Immer auf der Suche

Im Gespräch mit Dr. Reiner Götzen , geschäftsführender Gesellschafter der INTERBODEN Gruppe, und Andreas Ludwig, Prokurist und Bereichsleiter Projektentwicklung Wohnen bei INTERBODEN

Wie schätzen Sie die derzeitige Situation auf dem deutschen Immobilienmarkt ein?
Ludwig: Die Situation auf dem deutschen Immobilienmarkt ist prinzipiell sehr gut. Befeuert wird dies durch einen historisch günstigen Zinssatz, der den privaten Käufer dazu animiert, zum jetzigen Zeitpunkt Immobilien zu kaufen. Selten waren Immobiliendarlehen so günstig wie heute. Auch nationale und internationale Investoren und Kapitalanleger möchten gerne auf dem deutschen Markt in Immobilien investieren. Sie sind dabei durchaus bereit, hohe Kaufpreise zu zahlen, wollen jedoch das Risiko, das damit einhergeht, nicht selber tragen. Sie verlangen daher Mietpreisgarantien vom Bauträger, der diese Forderung aber einfach nicht mehr seriös abbilden kann, da die Mieten bereits in hohen Regionen angelangt sind. Hier sollte man meiner Meinung nach aufpassen, dass man die Schraube nicht noch weiter überdreht. Der hohen Nachfrage an Neubauimmobilien steht ein geringes Angebot an bebaubaren Grundstücken gegenüber.

Wie gestaltet sich aktuell die Suche nach Grundstücken?
Ludwig: Zurzeit werden wenige oder überteuerte Grundstücke auf dem Markt angeboten. Eigentümer verschieben zum Teil den Verkauf ihrer Grundstücke, da sie auf noch höhere Preise spekulieren, oder verlangen bereits heute überhöhte Preise. Das macht die Situation für all jene, die auf der Suche nach Grundstücken und Immobilien in guten Lagen sind, schwierig. Im Jahr 2013 wurde von der Stadt Düsseldorf das Handlungskonzept Wohnen (HKW ) als politische Maßnahme beschlossen.

Hierbei wird kommunal festgelegt, dass ein ausgewogenes Wohnraumangebot in allen Preissegmenten bereitgestellt werden soll. Ist das ein Segen oder ein Fluch?
Ludwig: Beides. Für den Wohnungsmarkt könnte es durchaus eine Perspektive sein. Nur die Umsetzung, die dringend benötigten Projekte, die in dieses Segment fallen können, kommt derzeit nicht voran. Es scheint mir, als ob vielen Grundstücksverkäufern das Handlungskonzept Wohnen nicht bekannt ist oder mitunter suspekt erscheint. Deshalb wird der eine oder andere mit dem Verkauf warten, in der Hoffnung auf steigende Grundstückspreise. Und genau das sollte nicht passieren.

Götzen: Vom Grundsatz her ist die politische Idee, die hinter dem Handlungskonzept Wohnen steckt, richtig. Es geht darum, dass Wohnraum für alle geschaffen wird und nicht nur für eine wohlhabende Klientel. Das deckt sich durchaus mit unseren Zielen. Mit unseren Quartieren möchten wir keine isolierten Wohnräume schaffen, sondern Lebenswelten, in denen das Miteinander großgeschrieben wird und sich Familien, kinderlose Paare, Singles und Senioren gleichermaßen wohl und zu Hause fühlen. Wir wollen weder die Menschen noch die Stadt segmentieren.

In diesem Zusammenhang betonen Sie gerne das ganzheitliche Lebenswelten-Konzept Ihres Unternehmens. Was meinen Sie damit?
Götzen: Der Zusammenhalt einer Gesellschaft zeigt sich in der Art und Weise, wo und wie Menschen leben. Bei uns steht deshalb nicht die einzelne Wohnung, nicht das einzelne Gebäude im Mittelpunkt – sondern die Menschen und das Leben im Quartier. Deshalb ist es uns wichtig, Wohnimmobilien zu konzipieren, die mit einer hochwertigen Architektur, zielgruppengerechten Zuschnitten, solider Bauqualität und Mehrwerten wie wohnbegleitenden Service- und Betreuungsangeboten Lebensqualität und Wertsicherheit bieten.

Wie bringen Sie das mit der Lebensrealität vor allem jüngerer Menschen in Einklang, bei denen das Internet und die sozialen Netzwerke eine immer größere Rolle spielen?
Götzen: Das ist richtig. Mit Blick auf die Zukunft arbeiten wir deshalb verstärkt an einer digitalen Strategie für unser Unternehmen. Mit dem Online-Quartiersnetzwerk Animus, das die Leistungen eines Service-Points vor Ort sinnvoll ergänzt, gehen wir bereits neue Wege in der Kommunikation mit unseren Kunden. Der persönliche Kontakt wird so durch eine Online-Präsenz sinnvoll ergänzt.

An welchen Standorten lässt sich das ganzheitliche Lebenswelten- Konzept realisieren?
Ludwig: Wir prüfen bebaute oder unbebaute Grundstücke, die geeignet sind für Wohnquartiere unterschiedlichster Größe, Geschosswohnungsbau ab etwa 20 Wohneinheiten, Neubau von Hausgruppen jeder Art, Doppel-, Ketten- und Reihenhäuser. Hinzu kommen Gewerbeobjekte mit der Umnutzung zu Wohnbau. Unser Fokus richtet sich dabei auf zentrale und attraktive Lagen in Groß- und Mittelstädten ab circa 50.000 Einwohnern.

Welche Erwartungen haben Sie an die Zukunft?
Ludwig: Die Altersversorgung über Immobilien ist und bleibt ein interessantes Thema. Zudem wird der regionale Umgang mit Altbeständen und deren Modernisierungsbedarf, zum Beispiel im Ruhrgebiet, eine ganz neue und drängende Herausforderung. Gentrifizierung, Rückbau und Neubauaktivitäten werden dort zukünftig die vorherrschenden Themenschwerpunkte sein. Spannend wird zudem die Entwicklung in den Wachstumsregionen Düsseldorf und Köln. Hier werden möglicherweise die Gesetze des freien Marktes in den nächsten Jahren für alle Teilnehmer besonders hart zuschlagen.

Götzen: Für mich war es immer wichtig, die Quartiersgestaltung mit dem Umfeld der Menschen zusammenzubringen. Ich probiere gerne aus. Und die meisten Ideen zahlen sich langfristig aus. Wir wollen verschiedene Themen in den Quartieren zusammenbringen. Unter anderem denke ich über Serviced Apartments nach. In Verbindung mit unserer Service-Gesellschaft würde ich gerne „Wohnen auf Zeit“ mit einem hotelähnlichen Standard anbieten. Dieses Konzept sollte auch offen für Studenten sein. So erreichen wir eine soziale und altersgerechte Durchmischung.

Das Interview führte Johannes Busmann

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