DÜSSELDORF: UNSTUDIO WILL HOCH HINAUS

© Flying Architecture

Der Belsenpark ist ein strategisch günstig gelegenes Gebiet in einem der Düsseldorfer Ost-West-Grünzüge. Noch ist der Masterplan nicht fertiggestellt – kürzlich wurde aber der Sieger des internationalen Wettbewerbs für das letzte verbleibende Puzzleteil der Bebauung des Masterplans gekürt. Das niederländische Architekturbüro UNStudio konnte sich mit seinem Entwurf für das 90 m umfassende Hochhaus mit Mischnutzung durchsetzen, das sich am Rande des Belsenparks befindet. Überzeugend war für die Jury nicht nur die optimale Einbettung des Hochhauses in den umgebenden Kontext, sondern auch sein nachhaltiger Ansatz sowie die Schaffung von Grünflächen. Dafür sorgen unter anderem zwei weitere Flachbauten neben dem Turm, die so positioniert sind, dass sie gemeinsam einen kleinen Park bilden. Öffentliche Nutzungen umgeben den Park, sodass er einen idealen Treffpunkt darstellt. Eine planmäßige Fußgängerachse führt von der Unterführung der nahegelegenen Hochstraße durch das Gebäude in den Hofpark und gewährleistet eine gute Orientierung für Fußgänger und Radfahrer.

Erstklassiges Mischnutzungskonzept

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Im Erdgeschoss des Gebäudes befindet sich ein vielseitiges und offen gestaltetes Programm. Neben dem beschriebenen Parkbereich sorgen auch der Sport-, Gesundheits- und Wellnessbereich sowie verschiedene gastronomische Angebote für gemeinschaftliche Zusammenkünfte und fördern die soziale Interaktion der Nutzerinnen und Nutzer des Gebäudes. In den darüber liegenden Etagen befinden sich Büroräume, die in Form von großzügigen, pixelartigen Strukturen gestaltet sind. Sie verjüngen sich in Richtung der oben liegenden Wohneinheiten und schaffen es, das Programm des Turms visuell miteinander zu verbinden. Ab der siebten Etage befinden sich unterschiedliche Wohntypologien in dem Turm, die sich durch ihren modularen Aufbau auszeichnen. Kleine und große Einheiten können so auf flexible Weise zusammengestellt werden. Die Wohnungsgröße variiert zwischen 30 und 130 m².

Unterhalb der siebten Etage geht das Wohnhohhaus in flexible Coworking-Flächen über. Der Grundriss ermöglicht hier sowohl flexibel anpassbare Zellenstrukturen als auch gemeinschaftliche Arbeitsumgebungen.

„Der sehr vielfältige Wohnungsmix, ergänzt durch den kostenkontrollierten Wohnraum, ermöglicht nicht nur die soziale Integration verschiedener Bevölkerungsgruppen, sondern schafft auch dringend benötigten Wohnraum, da die Stadt sich weiter verdichtet.“

– Ben van Berkel

Fassade mit besonderen Elementen

Eine weitere Besonderheit des Entwurfs stellt die Fassade des Gebäudes dar: Sie ist so gestaltet, dass sie auf die Aspekte Lärm, Panorama und Sonneneinstrahlung sensibel eingeht. Alle Wohneinheiten umfassen einen Außenbereich, wobei ein Spiel zwischen Loggien und Erkern eine hohe Vielfalt an Texturen erzeugt, die auch die Biophilie miteinbeziehen. Auf der dem Park zugewandten Seite sind aufgrund geringer Lärmbelastung Balkone mit Ganzglasbrüstungen angebracht, die ungehinderte Ausblicke auf die Umgebung ermöglichen. Auf der Gebäudeseite, die der stark befahrenen und somit lärmbelasteten Straße zugeneigt ist, findet man an der Fassade hingegen Loggien mit lärmdämpfenden Schallschutzscheiben. Ein Lüftungsspalt in der Scheibe sowie schallabsorbierende Holzverkleidungen im Inneren der Loggia reduzieren den Umgebungslärm.

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Im unteren Bereich des Gebäudes spiegeln leicht changierende helle Aluminiumelemente und weiße Putzfassaden des preisgesteuerten Wohnprogramms die Materialität des Kontextes wider, während helle Natursteinelemente das Erscheinungsbild des Turms neben den warmen holzverkleideten Loggien prägen.

Nachhaltiges Wassermanagement und Gebäudekonzept

Die geometrischen Muster der Gebäudefassaden spiegeln sich auch im Landschaftsplan wider, für den vor allem das Landschaftsarchitekturbüro OKRA verantwortlich ist. Sie werden unter anderem die Kreuzung der Rad- und Fußgängerwege mit einem Wasserspiel verschönern – und schaffen damit einen Ort, um eine Pause einzulegen, die Sonne zu genießen und Leute zu treffen. Dieser Bereich ist nicht nur optisch ansprechend gestaltet, sondern trägt auch zu einem nachhaltigen Ansatz für das Wassermanagement bei.

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Das Regenwasserkonzept des Projekts kombiniert grüne Komponenten mit nachhaltigen Wassermanagementinstrumenten. Das Regenwasser wird auf den begrünten Dächern über eine Wasserrückhalteschicht aufgefangen, während der Überlauf in die Bepflanzung des kleinen Parks geleitet wird. Dieser Überlauf wird zusammen mit dem gesamten Abfluss von den befestigten Flächen im Park über sichtbare Rinnen zum Hauptwasserlauf geleitet. Diese Stelle kann bei extremen Überschwemmungen auch als Rückhaltebecken genutzt werden und bietet eine Strategie für ein kreislaufförmiges Wassersystem. Das Wasser wird nach und nach in einen Regenwassertank geleitet und in Trockenperioden für die Bewässerung der Pflanzen wiederverwendet.

Über dieses nachhaltige Wassermanagement hinaus ist auch das gesamte Gebäudekonzept auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Neben der Verwendung vorgefertigter Bauteile in der Konstruktion und einem modularen Ansatz für Tragwerk, Fassade und Haustechnik hält das Projekt auch die CO2-Emissionen im Betrieb gering. Außer der modularen Planung liegt der Schwerpunkt des Entwurfs zudem auf einem nachhaltigen Ressourceneinsatz. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der CO2-Reduzierung in Bau und Betrieb sowie der Abfallvermeidung durch Upcycling von Materialien.

Projekt als Bindeglied

Auch die Funktion des Neubaus als Bindeglied umliegender Gemeinden trug zur Entscheidung der Jury für den Entwurf von UNStudio bei. Mit dem Projekt schafft das Architekturbüro eine wichtige grüne Verbindung innerhalb des Ost-West-Gebiets in Düsseldorf. Die Grünelemente stärken die biologische Vielfalt in einem größeren Maßstab. Das Projekt verbindet verschiedene kleinere Grünanlagen auf Stadtteilebene physisch miteinander. Darüber hinaus bergen diese Landschaftskorridore das Potential, sich nach Westen weiter auszudehnen. Das Projekt wurde von dem Kölner Projektentwickler PANDION in Auftrag gegeben.

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