Flächen mit Potenzial

Ausgangspunkt und Rahmenplanung Die Ankündigung der Braunschweiger Zeitung „BZ“, mit Verlag und Redaktion in die Innenstadt zu ziehen und die Produktion in das Industriegebiet „Hansestraße“ zu verlagern sowie untergenutzte Flächen bei der Braunschweiger Versorgungs AG & Co. KG in der Taubenstraße, haben das „Nördliche Ringgebiet“ in das Blickfeld der Stadtentwicklung gerückt. Anders als das Östliche oder das Westliche Ringgebiet, konnte es bisher keinen eigenständigen Charakter als Wohnquartier entwickeln. Die Stadt Braunschweig hat die Chance erkannt, in diesem sehr zentral gelegenen Areal eine Neuordnung und Aktivierung der un- und untergenutzten Flächen vorzunehmen. Die 2012 erstellte und im Juni 2013 veröffentlichte Rahmenplanung untersucht nicht nur die Entwicklungsmöglichkeiten auf dem frei werdenden Areal der BZ, sondern betrachtet den gesamten Bereich des Nördlichen Ringgebietes.

Übergeordnete Ziele der Rahmenplanung sind die Schaffung eines Quartiers mit eigenständiger Qualität und Identität, die Deckung des mittel- und langfristigen Bedarfs von innenstadtnahem Wohnraum, die günstige Erschließung neuen Baulandes durch eine weitgehende Nutzung vorhandener technischer und sozialer Infrastrukturen, die Einbindung der vorhandenen bis jetzt isolierten Wohnstandorte sowie die Gestaltung von Freiund Grünräumen mit hoher Aufenthaltsqualität. Die Rahmenplanung bezieht die vorhandenen gemischten Strukturen in die Untersuchung ein und zeigt die Potenziale des heterogen genutzten Stadtquartiers auf. Die Verknüpfung von Wohnen, Arbeiten und Freizeit sowie kurze Wege in die angrenzenden Quartiere, zur technischen Universität und ins Stadtzentrum schaffen die Voraussetzungen für attraktives und innenstadtnahes Wohnen. Der erste zur Realisierung vorgesehene Abschnitt umfasst den Bereich nördlich der Taubenstraße. Hier sollen in den nächsten Jahren bis zu 1.200 Wohnungen entstehen. Weitere 800 Wohnungen sind für die Bereiche des bisherigen Geländes des Braunschweiger Zeitungsverlags und nördlich der Ludwigstraße vorgesehen.

Wettbewerb
Zur Fertigstellung der Rahmenplanung stand fest, dass die gestalterische Weiterentwicklung einzelner Teilbereiche durch die Auslobung städtebaulicher Wettbewerbe angestrebt wird. Bereits im Juli 2013 ist die Bekanntmachung des nicht offenen städtebaulichen Wettbewerbs für den ersten Teilbereich „Taubenstraße“ erfolgt.

Aufgefordert zur Teilnahme waren Arbeitsgemeinschaften aus
Architekten und / oder Stadtplanern und Landschaftsarchitekten. Neben einem tragfähigen städtebaulichen Gerüst sollen auch qualitativ hochwertige Freiräume entstehen. Der Betrachtungsraum für den Wettbewerb ist weiter gefasst und beträgt insgesamt ca. 20 ha. Damit umfasst das zu bearbeitende Gebiet auch den Nordpark, Teile des Ringgleises und die Verknüpfungen in die angrenzenden Quartiere. Die Einbeziehung von Landschaftsarchitekten in das Verfahren spiegelt dabei den hohen Stellenwert der öffentlichen Räume wider.

Im Bereich der „Taubenstraße“ liegt der Schwerpunkt auf einer höherwertigen Nutzung mit Wohngebäuden, wohnverträglichem Gewerbe und qualitativ hochwertigen Freiflächen. Durch die Nähe zur Innenstadt und zur Universität sowie die bereits vorhandene hohe Nutzungsvielfalt ergeben sich viele Möglichkeiten, das Gebiet im Sinne des Leitbildes einer dichten und nutzungsgemischten europäischen Stadt weiterzuentwickeln. Es soll ein städtisch geprägtes Wohngebiet mit mehrheitlich viergeschossigen Gebäuden entstehen. Neben Wohneinheiten in Stadtvillen und im Geschosswohnungsbau sind in geringerem Umfang auch Stadthäuser für den individuellen Wohnungsbau vorgesehen. Ausdrückliches Ziel ist es, vielfältige Wohnformen zu schaffen und schwerpunktmäßig kostengünstigen Wohnungsbau zu ermöglichen.

Zur Entscheidungsfindung maßgebliche Kriterien sind die städtebauliche Idee, ein Konzept für den Umgang mit dem Bestand, freiräumliche Qualitäten, funktionale Mischung, Wohnqualitäten, Erschließungssystem, Wirtschaftlichkeit und Realisierbarkeit der Bauabschnitte.

Unter den 27 eingereichten Wettbewerbsbeiträgen wurden im Dezember 2013 durch die Jury zwei Arbeiten als erste gleichrangige Preise gekürt: Die Arbeitsgemeinschaft Gesamtkonzept Architekten mit Dröge + Kerck Landschaftsarchitekten aus Hannover sowie Ackers Partner Städtebau aus Braunschweig mit Matthias Staubach Landschaftsarchitekt (CapattiStaubach) aus Berlin. Nach Überarbeitung ihrer Wettbewerbsbeiträge und erneuter Vorstellung der Ergebnisse haben die politischen Gremien entschieden, dass der Entwurf von Ackers Partner Städtebau und CapattiStaubach Grundlage für die weitere Bearbeitung des Bebauungsplanes wird. Das zentrale Element des Entwurfs von Ackers Partner Städtebau ist der identitätsstiftende Freiraum des Stadtangers. Er bildet durch seine Lage entlang der von Fußgängern und Radfahrern schon jetzt stark genutzten Spargelstraße ein verbindendes Element über die Quartiersgrenzen hinaus.

Die Jury schreibt über den Wettbewerbsentwurf: „Die Verfasser entwickeln ein spannungsreiches Netz differenzierter Freiräume im gekonnt engen funktionalen wie räumlichen Zusammenspiel mit den baulichen Strukturen. Subtil leiten sich daraus die Übergänge von öffentlich zu privat ab, integrieren sich geschickt visuell angrenzende Räume und lassen dabei ausreichend Raum für die individuelle Aneignung.“

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