noch Verhandlungen mit der katalanischen Regionalbehörde, um den Zwangsverkauf bereits nach sechs Monaten möglich zu machen. Aktuell wurden 14 Unternehmen kontaktiert, die insgesamt 194 leerstehende Objekte besitzen.

Ziel: Reduktion der Wohnungsnot in der Stadt

Der Plan baut auf früheren Maßnahmen in der Stadt zur Auffüllung leerstehender Wohnungen auf. Seit 2016 ist es für Gemeinden in der Region Katalonien legal, die Kontrolle über Immobilien zu übernehmen, die seit mehr als zwei Jahren ohne Mieter geblieben sind. Die Städte können sie dann für einen Zeitraum von vier bis zehn Jahren als erschwinglichen Wohnraum mieten, bevor sie sie wieder in die Verfügungsgewalt ihrer Eigentümer zurückgeben. Diese Maßnahme wurde jedoch nur selten angewandt und erfordert die Rückgabe der Immobilien. Außerdem werden viele Einheiten nach der Pfändung durch Banken gehalten. Diese betrachten die Immobilien jedoch meist als zu verwaltendes Vermögen und kümmern sich nicht darum, dass diese tatsächlich vermietet werden. Dies hat ebenfalls zu hohen Leerstandsraten und vernachlässigten Immobilien geführt.

Das Ziel ist es insgesamt nicht, möglichst viele Vermieter zu enteignen, sondern vielmehr sie durch die neue Regelung dazu zu bringen, ihre Einheiten tatsächlich zu vermieten. Auf diese Weise will man die Wohnungsnot in Barcelona bekämpfen. Einige Unternehmen reagierten prompt auf die neue Regelung und gaben freiwillig die Rechte zur Vermietung an die Stadt.

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