INVEST IN …

Gespräch mit Martin Halder, Vorstandsvorsitzender der Meilenwerk AG

Herr Halder, Oldtimer sind derzeit als lohnendes Investment in aller Munde. Wie sehen Sie den Oldtimermarkt?
Fraglos hat die gesamte Oldtimerszene in den vergangenen 20 Jahren einen erheblichen Aufschwung genommen. Die Wachstumsraten lagen in diesem Zeitraum über denen der ITIndustrie. Heute wird allein in Deutschland mit Oldtimern und den korrelierten Dienstleistungen ein Umsatz von über sieben Milliarden Euro pro Jahr erzielt. Wir reden also nicht mehr von ein paar wenigen Enthusiasten, sondern von einem ernsthaften, sich immer mehr professionalisierenden Wirtschaftszweig, der in Deutschland 45.000 Arbeitsplätze sichert. Insofern ist es nur folgerichtig, dass dieses Segment mehr öffentliche Aufmerksamkeit erlangt.

Sind es noch die Enthusiasten, die im Oldtimersegment prägend sind oder bereits die Kapitalanleger?
Klare Antwort: Die Enthusiasten. Das Investmentsegment ist relativ eng. Es konzentriert sich auf Fahrzeuge im Wert von 150.000 Euro aufwärts. Dies leuchtet ein, da die laufenden Kosten eines Fahrzeuges von Unterbringung über Instandhaltung und Versicherung ansonsten die Wertsteigerung aufzehren. Wer Laut DOX (Oldtimerindex) liegt die Rendite von teuren Oldtimern bei bis zu 10 % im Jahr aber das Vergnügen beim Bewegen eines Klassikers einrechnet, wird allein mit der emotionalen Rendite glücklich sein; die finanzielle Rendite von durchschnittlich 6–7 % kommt dann dazu. Der durchschnittliche Wert eines Oldtimers in Deutschland liegt unter 20.000 Euro – das zeigt einerseits, dass die Begeisterung für das Automobile Kulturgut prägend ist und dass dieses Hobby eben nicht nur eine Spielwiese für Wohlhabende ist.

Sehen Sie weitere Wertsteigerungen bei Oldtimern oder zeigt der Markt Symptome einer Blasenbildung?
Die derzeitige Marktentwicklung ist nichts anderes als das Spiel von Angebot und Nachfrage. Wenn bei einem, wie bei Oldtimern, nicht vermehrbaren Angebot die Nachfrage zunimmt, muss der Preis steigen. Dies wird nach meiner festen Überzeugung auf den Gesamtmarkt auch weiterhin so sein. Drei Gründe außerhalb der Finanzspekulation mit Oldtimern sind dafür maßgeblich: Die hohe gesellschaftliche Akzeptanz und Begeisterung für Oldtimer lässt immer mehr Autoliebhaber zum Oldtimer anstatt zum kritischer betrachteten Neuwagen als Hobby greifen. Die nun zum Klassiker gereiften Fahrzeuge aus den Sechziger- und Siebzigerjahren sind auch im heutigen Verkehrsalltag problemlos zu bewegen. Und der dritte Grund ist der weltweit wachsende Markt. Russland und Brasilien sind im gehobenen Oldtimersegment bedeutende Nachfrageländer ohne eigene Bestände geworden. Der chinesische Markt wird 2015 für Oldtimer geöffnet, die Nachfrage wächst also weiter.

Wenn sich nun jemand einen Oldtimer auch unter dem Investmentaspekt zulegen möchte, worauf sollte er achten?
Erstens gibt es den homogenen Oldtimermarkt nicht. Während Ferraris der Sechzigerjahre gewaltige Wertsteigerungen erfahren haben, sind die leistungsschwachen Vorkriegswagen eher im Wert sinkend. Ein alter Porsche 911 war in den vergangenen Jahren ein sehr gutes Geschäft, ein Jaguar Mark 2 stagnierte eher. Bei über 120 Jahren Automobilgeschichte und Tausenden Modellen dürften die allermeisten Investoren mit einer professionellen Auswahl ohne Fachwissen überfordert sein. Der Enthusiast hat dieses Problem nicht, er entscheidet nach persönlichen Vorlieben. Beiden gemein ist jedoch, dass es sich bei einem klassischen Fahrzeug um ein komplexes technisches Objekt handelt, das schon einige Jahrzehnte Gebrauch hinter sich hat. Hier ist eine Kaufentscheidung ohne Expertise und Gutachterrat schlicht fahrlässig.

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