Smart City Innovation oder Marketing-Gag?

„Smart City“ hat sich in den letzten Jahren zum Modewort entwickelt . Großstädte, aber auch kleinere und mittlere Kommu nen wolle n auf einmal smart sei n. Dabei ist vielfac h oft gar nic ht klar , wa nn genau eine Stadt „smart “ ist. Und profitiere n die Bürger ei gentlich davon, wenn sich Verwaltung und Stadtrat dazu entschliessen, ein „Smart Cit y-Konzept“ zu entwickeln? Führen derartige Konzepte eigentlich zu echten Innovationen oder sind sie nicht vielmehr ein Marketing-Gag?

„Das Jahr 2012 steht in Köln ganz im Zeichen des Klimaschutzes. Der Einbau von 30.000 Smart Metern in Kölner Wohnungen durch die RheinEnergie ist ein erster Schritt in Richtung einer Smart City Cologne.“ – Mit diesen Worten hat Oberbürgermeister Jürgen Roters den Einbau von insgesamt 30.000 digitalen Zählern für Strom, Gas, Wärme und Wasser in zunächst 350 größeren Kölner Wohnhäusern zu Beginn des Jahres 2012 kommentiert. Bereits die Aussage zeigt, Smart City zu sein, ist derzeit „in“. Doch was macht eine Smart City eigentlich aus? Ist der Einbau von moderneren Strom- und Wasserzählern eigentlich bereits ein ausreichender technologischer Quantensprung, damit eine bisher „normale Stadt“ nunmehr „smart“ ist? Zieht man einmal Wikipedia zu Rate, so erfährt man, dass die Idee der Smart City mit der Nutzbarmachung digitaler Technologien einhergeht und zugleich eine Reaktion auf die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Herausforderungen darstellt, mit denen postindustrielle Gesellschaften um die Jahrtausendwende konfrontiert sind. Im Fokus stehen hierbei der Umgang mit Umweltverschmutzung, demografischem Wandel, Bevölkerungswachstum, Finanzkrise oder Ressourcenknappheit. Breiter gefasst schließt der Begriff auch nicht technische Innovationen mit ein, die zum besseren und nachhaltigeren Leben in der Stadt beitragen. Eine ähnlich umfassende Definition erhält man, wenn man die Satzung des Bundesverbandes Smart City e.V. zur Hand nimmt. In der Präambel wird der Zweck des Verbandes „mit der Förderung von Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der intelligenten Stadt der Zukunft (Smart City) sowie der Erforschung, Entwicklung, Erprobung und Implementierung entsprechender Konzepte“ beschrieben. Inhaltliche Schwerpunkte sollen dabei „die rationale Ressourcenerzeugung und Verteilung, dabei insbesondere die umweltschonende, nachhaltige und regenerative Energieerzeugung, Speicherung, Verteilung und Nutzung, neue Mobilitätskonzepte, eine innovative Gesundheitsprävention und Versorgung sowie intelligentes Wohnen, Leben und Arbeit in einer älterwerdenden Gesellschaft (demografischer Wandel) sein.“

Diese beiden sehr umfassenden Definitionen machen deutlich, dass eine Smart City sicherlich sehr viel mehr auszeichnet als der Austausch von Strom- und Wasserzählern. Gleichwohl stellt sich die Frage, ob nicht tatsächlich auch die neuen Strom- und Wasserzähler einen Beitrag auf dem Weg zu einer Smart City sind. Denn wenn man sich die allgemeinen Definitionen so ansieht, so stellt sich sehr schnell die Frage, welche Erneuerungs- oder Modernisierungsmaßnahme, die in einer Stadt durchgeführt wird, sich eigentlich nicht mit dem „Label Smart City“ versehen lässt. Sei es der Einsatz von Blockheizkraftwerken, die Umrüstung von Straßenlaternen auf LED, die Anlage von Elektrozapfstellen, die Förderung von Ärztehäusern, eine Bauleitplanung, die Mehrgenerationenhäuser berücksichtigt, die Sicherung von dezentralen Nahversorgungsstrukturen, die energetische Gebäudesanierung bei in die Jahre gekommenen Kita- und Schulgebäuden, innovative Sportkonzepte, die insbesondere auch den Bedürfnissen von Senioren gerecht werden, oder aber Job-Sharing-Modelle in der Stadtverwaltung – all diese Themen, mit denen sich Kommunalpolitik tagtäglich beschäftigt, lassen sich – weitgehend unproblematisch – unter die Überschrift Smart City, so wie sie etwa der Bundesverband Smart City e. V. versteht, einordnen.

Die Diskussion um Smart-City-Konzepte ist daher letztlich vor allem eine Diskussion um eine moderne und innovative Kommunalpolitik, die den gewandelten Anforderungen an Stadtentwicklung und dem demografischen Wandel Rechnung trägt. Ob es dafür des Labels „Smart City“ bedarf, mag dahingestellt sein. Wenn die Diskussion um Smart-City-Konzepte jedoch zugleich einen Austausch über innovative Kommunalpolitik beflügelt, kann dies für die Bürgerinnen und Bürger in unseren Städten nur vorteilhaft sein. Dabei wird auch an dieser Stelle in vielen Kommunen wieder ein kleiner „Glaubenskrieg“ darüber geführt, ob es eigentlich notwendig und sinnvoll ist, zunächst umfassende integrierte Gesamtkonzepte zu entwickeln, die dann – optimalerweise – Schritt für Schritt umgesetzt werden, oder ob der Hang zur Entwicklung derartiger Gesamtkonzepte nicht eher dazu führt, dass am Ende zwar ein Konzept steht, dieses aber wegen seiner Komplexität und Größe nicht zur Umsetzung gelangt. Für die Bürgerinnen und Bürger dürfte auch diese Diskussion eher zweitrangig sein – jedenfalls solange, bis die unmittelbaren Probleme und Herausforderungen vor Ort, von denen sie tagtäglich betroffen sind, überzeugend gelöst werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.